Unserem Weltmeister Ottmar Walter zum 98. Geburtstag

Am 6. März 2022 wäre Ottmar Walter 98 Jahre alt geworden. Zu diesem besonderen Ehrentag erinnert Hans Walter vom FCK-Museumsteam an die FCK-Legende.

Am 16. Juni 2013 wurde Ottmar Walter im Alter von 89 Jahren aus dem Leben abberufen, doch bei den Anhängern des 1. FC Kaisersautern ist die Erinnerung an den einstigen Mittelstürmer, Torjäger und Meisterspieler, den jüngeren Bruder des „großen Fritz“, überaus lebendig geblieben; unvergessen sind seine Tore, die dem FCK zu Meisterehren verhalfen, sowie seine Sturmläufe und Treffer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft – und vor allem natürlich sein schier unermüdlicher Einsatz im Endspiel um die Weltmeisterschaft 1954, als er mit seinem Bruder Fritz und drei weiteren Kameraden vom Betzenberg das „Wunder von Bern“ perfekt machen konnte.

Ottmar Walter wurde am 6.März 1924 als Jüngster der drei Walter-Buben in Kaiserslautern geboren. Bereits im Vorschulalter spielte er unverdrossen mit seinen großen Brüdern Fritz und Ludwig und Freunden aus der Nachbarschaft in der Uhlandstraße „Kanälches“, wobei ein Gummibällchen, ein zusammengewickelter Stoffklumpen oder leere Konservendosen in die Öffnung von Gullys zu befördern waren. Wie seine Brüder gelangte auch Ottmar mit acht Jahren in die Schülermannschaft des FCK.

Zunächst stand er im Schatten seines ältesten Bruders Fritz, dessen Ausnahmetalent früh erkannt wurde und ihn bereits mit 17 Jahren in die erste Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern katapultierte und ihm erste Berufungen in Auswahlmannschaften einbrachte. Auch Reichstrainer Sepp Herberger überzeugte sich vom großen Können des jungen Fritz, berief ihn zu Lehrgängen und setzte ihn im Juni 1940 erstmals als Nationalspieler in einem Länderspiel ein.

Der zu diesem Zeitpunkt sechzehnjährige Ottmar träumte davon Rennfahrer zu werden, beschäftigte sich gerne mit Motoren und absolvierte schließlich eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker. Aber er spielte gerne und sehr gut Fußball – und das Vorbild seines Bruders Fritz reizte seinen Ehrgeiz. Vollmundig verkündete er, eines Tages auch Nationalspieler zu werden. Das wiederum traute Vater Ludwig seinem „steifen Jockel“ nicht zu und es wurde schließlich sogar um ein Fass Bier gewettet, ob Ottmar je das Trikot der Nationalmannschaft tragen würde oder nicht. Immerhin bestritt der gerade 17 Jahre alt gewordene Ottmar am 9. März 1941 sein erstes Spiel in der Ligamannschaft seines FCK und während der nachfolgenden Saison 1941/42 brachte er es in 17 Einsätzen auf 15 Torerfolge in der 1. Liga des Gaues Westmark.

Das sportliche Geschehen wurde jedoch überschattet von dem seit 1939 tobenden Zweiten Weltkrieg – und nach Fritz, der 1940 zur Wehrmacht einrücken musste, ereilte nun auch Ottmar der unheilvolle „Ruf zu den Waffen“. Ottmar Walter entschied sich für den Dienst bei der Marine.

Nach Einsätzen in Marinestützpunkten im besetzten Frankreich und in den Niederlanden gelangte Ottmar nach Kiel. Dort konnte er als wertvoller Gastspieler bei den „Störchen“ von Holstein Kiel Fußball spielen und mit seiner Mannschaft sogar in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft vordringen. Bis heute ist der torgefährliche Stürmer aus Kaiserslautern in Kiel nicht vergessen. In dieser Zeit ist auch Reichstrainer Sepp Herberger auf den Bruder von Fritz, der bis zur kriegsbedingten Einstellung der Länderspiele im Herbst 1942 bereits 24 Mal international gespielt hatte, aufmerksam geworden und er hat ihn für die Zeit nach dem Krieg für den Neuaufbau der Nationalmannschaft vorgesehen. Nach Ottmars Versetzung nach Cuxhaven folgte dort sein nächstes fußballerisches Gastspiel.

Eine dramatische Wende nahm sein Leben im Sommer 1944, als er mit seinem Minensuchboot zu einem Einsatz im English Channel kommandiert wurde. Seit der Invasion besaßen die Alliierten allerdings die Oberhoheit zu Wasser und in der Luft; und prompt wurde sein Schiff von US-amerikanischen Seestreitkräften beschossen und versenkt. Von den 130 an Bord befindlichen Marinesodaten konnten nur zwölf gerettet werden, darunter Ottmar Walter.

Bei dem Gefecht hatte Ottmar schwere Verletzungen erlitten; Splitter waren in seine Schulter und in sein Knie eingedrungen und es schien zunächst so, als könne er nie mehr richtig laufen und natürlich auch keinen Fußball mehr spielen. In Gefangenschaft auf englischem Boden vermochte ein geschickter Chirurg die Splitter aus Ottmars Knie zu entfernen und somit das Bein zu retten. Mit anstrengenden und schmerzhaften Übungen schaffte er es unter großer Willensstärke, das Bein beweglich zu halten und auch beim Fußballsport zu belasten.

Im Spätsommer 1946 wurde Ottmar Walter aus der Gefangenschaft entlassen und er kehrte nach Kaiserslautern zurück. Dort war man glücklich, den Stürmer in der inzwischen von Spielertrainer Fritz neu formierten Mannschaft des FCK einsetzen zu können.

Die „Walter-Mannschaft“ machte nachhaltig von sich reden, sie wurde wiederholt Meister der Französischen Zone und kämpfte sich 1948, als wieder ein Deutscher Meister ausgespielt werden konnte, in das Endspiel vor. Diese Begegnung ging im August 1948 in Köln gegen den 1. FC Nürnberg zwar mit 1:2 verloren, doch der FCK galt nun als eine deutsche Spitzenmannschaft.

1950 endete die durch Krieg und Nachkriegszeit verursachte Isolation des deutschen Fußballsports und in Stuttgart kam es zum ersten Länderspiel in der Geschichte der jungen Bundesrepublik Deutschland. Gegner war in Stuttgart die Schweiz. Fritz Walter konnte bei dieser Begegnung wegen einer Verletzung nicht auflaufen, doch Trainer Herberger vertraute dem jüngeren Bruder seines Spielmachers und ermöglichte ihm sein erstes Länderspiel. Ottmar erwies sich prompt als der auffälligste Spieler auf dem Rasen des Neckarstadions und zeigte, dass er auch ohne seinen Bruder Fritz bestehen konnte. Endgültig konnte Ottmar Walter seine Klasse unter Beweis stellen, als er – trotz vorangegangener Verletzungspause – das Endspiel 1951 gegen Preußen Münster mit zwei Toren zum 2:1-Sieg und zum Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft seines 1. FC Kaiserslautern entscheiden konnte.

Nach einem zweiten Meisterschaftstriumph mit dem FCK gegen der VfB Stuttgart im Jahre 1953 folgte ein Jahr später das Weltmeisterschaftsturnier 1954 in der Schweiz. Längst war Ottmar Stammspieler der Nationalmannschaft und er konnte mit vier Torerfolgen seinen Beitrag zum Einzug seiner Mannschaft in das Finale von Bern gegen die „Wundermannschaft“ aus Ungarn leisten. Die Torschützen in dem legendären Endspiel vom 4. Juli 1954 waren zwar Maxl Morlock und zwei Mal Helmut Rahn, doch Ottmar beschäftigte die ungarische Abwehr ständig mit seinen Sturmläufen und seinem Rochieren auf die Flügel und hatte somit ebenfalls einen hohen Anteil an dem sensationellen Erfolg.

Als Weltmeister kehrten Ottmar und sein Bruder Fritz sowie Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel nach Kaiserslautern zurück. Als Familienvater hatte er zur Existenzsicherung zuvor, am 8. Dezember 1953, in seiner Heimatstadt eine moderne Tankstelle mit KFZ-Service eröffnet. Sogar die Wochenschau „Welt im Bild“ berichtete für die bundesdeutschen Kinobesucher von diesem Ereignis. In der Pfalz drückte man seine Dankbarkeit für den Torjäger mit dem Spruch aus: „Willst Du´s dem Ottmar Walter danken, musst Du fleißig bei ihm tanken.“

In den Jahren nach dem Triumph von Bern blieb Ottmar von Verletzungen nicht verschont; weitere Operationen an seinem lädierten Knie wurden nowendig und waren der Grund, weshalb er es bis 1956 nur auf 21 Einsätze in der Nationalmannschaft brachte. Mit dem FCK erreichte er 1956 und 1957 erneut die südwestdeutsche Meisterschaft, doch in der Saison 1958/59 folgte mit dem Rückzug von Fritz und Ottmar Walter sowie weiterer Meisterspieler das Ende der glanzvollen Ära der Walter-Mannschaft.

Die Bilanz von Ottmar Walter, dem“Sigismund“ oder „Ottes“, wie er auch genannt wurde, ist sensationell: In 279 Oberligaspielen erzielte er die stattliche Anzahl von 307 Toren. Rechnet man seine in den Endrunden-, Zonenmeister-schafts- und Pokalspielen erzielten Treffer hinzu, so stehen für ihn 389 Tore zu Buche, die er für seinen FCK erzielen konnte, womit er der Rekordtorjäger seines Vereines ist.

Einen geschäftlichen und persönlichen Tiefpunkt Ende der Sechzigerjahre konnte er – auch mit dem Zuspruch Sepp Herbergers und seines Bruders Fritz – aus eigener Kraft überwinden. Er gab die Tankstelle auf und wirkte bis zum Erreichen der Pensionsgrenze als zuverlässiger und beliebter Mitarbeiter bei der Stadtverwaltung Kaiserslautern. Einen starken Halt fand er in all den Jahren an seiner Frau Anneliese.

