Er ist nach Mannheim gefahren, und schaut nun zu, wie 25 Jungs in blau und weiß über das Eis in der Trainingshalle der SAP-Arena flitzen, den Kommentaren ihres Trainers Teal Fowler lauschen und sich eine 170 Gramm schwere kleine Hartgummischeibe um die Ohren hauen. Hier trainiert kein geringerer als das Team des DEL-Rekordmeisters Adler Mannheim.

„Wie schnell die schießen und wie schnell der Torwart reagieren muss. Der liegt noch auf dem Boden da kommt schon der nächste Puck, immer hoch und runter, das muss ja auf die Knie gehen“, zeigt sich Tobi Sippel schon beim Zuschauen beeindruckt. Doch beim Zuschauen wird es nicht bleiben. Tobi ist in die SAP-Arena gefahren, um sich einmal als Eishockeytorhüter zu versuchen. „Ich finde Eishockey ist ein toller Sport, wenn es die Zeit zulässt, schaue ich mir gerne die Spiele an. Ich wollte unbedingt mal in die Rolle eines Goalies schlüpfen.“ Möglich gemacht haben dies die Adler Mannheim, sechsmaliger Deutscher Meister. Zuletzt konnte das Team aus der Quadratestadt den Titel 2007 in die Kurpfalz holen. Tobi Sippel erwarten bei seiner Ankunft nicht nur zahlreiche Journalisten und ein Kamerateam, sondern auch Matthias Fries, Pressesprecher der Adler Mannheim, der mithalf, dass sich die Nummer eins der Roten Teufel einen kleinen Traum erfüllen kann.

Seinen großen Traum hat er sich bereits erfüllt. Er ist Profi-Fußballer, und er steht bei „seinem“ Verein zwischen den Pfosten. Angefangen hat alles in Bad Dürkheim, seiner Heimatstadt, beim SV 1911. „Ich habe zunächst im Feld gespielt, aber als wir dann mal keinen Torwart hatten musste ich als Jüngster in den Kasten. Und dann kam das Spiel gegen die F-Jugend vom FCK, der damals eine komplett neue E-Jugend-Mannschaft zusammenstellte“, erinnert er sich.  Nach diesem Spiel holten sie ihn an den Betzenberg, mit 10 Jahren. Sein damaliger Trainer Patrick Tessier, ist noch heute als Jugendtrainer bei den Roten Teufeln aktiv. Für den Vorderpfälzer ist der FCK natürlich weit mehr als nur ein Arbeitgeber. „Solange ich hier spielen kann, sehe ich keinen Grund, mir Wechselgedanken zu machen. Für mich gibt es nichts Schöneres, als beim FCK zu spielen“, betont er. Seine emotionale Bindung zum Verein hat sich auch am 18. Mai 2008 gezeigt, als er nach dem legendären Herzblutfinale ausgelassen feierte, auf der Trainerbank tanzte. „Das war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Allerdings werde ich auch nie vergessen wie der Ball von Helmes vom Pfosten an meinen Rücken prallte und dann die Linie entlang kullerte“, erinnert er sich zurück.

Auch seinen heutigen Ausflug auf die Eisfläche wird der 21-Jährige so schnell nicht vergessen. Kurz vor Ende der Trainingseinheit wird es ernst für den Keeper der Roten Teufel. „Gleich beginnt das Torhüter-Training, ich würde sagen Du gehst in die Kabine und ziehst Dich schon mal um“. Den Worten des Adler-Pressesprechers folgt Tobi sogleich, wenn auch sichtlich mit Respekt vor dem, was ihn erwartet. Seine Lockerheit hat er dennoch nicht verloren.  „Und was davon ist für mich?“, fragt Tobi schmunzelnd, als er seine „Arbeitskleidung“ sieht. Zum Glück helfen die Profis beim Umziehen. Und zwar in Form von Betreuer Marcel und Torhüter Sebastian Vogl. Für sie ist das Anlegen der Ausrüstung jedoch schon Routine, für Tobi dagegen ein wahres Abenteuer.

