Der FCK war zwar im Jahr zuvor Pokalsieger geworden, aber trotzdem traute den Pfälzern danach kaum jemand zu, in der Bundesliga oben mitspielen zu können – zu knapp war man in der Saison 89/90 dem Abstieg entronnen. Der Verein gab einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel aus, was realistisch erschien.  Nach einem guten Saisonstart mit zwei Auswärtssiegen in Hamburg (3:1) und Dortmund (2:0) sowie einem 1:1-Unentschieden im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, setzten sich die Roten Teufel jedoch schnell in der Spitzengruppe der Liga fest. Nach dem 2:1 auf dem Betzenberg am 22. Spieltag gegen Bayern München übernahm der FCK die Tabellenspitze und gab sie bis zum Saisonende nicht mehr her.

Vor dem 34. und letzten Spieltag der Spielzeit 1990/1991 ergab sich für den 1. FC Kaiserslautern die unerwartete Chance, mit einem Punktgewinn in Köln den ersten Deutschen Meistertitel, seit den beiden bis dato größten Erfolgen der Vereinsgeschichte unter der Führung des unvergleichlichen Fritz Walter in den frühen 50er Jahren, in die Pfalz zu holen. Und es begann die größte „Völkerwanderung“ in der Geschichte des pfälzischen Traditionsvereins. Am 15. Juni 1991 traten unglaubliche 40.000 FCK-Fans den Weg nach Köln an – ein Zuschauerrekord für die Ewigkeit! Die Kölner, die eigens vor dieser Begegnung noch UEFA-Cup-Chancen besaßen, hatten es dabei zum Glück für die teuflischen Fußballanhänger versäumt, frühzeitig den Kartenverkauf zu reglementieren, sodass die einheimischen 15.000 FC-Fans sich einer unglaublichen Übermacht an FCK-Anhängern gegenüber sahen und im Verlaufe des Spiels weder akustisch noch optisch eine Chance hatten, dagegen anzukommen – Heimspiel in Müngersdorf!

Die Pfälzer übernahmen sofort das Kommando und versuchten keineswegs, den Punkt des 0:0’s über die Zeit zu bringen, der ja auch zum Titel gereicht hätte. Bereits nach fünf Minuten erzielte der junge Marco Haber mit einem Fernschuss die 1:0-Führung für Lautern. Weltmeister Bodo Illgner im Kölner Gehäuse war dabei chancenlos. Als der 1. FC Köln noch an diesem frühen Gegentreffer knabberte, legte eben jener Bernhard Winkler, den Kalli Feldkamp überraschenderweise für Bruno Labbadia von Anfang an spielen ließ, in der 14. Spielminute schon zum 2:0 nach. Die Gästefans waren natürlich aus dem Häuschen, die Feierstimmung hielt bis zum Schlusspfiff an und natürlich darüber hinaus.

Der FC verkürzte zwar nach einer halben Stunde durch einen Elfmeter von Frank „Otze“ Ordenewitz noch zum 1:2, doch bis zur Pause stand es bereits 4:1 durch einen Doppelschlag von Bernhard Winkler und Tom Dooley unmittelbar vor der Pause. Die FCK-Fans befanden sich nun bereits in einem regelrechten Siegesrausch und feierten auch die ganze Pause hindurch weiter. Da sollte doch nun wirklich nichts mehr schief gehen, zumal die Gastgeber nach einem frühen Platzverweis in der 30. Minute gegen den heutigen Bundestrainer-Assistenten Hans-Dieter Flick nur noch zehn Mann auf dem Platz hatten.

Kurz nach dem Wechsel verkürzte dennoch Frank Greiner, der später selbst zum FCK wechseln sollte, noch auf 2:4, der Sieg der Pfälzer geriet aber nicht mehr in Gefahr. Marco Haber und Markus Schupp erhöhten in der Endphase dieser Begegnung auf 6:2 für den 1. FC Kaiserslautern. Die Kölner leisteten zu diesem Zeitpunkt schon längst keine wirkliche Gegenwehr mehr. Nun stürmten aber bereits, obwohl das Spiel noch lief, mehrere Tausend Gästefans den Innenraum des Stadions und formierten sich rund um die Spielfläche, sodass sogar kurzfristig ein Abbruch dieser Begegnung drohte. Aber Schiedsrichter Harder behielt die Nerven und brachte die letzten Minuten noch gut über die Bühne. Nach dem Abpfiff kannte der Jubel der Roten Teufel dann endgültig keine Grenzen mehr. Mannschaft und Fans des 1. FC Kaiserslautern feierten lautstark und fröhlich diese als absolut sensationell zu bezeichnende dritte Deutsche Meisterschaft des FCK – ob in der Domstadt am Rhein oder in der pfälzischen Heimat.

1. FC Köln – 1. FC Kaiserslautern 2:6 (1:4)

1.FC Kaiserslautern:
Gerald Ehrmann, Roger Lutz, Kay Friedmann, Markus Schupp, Stefan Kuntz, Uwe Scherr, Guido Hoffmann (Bruno Labbadia 87.), Thomas Dooley, Marco Haber, Markus Kranz, Bernhard Winkler (Rainer Ernst 75.)
1. FC Köln:
Bodo Illgner, Andreas Gielchen, Alfons Higl (Horst Heldt 46.), Anders Giske, Frank Greiner, Hans-Dieter Flick, Frank Ordenewitz, Pierre Littbarski, Andrzej Rudy (Ralf Sturm 72.), Falko Götz, Maurice Banach
Tore:
0:1 Marco Haber (5.)
0:2 Bernhard Winkler (14.)
1:2 Frank Ordenewitz (34./FE)
1:3 Bernhard Winkler (43.)
1:4 Thomas Dooley (45.)
2:4 Frank Greiner (47.)
2:5 Marco Haber (77.)
2:6 Markus Schupp (90.)
Schiedsrichter: Harder
Zuschauer: 55.000

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