Nach dem Tode von Fritz im Jahre 2002 übernahm er für den DFB Repräsentationsaufgaben und er war bei den Fernsehsendern mit seiner stets freundlichen, bescheidenen, natürlichen Art ein kompetenter Interviewpartner.

Die letzte Phase seines Daseins erlebte er in einem Seniorenheim am Stadtpark von Kaiserslautern. Dort ist er am 16. Juni 2013 verstorben – von unzähligen Fußballfreunden in ganz Deutschland betrauert, aber bis zum heutigen Tag nicht vergessen.

In Dankbarkeit erinnern sich alle FCK- Fans an seinem heutigen 98. Geburtstag des großen Torjägers und Meisterspielers Ottmar Walter.

Windhund, Mensch und Weltmeister – Horst-Eckel-Ausstellung in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern

Am 8. Februar 2022 wäre der FCK-Ehrenspielführer Horst Eckel 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass ist ab Dienstag, 8. Februar, die Ausstellung über ihn, die das Pfälzische Sportmuseum Hauenstein von 2019 bis 2021 gezeigt hat, in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern, Bismarckstraße 17, zu sehen (Eintritt frei).

Damit erinnert sie an den am 3. Dezember verstorbenen Weltmeister von 1954. Nun ist die Ausstellung „Horst Eckel – Windhund, Mensch und Weltmeister“ dank der Kooperation und Mithilfe der Pfalzbibliothek, des Pfälzischen Sportmuseums, des FCK-Museums, des Fördervereins „Initiative Leidenschaft Fritz-Walter-Museum“, von Dagmar Eckel sowie Martin Klemenz vom Stadtarchiv Kaiserslautern erstmals auch in der Fußballstadt zu besuchen. Die Online-Eröffnungsveranstaltung wird im Livestream am 8. Februar ab 19 Uhr übertragen und kann hier oder über die Website www.pfalzbibliothek.de verfolgt werden. Nach einer Begrüßung durch Instituts-Direktorin Dr. Sabine Klapp ist an diesem Abend unter anderem Dagmar Eckel, Vorsitzende der Horst-Eckel-Stiftung, zu Gast, die im Gespräch mit Gerhard Mertin, Sportjournalist, Herausgeber eines regionalen Sport-Online-Portals und Gastgeber der Sporttalk-Reihe „Besser Wissen“, über ihren Vater Auskunft gibt; außerdem sprechen Dr. Markus Merk, Internationaler Schiedsrichter und Vorstand der Horst-Eckel-Stiftung, Ottmar Frenger von der Horst-Eckel-Stiftung sowie Tobias Wrzesinski von der DFB-Stiftung Sepp Herberger, die aus ihren ganz persönlichen Perspektiven an Horst Eckel erinnern.

Die Ausstellung ist bis 8. April zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen, und zwar montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 16 Uhr, mittwochs von 9 bis 12 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Die geltenden Corona-Regeln sind unter www.pfalzbibliothek.de abrufbar.

[Abb.] Erst 22-jährig und schon Weltmeister: Horst Eckel 1954
(Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)

Deutsches Fußballmuseum veröffentlicht Online-Lexikon über jüdische Fußballer

Das Deutsche Fußballmuseum veröffentlicht zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust am Donnerstag, 27. Januar 2022 das Online-Lexikon „Niemals vergessen“. Das Nachschlagewerk widmet sich den Lebensgeschichten heute zumeist vergessener jüdischer Fußballer und Funktionäre, die bis zu ihrer Ausgrenzung in der Zeit des Nationalsozialismus einen zentralen Teil der deutschen Fußballkultur ausmachten.

Das Lexikon ist in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der deutschen Fußballmuseen und Vereinsarchive entstanden. Schon jetzt sind 24 Vereine und Gruppen aus ganz Deutschland – darunter u.a. der Hamburger SV, FC Schalke 04, Arminia Bielefeld, Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach, 1. FC Nürnberg und der FC Bayern München – beteiligt. Unter dem Dach des Fußballmuseums werden die von den Vereinsmuseen und lokalen Fangruppen recherchierten Biografien erstmals an einem zentralen Ort zusammengefasst und damit das Gedenken an sie fest im deutschen Fußball verankert. Dauerhaft und kostenlos abrufbar ist das Lexikon auf fussballmuseum.de.

Museumsdirektor Manuel Neukirchner: „Die Nationalsozialisten löschten nicht nur Leben aus, sondern auch Erinnerungen. Die Konterfeis sportlich erfolgreicher Juden wurden aus Sammelalben entfernt, ihre Namen von Gedenkplatten gekratzt, ihre Gesichter aus Vereinsfotos herausretuschiert und ihre Erfolge aus Rekordlisten gestrichen. Mit dem Online-Lexikon machen wir auf das Schicksal verfemter und ermordeter jüdischer Sportpioniere aufmerksam, die dem Fußball in Deutschland einst wichtige Impulse gaben. Zudem ist es unser Anliegen, ein permanentes Zeichen gegen jede antisemitische und rassistische Tendenz im heutigen Fußball zu setzen.“

In akribischer Detailarbeit und dank umfangreicher Vorrecherchen am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover konnten unter der Projektleitung von Dr. Henry Wahlig bereits über 200 Biografien jüdischer Fußballer und Funktionäre rekonstruiert und dem Lexikon hinzugefügt werden.

Darunter befinden sich bekannte Namen wie der des Nationalspielers Julius Hirsch, der im KZ Auschwitz ermordet wurde, aber auch viele bislang eher unbekannte Persönlichkeiten kleinerer Klubs, die gleichwohl vor Ort einen wichtigen und lange vergessenen Teil der Fußballhistorie ausmachen. Die Biografien sind mit Namen, Vereinszugehörigkeit, Erfolgen und Lebensschicksal hinterlegt und über diese Kategorien zu recherchieren. Interessierte Fangruppen sowie Schulklassen sind ausdrücklich dazu aufgerufen, in ihrem Umfeld weitere Lebensgeschichten zu erforschen und hinzuzufügen. Das Lexikon wird somit als zentraler virtueller Gedenkort des deutschen Fußballs immer weiter wachsen.

Mit Niemals vergessen – das Online-Lexikon verfolgter jüdischer Fußballer veröffentlicht das Deutsche Fußballmuseum erstmals eine zeitgemäße, multimediale Vermittlung der vielfältigen Verdienste der Juden für die deutsche Fußballgeschichte und zugleich ihrer grausamen Verfolgungsgeschichte in Deutschland. Im Fußballmuseum erweitert es die Bildungsangebote zur Erinnerungskultur. Durch die Zusammenführung soll aber auch die wichtige Arbeit in den Vereinen vor Ort gewürdigt und bekannt gemacht werden.

Mit der Veröffentlichung des Online-Lexikons löst das Deutsche Fußballmuseum jetzt das Versprechen ein, das es beim Festakt zum 100. Geburtstag der Maccabi World Union gegeben hatte. Makkabi Deutschland ist Kooperationspartner und Unterstützer des Projektes.

Beteiligte Gruppen und Vereine: Stadtarchiv Aachen, 1. FC Augsburg, Hertha BSC Berlin, Tennis Borussia Berlin, Arminia Bielefeld MAFA, VfL Bochum 1848, Eintracht Braunschweig, SV Werder Bremen Vereinsarchiv, Fortuna Düsseldorf, Eintracht Frankfurt Museum, SC Freiburg, FC Schalke 04, Hamburger SV Museum, Hannover 96 Vereinsarchiv, 1. FC Kaiserslautern Museum, Lokomotive Leipzig, Bayer 04 Leverkusen, 1. FSV Mainz 05, FC Bayern München Museum, 1. FC Nürnberg, Kickers Offenbach, VfL Osnabrück Museum, VfB Stuttgart, Stuttgarter Kickers Fanprojekt.
Kooperationspartner: Makkabi Deutschland, Netzwerk der deutschsprachigen Fußballmuseen und Vereinsarchive

8. Dezember 2021: Letztmalige Öffnung des FCK-Museums in 2021

Aufgrund der Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern e.V. am Mittwoch, 15. Dezember 2021, öffnet das FCK-Museum am morgigen Mittwoch, den 8. Dezember 2021, letztmalig in diesem Jahr seine Pforten für Euch. Bitte beachtet, dass aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz im Museum für Besucherinnen und Besucher erstmalig die 2G-Plus-Regelung gilt!

Konkret bedeutet das: Zutritt erhalten nur Personen, die geimpft oder genesen sind und zusätzlich einen tagesaktuellen Testnachweis vorlegen können! Wer einen Selbsttest mitbringt, kann diesen auch vor Ort unter Aufsicht der ehrenamtlichen Mitarbeiter unseres Museumsteams durchführen. Für Personen, die bereits ihre Booster-Impfung bekommen haben, entfällt die Testpflicht.

Mit dem letzten Öffnungstag des Museums im Jahr 2021 besteht auch letztmalig die Möglichkeit die Fritz-Walter-Sonderausstellung „Das Wunder von Kaiserslautern. Fritz Walter zum 100. Geburtstag“ zu besichtigen. Außerdem könnt Ihr vor Ort auch noch den Jubiläumspin zum 100. Geburtstag von Fritz Walter erwerben, den der Förderverein des Museums im letzten Jahr in einer limitierten Auflage von 2.000 Stück herausgegeben hat. Es sind nur noch etwas weniger als 200 Exemplare des hochwertigen Pins erhältlich. Wer morgen keine Möglichkeit hat ins Museum zu kommen, kann den Pin auch online noch ordern. Bestellungen bitte an die Mailadresse shop@initiative-fritz-walter-museum.de. Die „Initiative Leidenschaft“ bietet auf ihrer Webseite im dortigen Online-Shop auch noch einige andere Artikel rund um Fritz Walter an. Einfach mal ein bisschen stöbern.