„Wahnsinn was die alles anhaben. Beinschoner, Blocker, spezielle Torhüterschlittschuhe, Schulterschutz, Brustpanzer, Fanghandschuh – das ist doch deutlich aufwendiger, als das FCK-Trikot über zu streifen.“ Dann kommen seine heutigen Trainingskollegen herein: Adler Torhüter Fred Brathwaite, der nicht nur durch seine imposante körperliche Erscheinung sondern auch durch langjährige Erfahrung in der Nordamerikanischen Eliteliga NHL beeindruckt, und sein Kollege Lukas Lang, trotz seiner erst 23 Jahre schon gestandener Goalie und Sohn des berühmten Keepers Karel Lang.

Sofort schmilzt das Eis zwischen den Torwartkollegen, man versteht sich, der Sport verbindet. „Was muss ich besonders beachten? Wie macht ihr die Bewegung mit dem Knie? Wie gehe ich mit dem Schläger um?“, zeigt sich Tobi wissbegierig, der Ehrgeiz hat ihn gepackt, auch hier möchte er Leistung bringen, sich auf keinen Fall blamieren. Er saugt jeden Tipp der Profis auf, die ihm den Ablauf des Trainings erklären. „Nicht zu weit zur Seite gehen. Immer mit dem Körper runtergehen. Und vergiss Deine Sprungkraft, die bringt Dir hier gar nichts“, lauten die Ratschläge von Lukas Lang.  Zu guter Letzt kommt die Torwartmaske auf den Kopf und der spezielle Torwartschläger in die Hand. Zumindest optisch ist aus Tobias Sippel ein echter Eishockey-Crack geworden. Auf den letzten Metern durch die modernen Katakomben der Arena macht er sich nochmal Mut. „Klar hab ich Respekt vor den harten Schüssen,  aber wenn der Gerry aus 3 Metern schießt, dann ist das auch nicht anders“, zeigt sich der 21-Jährige selbstbewusst.

Und das zu Recht. Nummer eins nicht nur beim FCK, auch in der Deutschen U21-Nationalmannschaft – aus dem Nachwuchstalent ist längst ein Spitzentorhüter geworden. Und dennoch betont er immer wieder, dass er sich noch im Entwicklungsprozess befindet. „Ich bin ein junger Torwart, ich muss noch viel lernen. Gerade das Spiel in Augsburg hat es gezeigt. Aber ich arbeite hart an mir, will mich immer verbessern.“ Mit Gerry Ehrmann hat er dafür den perfekten Trainer. Seit der D-Jugend trainiert das Lautrer Urgestein mit Tobias Sippel, weil dieser schon damals in den Auswahlmannschaften des DFB spielte. „Der Gerry ist für mich wie eine Vaterfigur, und die beste Schule, schließlich hat er ja auch schon einige gute Torhüter rausgebracht.“ Wie sein Vorbild Roman Weidenfeller. „Es wäre toll, wenn ich es mal so weit schaffe wie Roman. Er spielt schon Jahre in der Bundesliga auf höchstem Niveau. Ich muss mich noch weiter entwickeln, habe ja noch nie eine ganze Saison durchgespielt“, zeigt er sich bescheiden.  Weiter entwickelt hat sich Tobias auch in der U21. Beim EM-Sieg der Nachwuchselite in Göteborg war er bereits als Nummer drei dabei, nun ist er die Nummer eins, und hat mit seinem Team noch die Chance auf eine Teilnahme bei der EM 2011 in Dänemark.

