Knackig kalt ist es in der Kaiserslauterer Eisenbahnstraße, als Pierre de Wit, Winter-Neuzugang des 1. FC Kaiserslautern, sich etwas suchend umschaut. Sein Ziel ist die „Copa Lounge“, wo er an diesem Mittwochabend, nach zwei anstrengenden Trainingseinheiten, noch etwas ganz anderes vor hat, fernab vom Fußball:  DJ Marc Keim wird ihn an den Plattenteller  heran lassen und ihn in die Technik und die Arbeitsweise eines richtigen House-DJ’s einführen.

Seine ersten fußballerischen Schritte machte Pierre im Alter von 4 ½ Jahren beim SC Köln Weiler-Volkhoven. „Damals gab es bei meinem Heimatverein  keine Bambinis und so bin ich dann gleich bei der F-Jugend eingestiegen“, erinnert er sich, „allerdings hatte das damals mit Fußball noch nicht viel zu tun“, erzählt er schmunzelnd. Erst ein Jahr später kristallisierte sich dann heraus, dass der kleine Pierre echtes Talent zum Fußballspielen hat und er kickte bei seinen älteren Mannschaftskollegen locker mit. „1999 bin ich dann zu Bayer 04 Leverkusen in die D-Jugend gewechselt und habe dort im Sommer 2005 mit 17 einen Profivertrag unterschrieben“, blickt er zurück. Die U23 der Rheinländer war von diesem Zeitpunkt an das Team, in dem er Spielpraxis sammelte. „Ich habe zwar auch ein paar Spiele im Profikader von Bayer gemacht, aber letztlich hat der damalige Trainer Michael Skibbe mich eher langsam an die Bundesliga heran führen wollen“, so der 22-Jährige. Die logische Konsequenz war dann eine Ausleihe zum damaligen Zweitligisten VfL Osnabrück.

Marc Keim vom Kaiserslauterer Plattenlabel Hertzmusic, der schon seit der Eröffnung der „Copa Lounge“ im Dezember 2008 regelmäßig als „Resident“ in dem Lautrer Club auflegt, zeigte dem Mittelfeldspieler zunächst einmal die Location. „Hier ist am Wochenende schon einiges los. Wenn an die 200 Leute im Club  sind und wir als DJ’s für die richtige Stimmung sorgen, dann geht schon die Post ab“, so der Musikexperte, der sich auf House spezialisiert hat. Bei Pierres „DJ-Kurs“ war der Dancefloor freilich leer, denn es ging schließlich einzig und allein darum, dem Fußballer den Umgang mit dem Plattenteller näher zu bringen.

Bei den Niedersachsen verlebte Pierre de Wit eine erfolgreiche Zeit, in der er  wertvolle fußballerische Erfahrungen sammelte, 47 Spiele absolvierte und fünf Tore erzielte – jedoch fallen auch zwei sehr unschöne Ereignisse in seine Zeit an der Bremer Brücke:  Zwei Kreuzbandrisse zog sich der gebürtige Kölner zu. Jeweils einen in den beiden Spielzeiten 2007/08 und 2008/09. Und zwar einmal relativ zu Beginn der Saison und ein Jahr später im letzten Spiel der Runde. „Das waren schon harte Schläge für mich als jungen Spieler, aber ich denke, man muss in solchen Situationen einfach Geduld haben, hart arbeiten und nicht aufstecken, das ist ganz wichtig“, zeigt er seinen Kampfgeist.

„Wir haben hier zirka 1000 Lieder zur Auswahl, ich hoffe, da ist was für Dich dabei“, so Marc Keim lachend. Die beiden machten sich gleich an die Arbeit. „Wollen wir gleich mal was auflegen?“ „Klar!“, kam es wie aus der Pistole geschossen vom Nachwuchs-DJ Pierre. Zunächst erklärte der Meister der Scheiben dem neuen Roten Teufel aber die Technik der Anlage. „Die Musik kommt direkt aus dem Laptop auf die Platten und man hat so trotz der hochmodernen mp3-Technik das Gefühl, mit echtem Vinyl aufzulegen, da die Eigenschaften der Schallplatten wie Scratchen und Beat Juggling komplett erhalten bleiben – das Ganze nennt man Traktor Scratch“, so Marc Keim, der auf die fragenden Blicke des Lautrers mit der Rückennummer 21 prompt reagierte. „Scratchen sagt dir sicher etwas, so erzeugst du Töne durch rhythmisches hin- und her bewegen der Nadel auf der Schallplatte – und beim Beat Juggling versuchst du, zwei identische Rhythmen aus zwei verschiedenen Stücken ineinander über gehen zu lassen“, gab er dem Mittelfeldspieler erste Anweisungen im DJ-Vokabular.

Die Gründe, weswegen er sich für einen Wechsel in die Pfalz entschieden hat, erzählt Pierre de Wit gerne: „Der Verein hat schon nach der Saison 2007/08 starkes Interesse an mir signalisiert, doch leider hat es damals mit einem Transfer aus verschiedenen Gründen noch nicht geklappt – Stefan Kuntz und auch Marco Kurz haben mir aber im Laufe dieser Saison immer wieder ihre Wertschätzung näher gebracht und so musste ich mich letztendlich für einen Wechsel zu diesem tollen Verein entscheiden.“ Die positiven Signale des Vorstandsvorsitzenden und des Cheftrainers waren für Pierre jedoch nicht die einzigen Beweggründe für den Schritt Richtung Betzenberg. „Es ist einfach ein wahnsinnig tolles Gefühl, vor diesen leidenschaftlichen Fans zu spielen – so mancher Erstligaverein würde sich wünschen, solch ein Publikum zu haben“, weiß er, „und für mich gehört der FCK auch definitiv in die Bundesliga.“ Trotzdem steht der junge Profi für die Politik der kleinen Schritte. „Wir sind etwas holprig in die Saison gestartet, aber gegen Rot Weiss Ahlen beispielsweise hat man schon eine deutliche Steigerung in unserem Spiel gesehen, auch wenn wir am Ende nur einen Punkt geholt haben – wir werden uns jedoch von Spiel zu Spiel steigern, wieder punkten und am Ende schauen wir dann, was dabei  herauskommt.“