Wann das Museum im neuen Jahr für den Besucherverkehr wieder geöffnet sein wird, hängt auch von der Entwicklung der Corona-Lage ab. Der FCK und der Förderverein werden Euch über die neuen Öffnungszeiten über die entsprechenden Online-Kanäle informieren. Das Museumsteam freut sich auf Euren morgigen Besuch und wünscht allen FCK-Fans schon jetzt eine besinnliche restliche Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Fußballgenie und tragische Figur – ein Typ mit Ecken und Kanten

Am 17. November 2021 wäre der ehemalige FCK-Spieler Wolfram Wuttke 60 Jahre alt geworden. Zu seinem Ehrentag gedenkt Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam dem vor sechs Jahren verstorbenem Mittelfeldstrategen, der sich in keine Schublade stecken ließ.

Die einen liebten und vergötterten ihn, die anderen wünschten er würde bleiben wo der Pfeffer wächst. Über kaum einen anderen Spieler wurde über Jahre hinweg so kontrovers diskutiert wie über Wolfram Wuttke, der von 1985 bis 1990 auch das Trikot der Roten Teufel trug. Der frühere Mittelfeldakteur war in jeder Hinsicht eine Reizfigur, im negativen wie im positiven Sinne. Er eckte an und hatte einen streitbaren Charakter. Aber er war eben auch ein brillanter und genialer Fußballer, der mit seinen Fertigkeiten, mit seiner Ballbehandlung und mit seiner Art ein Spiel denken und lenken zu können, diesem auch seinen unverwechselbaren Stempel aufdrücken konnte. Ein Leben zwischen Genie und Wahnsinn, in dem sich der renitente Exzentriker bisweilen oft einfach nur selber im Weg stand. Am 17. November 2021 wäre Wolfram Wuttke 60 Jahre alt geworden.

Wolfram Wuttke wurde 1961 im westfälischen Castrop-Rauxel geboren und galt schon früh als eines der hoffnungsvollsten Talente des deutschen Fußballs. Als Jugendspieler wechselte er 1976 im Alter von 15 Jahren von seinem Heimatverein zur Jugend von Schalke 04, wo er über die U17 und die U19 den Sprung zu den Profis schaffte. 1979 konnte er sein Debüt in der Bundesliga feiern. Am 8. Spieltag der Saison 1979/80 stand er am 6. Oktober beim Heimspiel gegen Werder Bremen erstmals in der Startformation einer Bundesligamannschaft. Bis zum Ende seiner Karriere sollten noch 298 weitere Bundesligaspiele folgen. Bereits 1980 ging er zu Borussia Mönchengladbach, ehe es ihn in der Winterpause der Saison 1982/83 wieder nach Gelsenkirchen zu Schalke 04 zog. Für ein halbes Jahr. Nach Schalkes Abstieg im Sommer 1983 verpflichtete ihn Manager Günther Netzer für den Hamburger SV. Auch im HSV-Trikot lieferte er eine sportliche Achterbahnfahrt, bei der glänzenden Auftritten auch immer wieder schwache Leistungen folgten. Obwohl Wolfram Wuttke zu diesem Zeitpunkt bereits Juniorennationalspieler war, musste er sich wegen Mangels an Selbstdisziplin und Trainingsfleiß herbe Kritik von seinem Trainer Ernst Happel anhören, der ihn anfangs noch für einen „Zauberer“ gehalten hatte, ihn aufgrund seiner häufigen Flegelhaftigkeiten später auch mal einen „Oarsch“ nannte. Nach Streitereien zwischen Spieler und Trainer wurde Wolfram Wuttke schließlich im Herbst 1985 suspendiert.

Am 12. Spieltag der Saison noch auf der Gehaltsliste der Hanseaten, gehörte er am 13. Spieltag schon zum Spielerkader des 1. FC Kaiserslautern. Ein Geschäft auf Leihbasis machte es möglich. Wobei Wolfram Wuttke in den ersten beiden Spielen bei den Roten Teufeln noch keine Berücksichtigung fand. Seine erste Bundesligapartie für den FCK absolvierte er am 15. Spieltag, als er am 20. November 1985 vor heimischem Publikum beim torlosen Unentschieden gegen seinen Ex-Verein Schalke 04 in der Startelf stand. FCK-Trainer Hannes Bongartz sah in dem eigenwilligen Spieler Potential für mehr als das, was er bei seinen bisherigen Vereinen auf den Rasen gebracht hatte. Vor allem hinsichtlich seiner Rolle auf dem Feld, wo ihn Trainer Hannes Bongartz nicht in vorderster Front optimal aufgehoben sah, sondern ihm die Rolle eines offensiven Mittelfeldakteurs mit Spielmacher-Qualität zuwies. Sein Spielverständnis, seine Ballfertigkeit, seine Schnelligkeit und seine Kreativität waren mit den ihm gewährten Freiheiten der Nährboden dafür, dass er sich optimal entfalten konnte. Ein echter Neubeginn in Kaiserslautern! Zu Beginn der Saison 1986/87 wurde aus dem Leihgeschäft eine vertragliche Verpflichtung. FCK-Trainer Hannes Bongartz wollte seinen Spielmacher behalten, Wolfram Wuttke blieb in Kaiserslautern und unterschrieb beim FCK.

Er dankte es mit einer Reihe hervorragender Auftritte bei den Roten Teufeln. Später bekundete er übrigens einmal, dass es Hannes Bongartz gewesen sei, dem er von all seinen Trainern am meisten zu verdanken habe, obwohl er sogar mit seinem Förderer später über Kreuz lag. Häufiger Reibungspunkt, wie so oft, Disziplinlosigkeiten. So genehmigte er sich mal ein privates Tennismatch, anstatt Fleißpunkte mit einem verordneten Waldlauf zu sammeln. Klar, Wolfram Wuttke hasste Waldläufe und er machte keinen Hehl daraus! Beim HSV war er bei einem solchen sogar mal verloren gegangen, angeblich habe er sich verlaufen. Trainer Ernst Happel sammelte den vermeintlich im Wald verirrten Schützling selbst mit dem Motorrad auf und chauffierte ihn auf dem Sozius zum Rapport. Ein echter Wuttke! In der Saison 1986/87 bestritt Wolfram Wuttke 32 Bundesligaspiele für den FCK und war nach dem damaligen Mittelstürmer Harald Kohr mit 14 Toren zweitbester Torschütze der Mannschaft. War der Ballzauberer in guter Form, konnte er mit seinen unwiderstehlichen Soli, seinen raffiniert mit dem Außenrist getretenen Freistößen und Eckbällen sowie seinen präzisen Pässen seine Fans in helle Begeisterung versetzen. Immer wenn er den Turbo einschaltete, um mit seinem unnachahmlichen Laufstil und einer beneidenswerten Ballbehandlung in die gegnerische Hälfte zu jagen, erhob sich am Betzenberg die Akustik-Kulisse. Hätte die Trickfilmreihe Looney Tunes der Warner Brothers nicht schon Jahrzehnte vor dem fußballerischen Höhenflug Wolfram Wuttkes bereits seinen Zenit gehabt, man hätte glauben können, Chuck Jones, der Schöpfer von Roadrunner, Speedy Gonzales und Co., hätte sich für die Laufstil-Animation seiner Comic-Figuren Anregungen beim einstigen Enfant Terrible der Bundesliga geholt.

Es gab aber auch Spiele, in denen der nie um einen Spruch verlegene Wuttke lustlos wirkte und sich nicht in bester Verfassung präsentierte. Wie schon in Mönchengladbach und Hamburg, so polarisierte er auch in Kaiserslautern. Auf und neben dem Platz nahm der begnadete Fußballer kaum ein Blatt vor den Mund und legte sich bisweilen nicht nur mit Trainern und Mitspielern, sondern eben auch mit Schieds- und Linienrichtern an. Unvergessen die turbulenten Szenen im Homburger Waldstadion am 9. Spieltag der Saison 1986/87. Der FCK lag am 4. Oktober 1986 beim FC Homburg durch einen Treffer von Dieter Trunk bis kurz vor Schluss noch mit 1:0 in Führung und musste in der 85. Minute den Ausgleich hinnehmen. Allerdings war dem Treffer eine Abseitsposition vorausgegangen, die der Linienrichter durch Heben der Fahne zwar angezeigt, sein Werkzeug dann aber wieder zurückgezogen hatte. Tumultartige Szenen auf und neben dem Rasen, bei denen Wolfram Wuttke vor laufenden Kameras auf den gescholtenen Mann an der Seitenlinie wutschnaubend zumarschierte und ihm mit innbrünstiger Überzeugung entgegen schmetterte, „Du scheißt Dir doch vor Dir selber in die Hose, Du!“

Ungeachtet solcher Eskapaden, wer so auffällig sportlich herausragende Leistungen abliefert, der gerät irgendwann auch als Kandidat für die DFB-Auswahl in den Fokus. Franz Beckenbauer berief Wolfram Wuttke 1986 in die Nationalmannschaft, für die er aber nur vier Spiele absolvieren konnte, während er in der deutschen Fußball-Olympiaauswahl unter Trainer Hannes Löhr elfmal eingesetzt wurde. Bei den Olympischen Spielen 1988 gewann Wolfram Wuttke mit dem deutschen Team gemeinsam mit Jürgen Klinsmann, Wolfgang Funkel, Karl-Heinz Riedle, Frank Mill und Thomas Häßler die Bronzemedaille. Mit etwas mehr Ehrgeiz und etwas weniger undiplomatischem Verhalten wäre für Wolfram Wuttke im Trikot mit dem Adler auf der Brust womöglich mehr drin gewesen. Trotz der damals starken Konkurrenz im Mittelfeld der deutschen Nationalmannschaft. Da sind sich bis heute die Experten einig und auch Wolfram Wuttke räumte dies später selbstkritisch ein.