Heute hat Tobias Sippel die Chance,  sich auch als Eishockey-Torhüter zu beweisen. Unter den Blicken der Profis geht es auf‘s Eis und Tobi wird von seinen Kollegen warmgeschossen. Zunächst bereiten ihm vor allem die flachen Schüsse Probleme, schließlich steht er auf Kufen und die schwere Ausrüstung macht ihn nicht gerade beweglich. Doch dank den Anweisungen der Adler-Keeper, denen diese Sache sichtlich Spaß macht, klappt es bald schon recht gut. Auch wenn die Schüsse natürlich noch keine Höchstgeschwindigkeiten erreichen. Die Profis erreichen mit der kleinen Hartgummischeibe Geschwindigkeiten bis zu 170 km/h. Adler-Verteidiger Benedikt Brückner kommt hinzu, die Schüsse werden härter, doch auch Tobi wird immer sicherer. Vor allem mit der Fanghand, nahezu alle hohen Schüsse landen im Handschuh. „Mach den Butterfly“ rufen die Profi-Cracks, und meinen dabei, dass sich der Torhüter auf die Knie fallen und die Unterschenkel mit den Beinschonern so weit wie möglich vom Körper ab spreizen soll. Leichter gesagt als getan. „Die Muskeln dafür habe ich aber gar nicht“, erwidert Tobi mit einem Lächeln. Man merkt ihm an, dass die Übungseinheit viel Kraft verlangt.  

Aber er kämpft sich durch. Auch das hat er gelernt.  Schließlich hat er auch schon die schlechten Seiten erlebt. 29.Oktober 2008, Heimspiel gegen Osnabrück, Unterarmbruch, unglücklich gefallen im Rückwärtslaufen, mehr Pech kann man kaum haben. Nach harten Wochen dann die Erkenntnis, dass sein Freund und Kollege Luis Robles seine Sache so gut machte, dass er nun erst mal auf der Bank Platz nehmen muss. „Das war schon hart für mich, aber ich war einfach noch nicht auf dem Level, um Luis zu verdrängen. Wenn man jeden Tag alleine trainiert, wenn man das Gefühl bekommt, es interessiert sich plötzlich keiner mehr für einen, dann macht man sich schon Gedanken. Für mich sind aber auch solche Erfahrungen wichtig.“

Wie schnell es gehen kann hat er selbst erlebt, als er am 19. Oktober 2007 in Hoffenheim plötzlich seine Chance bekommt. „Für mich war es schon toll, überhaupt als Nummer zwei dabei zu sein. Ich muss gestehen, dass ich so wenig mit einem Einsatz gerechnet hatte, dass ich sogar vergessen hatte meine Torwarthose drunter zu ziehen. Als ich dann rein sollte musste unser Zeugwart mir erst eine Hose aus der Kabine holen“, blickt er auf sein Debut zurück, bei dem er sogleich Bestnoten erhielt.

Seit dieser Zeit hat er sich weiter entwickelt, viel dazu gelernt. So wie bei seiner heutigen Übungseinheit als Eishockey-Goalie. Dementsprechend fällt auch das Fazit der Profis aus: „Das hat er echt super gemacht, das sah schon richtig gut aus. Vor allem mit der Fanghand war er stark, man merkt dass er gute Reflexe hat“, lobte Lukas Lang seinen kurzzeitigen Kollegen. Und auch als Tobi fix und fertig von seinem Ausflug auf Kufen in der Kabine sitzt, fachsimpeln die Torhüter weiter. Und selbstverständlich steht bereits die Einladung für die Revanche am Betzenberg. „Dann sollen die Eishockey-Goalies mal ein Training mit Gerry Ehrmann absolvieren“, grinst Sippel.

Und wie fällt sein Fazit nach dem kurzzeitigen Jobwechsel aus? „Ich glaube ich war noch nie so fertig. Es hat echt total Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend. Unter dem Helm und in der Ausrüstung ist es unglaublich heiß. Das sind echt harte Jungs, großen Respekt. Ich konnte mir auch was abschauen, was mir beim Fußball hilft, zum Beispiel bei Schüssen aus kurzer Distanz stehen zu bleiben, insofern war es auch ein gutes Training. Und das, obwohl heute eigentlich frei war“, betont Tobi lachend.
Der Besuch von Tobias Sippel beim Training der Adler Mannheim ist jetzt auch als Video zu sehen auf www.fck-tv.de

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