Marc Keim überließ Pierre, der erst etwas skeptisch zu Werke ging, nach und nach Mischpult, Plattenteller und Notebook. Nach nur wenigen einführenden Anweisungen beherrschte er die Technik fast schon wie ein alter Hase. „Pierre braucht mich gar nicht, es macht ihm sichtlich Spaß“, lächelte der DJ, während der junge Mann mit dem belgisch anhauchenden Namen gekonnt den Kopfhörer zwischen Ohr und Schulter klemmte, die Platte hin- und her bewegte und die Musik ineinander mischte.

Musik spielt im Leben von Pierre de Wit ohnehin eine sehr große Rolle, was auch mit den Wunsch in ihm reifen ließ, einmal selbst die Plattenteller in einem Club zu bewegen.  „Musik ist für mich ein täglicher Begleiter in allen Lebenssituationen. Ob ich damit schlechte Laune vertreibe, gute Laune noch steigere, oder mich vor einem Spiel konzentriere – Musik ist bei mir eigentlich ständig dabei“, so der Mittelfeldspieler. „Obwohl – schlechte Laune gibt es bei mir eigentlich eher selten, ich bin meistens gut aufgelegt“, revidiert er lächelnd. Seine Musikrichtung ist der mittelschnelle R’n‘B. „Aber beim Weggehen höre ich natürlich auch mal House oder auch andere Musikrichtungen wenn ich im Auto unterwegs bin“, so de Wit.

Die Beantwortung der Frage nach seinen fußballerischen Stärken möchte er lieber anderen überlassen. „Ich denke, dass ich ein zentraler Mittelfeldspieler mit dem gewissen Auge und auch einer Portion Spielverständnis bin, aber ich beurteile mich nicht so gerne selbst, das ist Sache des Trainers“, räumt er ein. Eine ganz wichtige Rolle bei der fußballerischen Entwicklung des Winter-Neuzugangs der Roten Teufel spielt sein Vater Lothar de Wit, der auch als Berater seines Sohnes fungiert. „Mein Vater ist ein absolut fußballverrückter Typ, er nimmt jede Reise auf sich, um die Spiele von mir zu sehen“, erzählt er, „generell habe ich ihm sehr viel zu verdanken, er hat mich fußballerisch immer gefördert, aber nie zu etwas gezwungen – erst als klar war, dass ich wirklich Talent und Spaß am Fußball habe, hat er dafür gesorgt, dass ich in der Jugend eines großen Vereins unterkomme.“ Seinem Vater Lothar verdankt er auch seinen Vornamen: „Pierre Littbarski war einer der Lieblingsspieler meines Vaters und so bin ich zu meinem Namen gekommen – das ist schon eine kleine Ehre für mich“, bekennt er schmunzelnd.

Sein Fazit zum Einsatz als Nachwuchs-DJ fällt absolut positiv aus. „Ich muss mich zuallererst einmal bei Marc bedanken, dass er mir das alles gezeigt hat und dass ich auch selbst mal Musik auflegen und mischen durfte“, ging Pierres Anerkennung Richtung Chef-DJ, „ich kann es mir jetzt auch durchaus vorstellen, irgendwann mal selbst eine kleine DJ-Anlage zu kaufen und zu Hause bei Parties das eine oder andere Mal die Plattenteller zu drehen.“

„Zu Hause“ – das bedeutet für Pierre de Wit eine Doppelhaushälfte am Stadtrand von Kaiserslautern, die er mit seiner Frau Sevgi bezogen hat. „Es hat ein bisschen gedauert, bis wir etwas Passendes gefunden haben, umso mehr freuen wir uns jetzt auf die gemeinsame Zeit in der Pfalz.“ Mit Sevgi ist der 22-Jährige seit Juni 2009 verheiratet und vor ein paar Wochen ist sie ihm in die Pfalz gefolgt. Und sonst? Was gibt es noch Besonderes rund um den Fußballer und Menschen Pierre de Wit zu erzählen – hat er Ticks? „Na gut, Fußballer sind oft abergläubisch und da nehme ich mich auch nicht aus“, gibt er lächelnd zu, „da kommt es schon mal vor, dass ich nach Siegen verschiedene kleine Dinge wieder tue, oder nach Niederlagen versuche zu vermeiden – ob das das Stellen des Weckers zu einer anderen Uhrzeit ist, oder ich mit ein paar Mannschaftskollegen im Hotel wieder Karten spielen muss, das ist dann ganz egal.“

Sprichts und wendet sich wieder den Plattentellern zu: Voll konzentriert geht er zur Sache. Genau so wollen ihn die Fans der Roten Teufel sehen, auf und neben dem Platz. Und dabei immer gut aufgelegt.

Am Montag, 08. Februar 2010, wurde Pierre de Wit erfolgreich in Köln am Kreuzband operiert – der 1. FC Kaiserslautern und alle FCK-Fans drücken ihm die Daumen für eine schnelle Genesung und dass er bald wieder mit der Mannschaft trainieren kann.

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