Kam Wolfram Wuttke in der Saison 1987/88 in der Bundesliga noch in 24 Spielen zum Einsatz, durfte er in der darauffolgenden Spielzeit nur noch in 10 Partien das FCK-Trikot überstreifen. Zum Abschluss der Saison 1987/88 beim 5:2-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach noch ein Held, der mit dazu beigetragen hatte das Abstiegsgespenst vom Betzenberg zu vertreiben, avancierte er in der nachfolgenden Saison mehr und mehr zum Buhmann und erntete nach indiskutablen Auftritten gelegentlich sogar Pfiffe aus dem Publikum. Wie zuvor bereits mit Jupp Heynckes, dem er übrigens den Spitznamen “Osram” verpasst hatte, Ernst Happel und irgendwann sogar mit Hannes Bongartz, provozierte er auch Auseinandersetzungen mit dessen Trainer-Nachfolger Sepp Stabel. Als verletzt gemeldet, stattete er dem Dürkheimer Wurstmarkt einmal einen Besuch ab. Deswegen zur Rede gestellt, meinte er, das könne nicht sein, als Biertrinker würde er keine Weinfeste besuchen.

Einer Abmahnung folgte Ende 1989 die Suspendierung und bis zum Ende der Saison sollte er nicht mehr im FCK-Trikot auf dem Feld stehen, das er in 125 Pflichtspielen, davon 112 in der Bundesliga für den pfälzischen Traditionsclub getragen hatte. Wolfram Wuttke verließ im Sommer nicht nur den FCK, er verließ auch Deutschland und ging nach Barcelona. Allerdings nicht zu Barca, wo er immer hin wollte, sondern zum spanischen Zweitligisten Espanyol Barcelona. Zwei Jahre kickte er für die Katalanen, ehe er 1992 zum 1. FC Saarbrücken zurück in die Bundesliga wechselte. Eine Verletzung brachte hier 1993 nach 299 Erstligaspielen das unfreiwillige Ende seiner Fußballerkarriere. Wenig Glück war Wolfram Wuttke mit seinen geschäftlichen Aktivitäten und seiner Tätigkeiten als Trainer beschieden. Im Jahre 2000 erkrankte er am bei Männern seltenen Brustkrebs, fand aber nach der belastenden Chemotherapie die Kraft, noch einmal ein Traineramt anzunehmen. Nach erneuter schwerer Krankheit verstarb Wolfram Wuttke in der Nacht zum 1. März 2015 viel zu früh im Alter von nur 53 Jahren in einer Klinik im westfälischen Lünen. Am 17. November 2021 wäre der eigenwillige und begnadete Fußballer 60 Jahre alt geworden.

Mit zwei FCK-Titeln in der Tasche zum Fröhnerhof – Uwe Scherr wird 55 Jahre alt

Am 16. November 2021 feiert Uwe Scherr seinen 55. Geburtstag. Zu diesem besonderen Tag hat Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam einen schönen Bericht über seine Karriere und sein aktuelles Engagement beim FCK verfasst.

Er gehörte zur FCK-Mannschaft, die 1990 erstmals DFB-Pokalsieger wurde und ein Jahr darauf mit dem FCK den dritten Meistertitel nach 1951 und 1953 feiern konnte. Gemeint ist Uwe Scherr, der nach 28 Jahren den Weg zurück zu den Roten Teufeln fand und beim FCK seit dem 11. August 2020 nun das Nachwuchsleistungszentrum am Fröhnerhof leitet. Zwei Welten, die ihn während seiner gesamten Fußballzeit besonders prägten. Hier der 1. FC Kaiserslautern, mit dem er als Spieler seine größten sportlichen Erfolge feiern konnte, dort die Nachwuchsarbeit, die ihn nach seiner Zeit als aktiver Kicker am längsten und am nachhaltigsten in den Bann gezogen hat. Kein Wunder, dass Uwe Scherr dem NLZ des FCK eine positive Entwicklung attestiert und sich sicher ist, dass es in den kommenden Jahren gelingen wird, auch wieder Spieler an die erste Mannschaft heranführen zu können. Am 16. November 2021 feiert Uwe Scherr seinen 55. Geburtstag.

Geboren wurde Uwe Scherr im oberpfälzischen Amberg, wo er zusammen mit zehn Schwestern und drei Brüdern aufwuchs. Sicher nicht immer einfach, aber in so einem Umfeld lernt man auch sich durchzusetzen. Für einen Fußballer keine schlechte Schule. Seine ersten fußballerischen Gehversuche machte er bei der SG Siemens in Amberg. Weitere Stationen waren die Jugendabteilungen des 1. FC Amberg und des 1. FC Nürnberg, wohin er im Alter von 16 Jahren wechselte. Noch heute kennzeichnet er es als großes Glück, in jenen Jahren unter den Fittichen guter und weitsichtiger Trainer gestanden zu haben. Eine Erkenntnis, die irgendwann sicher auch die Überzeugung gedeihen ließ, sich einmal dem Nachwuchsbereich zu verschreiben. Bei seiner Station an der Noris machte Uwe Scherr seine nächsten Schritte. Er spielte für die U19 in der damals höchsten deutschen Jugendklasse sowie bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg in der Bayernliga. In seinem zweiten Jugendjahr zog er sich eine schwere Knieverletzung zu. Ein Außenbandanriss setzte ihn ein halbes Jahr außer Gefecht. Doch Uwe Scherr kämpfte sich zurück und verpasste den Sprung ins Profiteam nur aufgrund einer Verletzung. Als vielversprechendes Talent hatte ihn auch ein ehemaliger Jugendtrainer, der inzwischen beim FC Augsburg war, noch auf dem Radar und holte ihn daher in die Fuggerstadt, wo Uwe Scherr zwei Jahre lang als bester Amateurspieler Deutschlands in der Bayernliga kickte.

Zu Beginn des Jahres 1989 geriet er auch ins Blickfeld der Verantwortlichen des FCK. Gerd Roggensack sah in ihm einen außerordentlich entwicklungsfähigen Spieler. Ein sich anbahnender Wechsel zum Saisonbeginn war eigentlich bereits im Februar beschlossene Sache. Nicht weniger als 14 Angebote anderer Erstligisten hätte Uwe Scherr wenige Wochen später noch als Joker ziehen können, doch er blieb bei seiner Zusage und wechselte zu Beginn der Saison 1989/90 an den Betzenberg. Mit der klaren Ansage, vom Saisonstart weg spielen zu wollen. Er überzeugte in der Vorbereitung auch Trainer Roggensack, der ihn zunächst behutsam aufbauen wollte und machte sein Debüt gleich am ersten Spieltag. Mit 2:1 besiegte der FCK am 28. Juli 1989 Borussia Mönchengladbach vor heimischem Publikum. Uwe Scherr stand in der Startelf und absolvierte die vollen 90 Minuten. In seiner ersten Spielzeit kam er zu 22 Bundesligaeinsätzen. In einer Saison, die den Fans ein Wechselbad der Gefühle abverlangte. Drohender Abstieg, Trainerwechsel, Einzug ins DFB-Pokalfinale und zur Krönung der Pott im Finale in Berlin. Unter dem neuen Trainer Karl-Heinz Feldkamp blühte die Mannschaft auf, sicherte sich den Klassenerhalt und am Ende den DFB-Pokal. In einer legendären Partie, in der auch Uwe Scherr eine herausragende Rolle spielte.

Erstes Jahr beim neuen Verein, erster Titel. Ein zweiter sollte in der Spielzeit danach folgen. In 31 Bundesligaspielen trug Uwe Scherr in der Saison 1990/91 das Trikot der Roten Teufel. Eine atemberaubende Spielzeit, an deren Ende sich der FCK mit dem bis heute unvergessenen Auswärtssieg am letzten Spieltag die dritte Deutsche Meisterschaft sicherte. Mit 6:2 schlugen die Jungs von Trainer Karl-Heinz Feldkamp den rheinischen „Effzeh“ im Müngersdorfer Stadion in Köln. Mit auf dem Rasen auch Uwe Scherr, der mit dieser Partie auch für sich selbst seine zweite Spielzeit am Betzenberg krönte. Er blieb noch ein weiteres Jahr ein Roter Teufel, ehe er nach der Saison 1991/92, in der der FCK am Ende Tabellenplatz 5 belegte, zum Ligarivalen Schalke 04 wechselte. In insgesamt 98 Pflichtspielen trug Uwe Scherr das FCK-Trikot, davon 80 in der Bundesliga, wo ihm auch 6 Tore für die Roten Teufel gelangen.

Bei den Schalker Knappen blieb er bis 1996 und kam in den vier königsblauen Jahren zu 82 Bundesligaspielen. Es folgten weitere Stationen beim 1. FC Köln, für den er von 1996 bis 1998 auflief und beim Wuppertaler SV, zu dem er 1998 wechselte und wo er ein Jahr später seine Spielerkarriere beendete. Uwe Scherr kehrte nach Gelsenkirchen zurück. Bei Schalke 04 arbeitete er zunächst als Chefscout und wurde dann Leiter der Nachwuchsabteilung. Es sei Rudi Assauer gewesen, der ihm die Möglichkeit bot, in der „Knappenschmiede“ auch im Trainerbereich Erfahrungen sammeln zu können und so wurde Uwe Scherr Co-Trainer der Schalker U19. Eine Zeit, in der die Schalker mit ihrer Nachwuchsarbeit übrigens die späteren Weltmeister Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes und Julian Draxler hervorbrachten. Bis 2012 blieb Uwe Scherr bei den Königsblauen, zuletzt als Leiter der Nachwuchsabteilung.

