17. September 1966.  Im Betzenberg – Stadion trägt der 1. FC Kaiserslautern sein Bundesliga – Heimspiel gegen den SV Werder Bremen aus. Die Mannschaften und das Schiedsrichtergespann laufen in das Stadion ein und stellen sich zur Begrüßung auf – doch wie auf einen geheimen Befehl hin rennen die Spieler des FCK zur Nordtribüne zurück und umringen eine Person.

Erich Schickedanz, der Geschäftsführer und Stadionsprecher, verkündet über die Lautsprecher, Schwergewichts – Europameister Karl Mildenberger sei nach seinem großen Kampf gegen Muhammad Ali heute Gast auf dem Betzenberg. Unter dem tosenden Applaus der gut 20 000 Zuschauer im Stadion lässt sich „Milde“ von den Fußballkameraden und den Fans feiern. Karl Mildenberger hat den Boxkampf im Frankfurter Waldstadion gegen den großartigen Weltmeister aus den USA zwar verloren, sein Auftreten und seine Leistung im Ring über zwölf Runden hinweg begründen jedoch seinen bis heute nicht verblassten Ruhm.

1937 wird Karl Mildenberger in Kaiserslautern geboren. Sein Onkel Richard Mildenberger, ein bekannter Boxsportler und Trainingsleiter der Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern, begeistert den Jungen für das Boxen und fördert ihn. 1946 beginnt Karl mit dem Training in der Jugendstaffel. Da im gerade erst zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieg etwa 60% aller Gebäude in Kaiserslautern zerstört oder stark beschädigt wurden – darunter auch Schulen und Sporteinrichtungen – mangelt es an Turnhallen und Trainingsmöglichkeiten. Karl Mildenberger und seine Boxkameraden trainieren daher im Sommerhalbjahr auf dem Rasen des Betzenbergs, während im Winter in den Katakomben der damals noch sehr bescheidenen Nordtribüne geübt wird.

Das Können und der Trainingsfleiß Karl Mildenbergers werden bald belohnt: Mit elf Jahren bestreitet er seinen ersten Amateurboxkampf und er gelangt 1956 in die bundesdeutsche Amateurstaffel. Nach dem Gewinn der deutschen Amateurmeisterschaft im Halbschwergewicht wird Karl Mildenberger 1958 Boxprofi. Der schlagstarke Linkshänder Mildenberger macht als „Rechtsausleger“ durch mehrere K.o. – Siege auf sich aufmerksam und wird bereits mit Deutschlands großer Boxlegende Max Schmeling verglichen. Bruno Müller, seit 1960 Mildenbergers Manager und Trainer, verbessert die technischen Möglichkeiten des Pfälzers, kann im Frühjahr 1962 jedoch einen Karriererückschlag nicht verhindern: In einem Kampf gegen den Briten Dick Richardson geht Mildenberger bereits nach zweieinhalb Minuten zu Boden.

Im Laufe des Jahres 1962 gewinnt Karl Mildenberger seine Selbstsicherheit zurück und verlässt immer wieder als Sieger den Ring. Als Kuriosität am Rande darf angemerkt werden, dass ein auf den 25.01.1963 terminierter Kampf gegen Archie McBride im Berliner Sportpalast wegen der Fernsehübertragung des Francis Durbridge–Krimis „Tim Frazier“ verschoben wird. Durbridge–Krimis gelten als „Straßenfeger“ und die Veranstalter befürchten  –  nicht zu Unrecht – zu viele leere Plätze im Sportpalast. 1964 kann Karl Mildenberger – ebenfalls in Berlin, in der Deutschlandhalle – seinen bislang größten Erfolg feiern. Durch einen Sieg über Santo Amonti wird „Milde“ Europameister im Schwergewicht. Diesen Titel kann er in den Folgejahren sechs Mal verteidigen.

Das Jahr 1966 bringt indes die größten Herausforderungen für den Boxmeister aus Kaiserslautern. Zunächst besiegt er Eddie Machen, der lange die Weltrangliste angeführt hat, ehe es am 10. September zur Auseinandersetzung mit dem US-amerikanischen Weltmeister Cassius Clay kommt, der sich inzwischen Muhammad Ali nennt. Der Kampf wird vor mehr als 30 000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion ausgetragen und findet weltweit Beachtung.

Fachleute aus aller Welt räumen Karl Mildenberger nicht die geringste Chance gegen den großartigen Amerikaner ein – umso größer ist die Überraschung, als Karl Mildenberger seinem Gegner lange Zeit einen großen Kampf liefert und ihm als „Rechtsausleger“ vor allem in der neunten und zehnten Runde sehr zusetzt. Doch dann setzt sich Muhammad Alis einmalige Klasse durch und in der zwölften Runde bricht der Ringrichter den Kampf nach einer schweren Augenbrauenverletzung Mildenbergers ab. Der „Größte“ zollt seinem unterlegenen Gegner großen Respekt und bezeichnet ihn als ‚Gentleman’ und besten Gegner seit Sonny Liston. In einem späteren Interview äußert Muhammad Ali, Karl Mildenberger sei nicht der Stärkste, aber der Schönste gewesen, gegen den er je geboxt habe.
Zwei Jahre später neigt sich die Karriere Karl Mildenbergers ihrem Ende entgegen. Fast elf Jahre hat „Milde“ als Profi geboxt und von seinen insgesamt 62 Fights sage und schreibe 53 gewonnen; drei Kämpfe enden unentschieden, sechs hat er verloren. Ausgerechnet eine Niederlage aber überstrahlt alle seine Kämpfe bis auf den heutigen Tag – sein bravouröser Fight gegen Muhammad Ali, den „Größten“.
Karl Mildenberger ist als untadeliger Sportsmann sowie als freundlicher und bescheidener Mensch in bester Erinnerung geblieben. Nach seiner Boxkarriere arbeitet er bei der Bayerischen Brauerei in Kaiserslautern, in deren Firmenmannschaft er längere Zeit  Fußball spielt und dabei durch seine besondere Fairness auffällt. Er lässt sich zum Rettungsschwimmer ausbilden und wirkt lange Jahre bis zum Pensionsalter als beliebter und zuverlässiger Bademeister in seiner Heimatstadt Kaiserslautern. Krankheitsbedingt lebt Karl Mildenberger heute sehr zurückgezogen im Stadtteil Hohenecken.

Nicht nur den Boxsportfreunden des FCK und in Deutschland bleibt Karl Mildenberger unvergessen – als Europameister und jener Boxer, der dem Weltmeister Muhammad Ali am 10. September 1966 einen überragenden Kampf lieferte.

Zur Erinnerung an den 50. Jahrestag dieses legendären Boxkampfes wünschen der FCK und das FCK – Museumsteam unserem „Milde“ von Herzen alles Gute!

Ein Stück der großartigen Boxgeschichte des FCK können alle Anhänger der Roten Teufel im FCK-Museum erleben. Sehen können Besucher des FCK-Museums zahlreiche Exponate aus dem Nachlass des FCK-Boxers Emil Schulz. Der Ehrenteller von Heinz Przewosnik, den er im Rahmen der Südwestdeutschenmeisterschaft von 1966 erhielt, steht zusammen mit den Exponaten des befreundeten Boxer Schulz in einer Vitrine.

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