Im Mai 2012 übernahm er als Nachfolger von Erik Meijer den Posten als Sportdirektor von Alemannia Aachen. Seinen bis zum 30. Juni 2013 laufenden Vertrag verlängerte er nicht. Stattdessen ging Uwe Scherr zum TSV Marl-Hüls, wo er bis April 2017 blieb und direkt im Anschluss eine Anstellung als Leiter der Nachwuchsabteilung beim ungarischen Club FC Honvéd Budapest annahm. Nach etwas mehr als drei Jahren in der ungarischen Landeshauptstadt folgte dann im Sommer der Wechsel zurück zum Betzenberg, wo Uwe Scherr seither als Sportlicher Leiter das Nachwuchsleistungszentrum des FCK führt. Auf dem Fröhnerhof ist er verantwortlich für die Jugendmannschaften von der U10 bis zur U19, für die er all seine im Nachwuchsbereich gesammelten Erfahrungen in die Waagschale werfen will. Eine reizvolle Aufgabe, denn der FCK genießt noch immer einen exzellenten Ruf. Doch im Nachwuchsbereich hat der Verein durchaus Aufholbedarf. Aber auch großes Potential. „Die besten Talente in der Region müssen wieder zum FCK wechseln“, steckte Uwe Scherr schon bei seinem Antritt im NLZ seine hohen Ziele ab. Der FCK-Nachwuchsbereich müsse wieder auf ein Topniveau gehoben werden, menschlich, sportlich und auch charakterlich, umschreibt der ehrgeizige Netzwerker seine Vorstellung von einem Gesamtkonzept und seiner Vision, wie das Nachwuchsleistungszentrum als Dienstleister für die Profis vorangebracht werden muss.

Die ganze FCK-Familie und auch das Museumsteam gratulieren zum heutigen 55. Geburtstag. Wir würden uns freuen, auch in fünf Jahren einen Geburtstagsbericht über Uwe Scherr als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums am Fröhnerhof verfassen zu können.

Fritz Walter – ein unsterblicher Mythos

Am 31. Oktober 2021 wäre Fritz Walter 101 Jahre alt geworden. Zu diesem besonderen Jubiläum gedenken Hans Walter und Matthias Gehring diesem besonderen Menschen, der nicht nur im deutschen Fußball, sondern in der ganzen Republik Spuren hinterlassen hat.

Rund 160 Fotos umfasst die Sonderausstellung „Das Wunder von Kaiserslautern. Fritz Walter zum 100. Geburtstag“, die aufgrund der Corona-Pandemie erst seit dem 22. September 2021 im FCK-Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. 160 Fotos mit umfangreichen textlichen Erläuterungen, die den Versuch wagen, das facettenreiche Leben und Wirken des welt-berühmten Fußballers nachzuzeichnen. Bei der Fülle dessen, was den Ausnahmefußballer und außergewöhnlichen Menschen auch über dessen Tod hinaus auszeichnet, kann dies nicht vollumfänglich gelingen. „Iwwerleg mol, was de Fritz alles gemacht un erlebt hat un wo der schun iwwerall war“, resümierte kürzlich ein eher jüngeres Fan-Pärchen im FCK-Museum ehrfurchtsvoll die zusammengetragenen Bilddokumente beim Betrachten der Stellwände der Sonderausstellung. Keine seltene Begebenheit, wobei die zitierten Museumsbesucher ob ihres Alters Fritz Walter sicher nie selber haben spielen sehen.

Doch auch Besucher älterer Generationen, die sich als Zeitzeugen glücklich schätzen dürfen Fritz Walter vielleicht sogar schon einmal begegnet zu sein, geraten beim Besuch des FCK-Museums immer wieder ins Schwärmen. Dort beugt sich eine ältere Dame über eine der Schauboxen. Sie betrachtet die ausgestellten Fotos, die Fritz Walter beim Schreiben von Grußbotschaften auf die Sohlen von Mini-Fußballschuhen sowie einige der kleinen Schuhe zeigen, auf deren Unterseite noch der Schriftzug des großartigen Fußballers zu erkennen ist. Die Dame lächelt und beginnt zu erzählen, wie sie im Alter von 16 Jahren den großen Fritz Walter nach einem Spiel der FCK-Traditionsmannschaft kennengelernt hat. Seine Natürlichkeit und Freundlichkeit hätten ihr schnell über ihre Verlegenheit hinweggeholfen, als sie um ein Autogramm bat. Sie erhielt ein Foto von Fritz mit einer persönlichen Widmung, das sie heute noch als wertvolle Erinnerung aufbewahrt.

Solche Erinnerungen an persönliche Begegnungen mit Fritz Walter sind in den Räumen der FCK-Museumsausstellung oft zu hören und die Hochachtung und Bewunderung, die aus all diesen Erzählungen spricht, schenken uns ein viel runderes Bild von der Persönlichkeit Fritz Walters, als eine Aufzählung seiner Erfolge und der vielen Ehrungen, mit denen er im Laufe seiner Karriere und danach bedacht worden ist.

Fritz Walter wurde am 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern als erstes von fünf Kindern des Ehepaares Ludwig und Dorothea Walter geboren. Seine erste Begegnung mit dem Fußballspielen hatte Fritz, als er auf der Straße mit seinen Geschwistern und Kindern aus der Nachbarschaft „Kanälches“ spielte und mit großem Geschick ein kleines Gummibällchen, leere Konservendosen oder zusammen-gewickelte Stoffballen in die Öffnung eines Gullis jonglierte. Die Freizeitgestaltung jener Zeit machte früh das überragende Talent des kleinen Fritz beim Umgang mit allem, was wie ein Ball anmutete sichtbar und forcierte seine Liebe zum Fußballsport. Sein Vater war es, der den ältesten Sprössling schließlich beim FV Kaiserslautern anmeldete, der 1931 in „1. FC Kaiserslautern“ umbenannt wurde. In der Schülermannschaft des 1. FC Kaiserslautern machte er mit seiner unnachahmlichen Technik und Ballbeherrschung schon bald auf sich aufmerksam. Nach seiner Schulzeit begann er eine Ausbildung zum Bankkaufmann, die er mit einem Einser-Zeugnis abschließen konnte. In diese Zeit fiel auch seine „Mastkur“ bei der Metzgerfamilie Speyrer, mit der den Bedenken des Mannschaftsarztes ob der schwächlichen Konstitution des jungen Fußballers entgegengewirkt wurde.

Nach seinem erfolgreichen Berufsabschluss bekam er eine Anstellung bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern, wo er bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht arbeitete. Kaum 18 Jahre alt, wurde er in der ersten Mannschaft des FCK eingesetzt und bald ereilten ihn Berufungen in Auswahlmannschaften des Südwestens. Fritz Walters Torjägerqualitäten und seine Spielintelligenz führten zu einer Empfehlung des für den Fußball-Südwesten zuständigen Obmannes Karl Hohmann an Reichstrainer Sepp Herberger. Prompt erfolgte die Einladung zu einem Lehrgang mit der Nationalmannschaft – und am 14. Juli 1940 konnte Fritz Walter in Frankfurt zu seinem ersten Länderspiel auflaufen und sich gleich mit drei Treffern in die Torjägerliste eintragen. Auf Anhieb war er Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft geworden.

Inzwischen hatte der Zweite Weltkrieg Europa erschüttert und auch der junge Nationalspieler Fritz Walter wurde zur Wehrmacht eingezogen. Er konnte zwar weiterhin für seinen FCK spielen, wurde aber schließlich nach Lothringen abkommandiert, wo er einige Zeit für Diedenhofen (Thionville) zum Einsatz kam. Einige Begegnungen bestritt er überdies mit der „Pariser Soldatenelf“. Im Herbst 1942 hatte sich die Kriegssituation derart verschärft, dass die Länderspiele eingestellt werden mussten. Gegen die Slowakei absolvierte Fritz sein 24. und vorerst letztes Länderspiel für Deutschland. Auch er selbst konnte damals nicht ahnen, dass es neun endlos lange Jahre dauern würde, bis er zu seinem 25. Spiel mit der Nationalmannschaft auflaufen konnte.

Der Krieg war Fritz Walter zuwider. Seine Versetzung 1943 nach Italien, auf die Insel Sardinien, brachte ihm eine Infektion mit der tückischen Krankheit Malaria; fortan machte ihm heißes Klima immer zu schaffen. Was Fritz Walter damals nicht wusste, war die Tatsache, dass hinter den Kulis-sen zwei „Schutzengel“ in Gestalt des Reichstrainers Herberger und des erfolgreichen Jagdfliegers und Geschwaderkommodore Hermann Graf die Versetzung des Infanteristen Walter zur Luftwaffe und zur Einheit Grafs nach Ostfriesland betrieben und durchgesetzt haben. Fritz konnte nach Deutschland zurückkehren und alsbald in der von Hermann Graf aufgestellten Soldatenmannschaft auch wieder Fußball spielen. Für Fritz Walter schien es wie ein Wunder, dass er in Zeiten des „Totalen Krieges“ mit den „Roten Jägern“ an vielen Orten wieder dem Fußball nachjagen durfte.

Kurz vor Kriegsende ergab sich die Einheit des Obersten Hermann Graf den Amerikanern, die aber zum Entsetzen Fritz Walters und seiner Kameraden an die Sowjets ausgeliefert und in ein riesiges Gefangenenlager auf rumänischem Boden, Marmaros-Sziget, gebracht wurde. Erneut war es der Fußball, der den durch Krankheit geschwächten und deprimierten Fritz Walter rettete. Durch Zufall geriet er in Kontakt zu Fußball spielenden Männern des Wachpersonals, die ihn mit Duldung des russischen Lagerkommandanten in ihre Mannschaft aufnahmen. Wieder Fußball spielen zu können, war für Fritz ein wahres Lebenselixier. Eine weitere wunderbare Fügung wollte es, dass er in dem Gefangenenlager seinen Bruder Ludwig treffen konnte. Als das Lager aufgelöst und Zehntau-sende deutscher Soldaten in endlosen Transporten nach Sibirien abtransportiert wurden, beschied der Kommandant, dass Fritz und sein Bruder Ludwig mit den im Lager festgesetzten Franzosen, Belgiern und Luxemburgern nach Westen zu schicken seien. Da Kaiserslautern in der französischen Besatzungszone liegen würde, seien die Walters demnach Franzosen! Ein unbürokratischer Anflug von Menschlichkeit inmitten einer apokalyptisch anmutenden Perspektivlosigkeit!

Fritz Walter und seinem Bruder blieb eine ungewisse Zukunft in einer langen Gefangenschaft er-spart. Im Oktober 1945 gelangten Fritz und Ludwig wohlbehalten in ihre Heimatstadt zurück. Fritz Walter begann umgehend, sich um den FCK und das Zusammenstellen einer neuen Mannschaft zu kümmern. Nach und nach kehrten frühere Mitspieler aus der Gefangenschaft zurück und bildeten mit jungen Talenten die zunächst von Fritz Walter trainierte „Walter-Mannschaft“, die in den nach-folgenden 13 Jahren Fußballgeschichte schreiben sollte. Ein erster Erfolg war 1947 der Gewinn der Meisterschaft in der französischen Besatzungszone. Schon ein Jahr später konnte sogar wieder eine deutsche Meisterschaft mit der Begegnung 1. FC Kaiserslautern gegen den 1. FC Nürnberg ausgetragen werden. Der FCK unterlag dem Club mit 1:2, hinterließ aber einen hervorragenden Eindruck. Von existenzieller Wichtigkeit waren in dieser bitterarmen Nachkriegszeit auch die sogenannten „Kartoffelspiele“ gegen Vereine aus ländlichen Regionen der Pfalz, bei denen die Einsatzprämie aus dringend benötigten Grundnahrungsmitteln bestand.

Fritz Walter war in all diesen Jahren die überragende Spielerpersönlichkeit seines FCK und ab seinem ersten Nachkriegs-Länderspieleinsatz auch der deutschen Nationalmannschaft. Fünfmal stand Fritz mit seinem FCK in einem deutschen Meisterschaftsendspiel, zweimal, 1951 und 1953, konnte er mit der Meisterschale nach Kaiserslautern zurückkehren. Der alles überstrahlende Triumph folgte 1954 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in der Schweiz, zu der Sepp Herberger neben Fritz Walter noch vier weitere Akteure des FCK aufgeboten hatte. Für Fritz Walter und seine Kameraden war dieser sensationelle Gewinn des Endspiels gegen die vermeintlich unbesiegbare „Wundermannschaft“ aus Ungarn, das „Wunder von Bern“, der strahlende Höhepunkt ihrer Laufbahn als Fußballspieler. Angebote, für immense Summen bei ausländischen Vereinen zu spielen, lehnte Fritz Walter wiederholt ab. Auch 1958 gehörte Fritz Walter noch zur deutschen Nationalmannschaft, die beim WM-Turnier in Schweden den achtbaren vierten Platz belegen konnte. 1959 beendete der Ausnahmefußballer schließlich im Alter von knapp 39 Jahren endgültig seine aktive Fußballerlaufbahn. Mit seiner Frau Italia zog er in den Sechzigerjahren ins nahe Alsenborn und wirkte als Repräsentant verschiedener namhafter Firmen, besuchte für die Sepp-Herberger-Stiftung Gefängnisse und war Autor mehrerer erfolgreicher Fußballbücher.

Fritz Walter erfuhr für seine Leistungen mannigfache Ehrungen. Er wurde mit den höchsten Auszeichnungen seines FCK versehen, das Betzenberg-Stadion erhielt seinen Namen, er wurde zum Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft ernannt, er erhielt das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Kaiserslautern und des Landes Rheinland-Pfalz. Am 17. Juni 2002 ist Fritz Walter in Alsenborn verstorben. Seine letzte Freude war noch mitzuerleben, wie Kaiserslautern den Zuschlag als Austragungsort für die WM 2006 in Deutschland erhielt, wofür er sich in seinen beiden letzten Lebensjahren engagiert eingesetzt hatte.

Aber Fritz Walter ist nicht nur seiner großartigen sportlichen Erfolge wegen im kollektiven Gedächtnis lebendig geblieben. Es waren seine persönliche Integrität, seine Kameradschaftlichkeit, seine Heimat- und Vereinstreue, seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und insbesondere seine große Bescheidenheit, die ihn zum zeitlosen Idol haben werden lassen. Auch für die nachfolgende Generation. Fritz Walter hat Werte vorgelebt, die für den FCK nach wie vor eherne Gültigkeit besitzen. In aufgewühlten Zeiten wie heute vielleicht mehr denn je. Das Fritz Walter gewidmete Muse-um des 1. FC Kaiserslautern sieht es als zentrale Aufgabe, die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Fußballspieler und Menschen wach zu halten und seine kostbaren Ideale und Werte auch zukünftigen Generationen zu vermitteln und zu verdeutlichen. Aber auch noch immer unerforschte Fragen rund um die Vita Fritz Walters zu beantworten, gehören zu den Herausforderungen, denen sich die Akteure rund ums FCK-Museum gerne stellen.

hw / mg

Die Meisterschale zum Stadtjubiläum: 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister 1951

Wohl jeder Fußballer träumt davon, einmal Deutscher Meister zu werden und die Meisterschale in Händen halten zu dürfen. Natürlich galt auch bei Fritz Walter und seinen Kameraden vom FCK das Erringen der Deutschen Meisterschaft sehnsuchtsvoll als höchstes Ziel, für das sich alle Anstrengungen und der vollständige persönliche Einsatz lohnen würde. Am 30. Juni 1951 sollte die Elf aus Kaiserslautern dann auch eben jenen ersten Meistertitel in die Pfalz holen.

1948 stand Fritz Walter mit seiner Mannschaft im ersten Meisterschaftsendspiel nach dem Zweiten Weltkrieg kurz vor dem Erreichen des Triumphes — doch das Endspiel in Köln ging mit 1:2 gegen die etwas routiniertere Elf des 1. FC Nürnberg verloren. Auch nach der Saison 1948/49 reichte es für den FCK nach einer Endrundenniederlage gegen Borussia Dortmund nicht zum Titelgewinn; immerhin konnte damals das „kleine Endspiel“ um den dritten Platz gegen Kickers Offenbach mit 2:1 gewonnen werden. Wieder ein Jahr später war es der VfB Stuttgart, der die Meisterschaftsambitionen der Roten Teufel mit 5:2 in der Endrunde recht deutlich stoppte.

Die Saison 1950/51 wurde in der Oberliga Südwest nur mit 14 Mannschaften bestritten – die saarländischen Vereine hatten, wie in den Jahren zuvor, keine Genehmigung von der französischen Besatzungsmacht erhalten, sich der Oberliga anzuschließen. Von Beginn der Meisterschaftsrunde an ließ der FCK keine Zweifel aufkommen, wer die Südwestdeutsche Meisterschaft gewinnen würde. Nur ein Auswärtsspiel in Worms und ein Heimspiel gegen Engers gingen für die Lauterer verloren, zwei Begegnungen endeten Unentschieden; 22 Siege brachten den Roten Teufeln 46:6 Punkte und ein Torverhältnis von 95:16. Torschützenkönig im Südwesten wurde damals Ottmar Walter mit 28 Treffern; Werner Baßler hatte es auf 25 Torerfolge gebracht.

Weniger erfreulich lief die Saison 1950/51 für den Schatzmeister des FCK, denn zu den meisten Spielen fanden sich nur 1.000 bis 4.000 Zuschauer auf dem Betzenberg ein. Lediglich gegen Worms, Neuendorf und Phönix Ludwigshafen kamen mehr als 10.000 Besucher und – wie so oft – war das Spiel gegen den Lokalrivalen FK Pirmasens mit mehr als 20.000 Gästen der „Renner“ des Jahres.

Die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft wurde von acht Mannschaften in zwei Viererblöcken jeweils mit Hin- und Rückspielen bestritten. Die Gruppenersten würden am 30.06.1951 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Berliner Olympiastadion austragen.

Für den 1. FC Kaiserslautern, für seine Spieler und Verantwortlichen und auch für die zahlreichen Anhänger geriet diese Endrunde zu einer aufregenden Angelegenheit. Die Hoffnung des FCK auf eine Endspielteilnahme erhielt schon im ersten Endrundenspiel gegen die SpVgg Fürth einen empfindlichen Dämpfer. Im neuen Südweststadion von Ludwigshafen mussten sich die Roten Teufel mit einem 2:2 begnügen, wobei sich der „Senkrechtstarter der Saison“, der 19-jährige Horst Eckel, für die beiden FCK-Tore verantwortlich zeichnete. Schlimmer war, dass nach dieser Begegnung dem FCK kein erstklassiger Torhüter mehr zur Verfügung stand. Karl Adam, der Stammtorhüter des FCK, hatte beschlossen Kaiserslautern zu verlassen, um in der neuen Saison bei TuS Neuendorf zwischen den Pfosten zu stehen. Trainer Richard Schneider hatte deshalb dem jungen, aus Mainz gekommenen Dieter Schaack im letzten Punktspiel der Saison und auch im ersten Spiel der Endrunde das FCK-Tor anvertraut. Enttäuscht und verärgert reiste Karl Adam nach Koblenz ab.

Trainer Schneider hatte jedoch übersehen, dass nach den damaligen Statuten des DFB Dieter Schaack wegen nur eines einzigen Einsatzes während der Oberligasaison noch keine Spielberechtigung für die Endrundenbegegnungen hatte. Die SpVgg Fürth legte Protest ein, Schaack wurde gesperrt und – wie auch der FCK – zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Befürchtung, dass den Lauterern auch noch der eine Punkt aus dem Spiel gegen Fürth aberkannt werden würde, bestätigte sich zum Glück nicht.

Der FCK stand also ohne Torhüter da, doch Trainer Richard Schneider trat umgehend den „Gang nach Canossa“ an. Er fuhr nach Koblenz und bewegte Karl Adam, für die Endrundenspiele nach Kaiserslautern und in das Tor des FCK zurückzukehren. Adam sollte seinen Entschluss, sich mit Schneider und dem FCK zu versöhnen, nicht bereuen – in den nachfolgenden Spielen glänzte er wiederholt mit ausgezeichneten Leistungen und fand auch bei Bundestrainer Sepp Herberger Beachtung.

Im Hinspiel gegen Schalke 04 folgte die nächste Aufregung: Ottmar Walter erlitt einen Bandscheibenvorfall, der ihn für die letzten Endrundenbegegnungen außer Gefecht setzte – und es schien unsicher, ob der Torjäger beim Endspiel wieder zur Verfügung stehen würde.

Nach dem Unentschieden gegen Fürth konnte der FCK seine weiteren Heimspiele in Ludwigshafen gegen den FC Schalke 04 und den FC St. Pauli knapp gewinnen, entscheidend wurden schließlich die Auswärtssiege bei St. Pauli (2:4) und in Fürth (1:3). Der FCK stand als Gruppenerster im Endspiel, die 2:3-Niederlage bei Schalke 04 spielte keine Rolle mehr. Die Finalteilnahme verdankte der FCK in hohem Maße zwei Spielern, die jeweils sechs Tore in der Endrunde erzielt hatten: Dem jungen Horst Eckel, der erst in der Rückrunde der Saison zum Stammspieler gereift war und Werner Baßler, dem „Schützen vom Dienst“.

Als Endspielgegner des FCK hatte sich die Mannschaft von Preußen Münster qualifiziert. Die Münsteraner verfügten mit Gerritzen, Preißler, Schulz, Rachuba und Lammers über einen gefährlichen Angriff, den „100.000-Mark-Sturm“, während die Lauterer bangen mussten, ob der gerade rechtzeitig zum Endspiel am 30. Juni wieder genesene Mittelstürmer Ottmar Walter der Belastung in dieser wichtigen Partie gewachsen sein würde.

FCK-Trainer Richard Schneider vertraute in der Abwehr und Läuferreihe auf Torhüter Karl Adam, Helmut Rasch, Werner Kohlmeyer, Ernst Liebrich, Werner Liebrich und Heinz Jergens. Um einen weiteren Spieler als „Abfangjäger“ für den gefährlichen Preußen-Sturm aufbieten zu können, verzichtete Trainer Schneider auf seinen Linksaußen Karl Wanger und nominierte an seiner Stelle den vielseitigen Bernhard Fuchs als zusätzlichen Läufer. Wanger akzeptierte diese taktische Maßnahme schweren Herzens, ordnete sich aber vorbildlich der Entscheidung des Trainers unter. Der Sturm des FCK war folglich mit Horst Eckel, Fritz Walter, Ottmar Walter, Werner Baßler und Bernhard Fuchs besetzt.

Das von Schiedsrichter Reinhardt aus Stuttgart vor annähernd 90.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion geleitete Spiel sah in der ersten Halbzeit Vorteile und ein Chancenplus für Preußen Münster. Fritz Walter fand lange Zeit nicht wie gewohnt ins Spiel und auch von Werner Baßler ging nur wenig Gefahr aus. Lediglich der couragiert aufspielende Horst Eckel sorgte auf Rechtsaußen für Schwung im Lauterer Angriffsspiel.

Kurz nach dem Seitenwechsel war es Außenstürmer Gerritzen, der die Preußen bis dahin verdient nach einer sehenswerten Aktion in Führung brachte. In Rückstand geraten, wurde der FCK stärker und Fritz Walter zeigte sich nun als Kapitän und Kopf seiner Mannschaft. Sein Zuspiel konnte sein Bruder Ottmar per Flachschuss zum Ausgleich verwerten – und in der 74. Spielminute wuchtete erneut Ottmar eine Flanke von Fritz mit der Stirn zum umjubelten Siegestreffer in das Tor der Münsteraner. Die Abwehr des FCK um Werner Liebrich hielt dem Schlussspurt der Preußen bravourös stand, wobei Karl Adam mit einigen beherzten Paraden glänzen konnte – es blieb beim 2:1-Sieg für den 1. FC Kaiserslautern.

In der entscheidenden Phase des Spiels hatte sich Fritz Walter als überragender Spielgestalter präsentiert, Ottmar hielt trotz seiner Rückenbeschwerden tapfer durch und entschied mit seinen beiden Toren das Finale und Bernhard Fuchs hatte seine Sonderaufgabe ausgezeichnet erfüllt. Nach diesem packenden Endspiel durfte Fritz Walter erstmals die begehrte Meisterschale aus den Händen des DFB-Präsidenten Dr. Pecco Bauwens in Empfang nehmen und die Fanfarenbläser der „Schwarzen Rhythmiker“ aus Kaiserslautern ließen ihre Siegeshymne durch das Olympiastadion schallen.

Die Rückkehr der Walter-Mannschaft aus Berlin nach Kaiserslautern geriet zum Triumphzug. Per Flugzeug war es am Tag nach dem Endspiel nach Frankfurt gegangen, anschließend brachte die Bundesbahn den neuen Deutschen Meister nach Kaiserslautern. Um 18 Uhr traf der Zug am Hauptbahnhof ein, die Spieler wurden herzlich begrüßt, stiegen in offene, geschmückte Cabriolets um und fuhren durch die mit Fahnen und Transparenten geschmückte Stadt, in der zu diesem Zeitpunkt der Wiederaufbau nach dem Bombenkrieg erst begonnen hatte und noch lange nicht abgeschlossen war. Zehntausende aus nah und fern bereiteten den Meisterspielern, zu denen, wie Fritz Walter immer wieder betonte, natürlich auch Karl Wanger zählte, einen begeisterten Empfang auf dem Weg vom Bahnhof durch die Stadt zur Bismarckstraße und schließlich hoch zum Betzenberg. Nach der entbehrungsreichen Kriegszeit und den Not- und Hungerjahren hatte Kaiserslautern im Sommer 1951 endlich wieder Grund zur Freude. Kurz nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft konnte das 675. Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte durch König Rudolf von Habsburg gefeiert werden.

Bei der Begrüßung und Ehrung des Deutschen Meisters im Stadion Betzenberg bescheinigte Oberbürgermeister Alex Müller seinen „Betze-Buwe“, dass sie der Stadt zu ihrem Jubiläum kein schöneres Geschenk hätten machen können, als die Deutsche Meisterschaft zu erringen. Und er fügte hinzu, noch nie sei ein gekröntes Haupt oder ein Staatsmann so begeistert in Kaiserslautern empfangen worden, wie die Fußballspieler des FCK.

Fritz Walters großer Wunsch war glücklich in Erfüllung gegangen. Der Lauterer Kapitän und Nationalspieler stand kurz vor seinem 31. Geburtstag. War eine Steigerung des Erfolges für ihn und seine Kameraden möglich, überhaupt denkbar?

Hans Walter

Zwei FCK-Tore für die Ewigkeit – Bernhard Winkler feiert 55. Geburtstag

Am 24. Juni 2021 feiert Bernhard Winkler seinen 55. Geburtstag. Zu seinem Ehrentag blickt Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam auf die Zeit Winklers im Trikot der Roten Teufel zurück und erinnert sich dabei vor allem an zwei ganz besondere Treffer.

Während seiner drei Jahre am Betzenberg absolvierte Bernhard Winkler für den FCK zwischen 1990 und 1993 leider nur 18 Spiele in der Bundesliga und erzielte dabei vier Tore. Zwei dieser Treffer haben sich für immer ins kollektive FCK-Gedächtnis gebrannt. Am letzten Spieltag der Saison 1990/91 traf Bernhard Winkler gleich zweimal ins Tor, als die Roten Teufel im Köln-Müngersdorfer Stadion beim legendären 6:2-Sieg gegen den rheinischen „Effzeh“ den Deckel auf eine überragende Saison machten und sich den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte sichern konnten. Seinen Durchbruch schaffte er aber erst nach seinem Wechsel zum TSV 1860 München, für den er zwischen 1993 und 2002 insgesamt 219 Pflichtspiele absolvierte, davon immerhin 160 in der Bundesliga.

Seine fußballerischen Jugendjahre verbrachte der in Würzburg geborene Bernhard Winkler in seiner Heimatstadt. Zunächst beim SV Veitshöchheim, einem nördlich gelegenen Vorortverein. 1985 kam er mit 19 Jahren zum SV Heidingsfeld, ebenfalls in einem Stadtteil der unterfränkischen Residenzstadt. Hier lernte er übrigens den ehemaligen Bundesligaspieler Werner Lorant kennen, der zum damaligen Zeitpunkt Spielertrainer der ersten Mannschaft des SV Heidingsfeld war. Diese Funktion übte er ab 1986 auch beim 1. FC Schweinfurt 05 aus, wo er 1987 seine Spielerkarriere auch beendete. Werner Lorant war es dann, der den athletischen Angreifer 1989 zum damaligen Bayernligisten in die nordbayrische Hafenstadt am Main holte. In der folgenden Saison, in der Bernhard Winkler Torschützenkönig wurde, stiegen die Schweinfurter in die Zweite Liga auf. Genau wie sein Trainer hatte aber auch Bernhard Winkler schon vor Saisonende seinen Abschied aus Schweinfurt angekündigt.

Der damalige Mitkonkurrent im Aufstiegskampf, der TSV 1860 München, hatte sich zwar stark bemüht Bernhard Winkler zu einem Wechsel in die bayrische Landeshauptstadt zu bewegen, doch dieser entschied sich für ein Angebot aus der Pfalz. Er wechselte in die Bundesliga, zum 1. FC Kaiserslautern. Ein mutiger Schritt, der ihm auch zunächst viel Geduld und Trainingsfleiß abverlangte. Sein Debüt im Trikot der Roten Teufel und damit im Profifußball, gab Bernhard Winkler dann am 20. Spieltag. Beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 9. März 1991 wurde er in der 72. Minute für Uwe Scherr eingewechselt. Nur acht Minuten später erzielte er sein erstes Bundesligator zum 2:2 Endstand. Bis zum Saisonende wurde er acht weitere Mal eingewechselt. Erst am letzten Spieltag beim Auswärtsspiel in Köln stand er erstmals in der Startaufstellung. Nachdem Marco Haber schon in der 5. Spielminute die FCK-Führung markiert hatte, legte Bernhard Winkler neun Minuten später nach und baute den Lauterer Vorsprung aus. Nach dem Anschlusstreffer durch Frank Ordenewitz in der 32. Minute, war es dann Bernhard Winkler, der kurz vor dem Halbzeitpfiff mit seinem zweiten Tor des Tages den alten Vorsprung wieder herstellte. Tom Dooley (45.), Marco Haber (77.) und Markus Schupp (90.) legten noch drei Treffer nach, nachdem Frank Greiner zwischenzeitlich auf 2:4 verkürzt hatte. Der Rest ging als eine der überschwänglichsten Partys in die Geschichte des pfälzischen Traditionsclubs ein.

In der Saison 1991/92 trug Bernhard Winkler bis zur Winterpause in der Bundesliga nur sechsmal das Trikot der Roten Teufel. Hinzu kamen noch zwei Partien im Europapokal der Landesmeister. Daher wurde er bis zum Saisonende an den Ligakonkurrenten SG Wattenscheid 09 ausgeliehen. In der Hinrunde der Saison 1992/93 absolvierte er die letzten beiden FCK-Spiele in der Bundesliga sowie ein Spiel im UEFA-Pokal. Während der ersten Jahreshälfte 1993 spielte er auf Leihbasis beim Zweitligisten SC Fortuna Köln. Im Sommer 1993 nahm er dann ein Angebot des TSV 1860 München an, wo er wieder auf Werner Lorant traf, der die Münchner Löwen in der vorangegangenen Spielzeit zu-rück in die 2. Bundesliga geführt hatte. Gemeinsam mit Peter Pacult, der ebenfalls frisch nach München gekommen war, bildete er ein Sturmduo, das mit 34 Toren maßgeblich am erneuten Aufstieg und der damit verbundenen Rückkehr in die Bundesliga beteiligt war.

Bis 1999 schoss er in der Bundesliga in jeder Saison mindestens 10 Tore! Die meisten gelangen ihm in der Spielzeit 1996/97, als er 17 Treffer markieren konnte. Lange führte er in dieser Saison die Torjägerliste der Bundesliga an, doch in den letzten Spielen konnte er verletzungsbedingt seine Quote nicht mehr verbessern. In der Spielzeit 1999/2000 gelangen Bernhard Winkler nur noch drei Treffer und in der Hinrunde der nächsten Saison kam er mit einer Ausnahme im Dezember nur noch zu Kurzeinsätzen. In der Rückrunde absolvierte er sein einziges Spiel am letzten Spieltag. Nach drei weiteren Kurzeinsätzen im Herbst 2001 beendete er seine aktive Laufbahn. Seitdem läuft er regelmäßig für die Traditionsmannschaft des TSV 1860 auf, zeitweise hat er diese auch geleitet.

In den 219 Pflichtspielen, die er in neun Jahren für die Sechzger absolvierte, erzielte er immerhin 94 Tore. Neben 160 Bundesligaspielen kam er bei 13 Spielen im DFB-Pokal zum Einsatz, wo er 11 Tore erzielte, und neunmal in europäischen Vereinswettbewerben, in denen er dreimal traf. Mit 64 Treffern in der Bundesliga steht er bei den Löwen in der vereinsinternen Statistik auf Platz 2 hinter Rudi Brunnenmeier, der 66 Tore in 119 Spielen erzielte. Nach seiner aktiven Karriere war er von August bis Ende Oktober 2005 Trainer beim FC Ismaning. Im Juli 2009 kehrte er wieder zu den Münchner Löwen zurück, wo er neben Abder Ramdane zunächst Assistent von Trainer Ewald Lienen war. Zwischen dem 1. Juli 2010 und dem 31. August 2011 war er auch Cheftrainer der U23 von 1860 München. Am 24. Juni 2021 feiert Bernhard Winkler seinen 55. Geburtstag. Auch das Museumsteam des FCK gratuliert aufs Herzlichste.
mg

Ein großer Sportler und großartiger Mensch – zum 97. Geburtstag von Ottmar Walter

Nach seinen Brüdern Fritz und Ludwig war Ottmar Walter der Drittgeborene von insgesamt fünf Walter-Geschwistern. Niemand konnte damals ahnen, dass er und sein ältester Bruder Fritz zwei Jahrzehnte später mit dem Gewinn des ersten deutschen WM-Titels Fußballgeschichte schreiben und mit den Erfolgen des 1. FC Kaiserslautern auch das Fußballgeschehen in Deutschland maßgeblich prägen würden. Ottmar Walter, der am 6. März 1924 das Licht der Welt erblickte, wäre heute 97 Jahre alt geworden. Zu diesem besonderen Tag erinnern Matthias Gehring und Hans Walter vom FCK-Museumsteam an den Weltmeister von 1954.

Kaum dem Krabbelalter entronnen, nutzten viele Jungs in der damaligen Zeit oft jede freie Minute, um auf Bolzplätzen oder in den Gassen der Stadt einem ballähnlichen Gegenstand nachzujagen und auf Torejagd zu gehen. In jenen Jahren ein alltägliches Bild, war das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen jener Jahrzehnte mangels Angebotsalternativen und wirtschaftlich meist bescheidenen Familienverhältnissen doch sehr von kreativer Improvisationskunst abhängig. Gekickt wurde dabei mal mit einer Konservendose, mal mit einem selbst geschnürten Stoffbällchen oder einem schnöden Gummiball. Im Falle der drei Walter-Brüder Fritz, Ludwig und Ottmar vornehmlich in der Uhlandstraße (heute Heinrich-Heine-Straße), einer Nebenstraße der Bismarckstraße, an deren Ecke das Elternhaus mit Gaststätte stand, die Vater Ludwig und Mutter Dorothea als FCK-Vereinskneipe führten. Die in den Bordstein eingelassenen Kanaleinläufe dienten den Jungs als Torgehäuse, woraus sich der Terminus „Kanälches“ ableitete. Mit den intuitiv erworbenen Fertigkeiten, die den Typus des Straßenfußballers so unvergleichlich machen, ebneten sich die Jungs quasi unbewusst und autodidaktisch den Weg zu höheren Aufgaben.

Das Kicken „uff de Gass“ war für Ottmar und seine Brüder Freizeitvergnügen, Leidenschaft und Sport gleichermaßen. Doch für ihre Fußballbegeisterung reichte den Jungs das „Kanälcheskicken“ bald nicht mehr aus. Nach und nach traten sie im Alter von jeweils acht Jahren in die Schülermannschaft des 1. FC Kaiserslautern ein, wo ihnen die auf dem Kopfsteinpflaster erworbenen Fertigkeiten die Basis boten, zu ausgezeichneten Fußballern heranzureifen. Bereits mit 16 Jahren ließ Ottmar Walter die ehrgeizige Überzeugung durchblicken, dass er es so wie sein vier Jahre älterer Bruder Fritz eines Tages ebenfalls in die Nationalelf schaffen würde. Sein skeptischer Vater verkannte zunächst das Talent seines zweitgeborenen Sohnes und riet seinem Ottmar, es mit dem Fußball besser sein zu lassen. Doch Ottmar Walter, der als gelernter Autoschlosser zwischenzeitlich schon mit einer Karriere als Rennfahrer geliebäugelt hatte, setzte sich durch und gehörte ab der Spielzeit 1941/42 der Ligamannschaft des 1. FC Kaiserslautern in der Gauliga Westmark an. Natürlich bedeutete der 1939 ausgebrochene Zweite Weltkrieg auch für Ottmar und seine Familie eine schmerzliche Zäsur. Wie viele hervorragende Fußballer musste auch er seine Karriere unterbrechen.

Im Sommer 1942 musste auch Ottmar Walter zum Militär. Er meldete sich freiwillig zur Kriegsmarine und war im Verlauf des Krieges im niederländischen Breda und in Den Helder, in Kiel-Wik, in Cuxhaven und in Brest stationiert. Als sogenannter „Kriegsgastspieler“ spielte er bei Holstein Kiel und dem Cuxhavener SV. In der Endrunde der deutschen Meisterschaft 1943 belegte er mit den Kieler „Störchen“ durch einen 4:1-Sieg gegen Vienna Wien sogar den dritten Platz. Zwei Monate später, am 15. August 1943, verstärkte Ottmar Walter den Cuxhavener SV im Pokalspiel gegen den späteren Sieger LSV Hamburg und erzielte beim 1:3 den Gegentreffer.

Während der Invasion der Alliierten in der Normandie im Juni 1944, wurde das Minensuchboot, zu dessen Besatzung Ottmar Walter gehörte, im Ärmelkanal von einem amerikanischen Zerstörer beschossen und versenkt. Von den 135 Männern an Bord des Bootes überlebten nur zwölf – Ottmar war unter ihnen, erlitt jedoch durch mehrere Granatsplitter eine schwere Verletzung am Knie. Er wurde nach England in Gefangenschaft gebracht. Einem geschickten Chirurgen gelang es, die Splitter aus Ottmars Knie zu entfernen und somit das Bein zu retten. „Mit zehn Kilo an jedem Fuß wippte ich stun¬den¬lang unter unbe¬schreib¬li¬chen Schmerzen“, beschrieb Ottmar Walter einmal seine Bemühungen sein Bein wieder fit zu kriegen und sich damit die Perspektive aufs Fußballspielen zu bewahren. Es sollte ihm gelingen und Ottmar Walter konnte nach dem Krieg seine Karriere fortsetzen. Am 2. Oktober 1946 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte nach Kaiserslautern zurück. Dort hatte Fritz Walter, der zusammen mit Bruder Ludwig bereits ein Jahr zuvor durch eine glückliche Fügung einer längeren Kriegsgefangenschaft entronnen und in die Pfalz zurückgekehrt war, damit begonnen eine neue FCK-Mannschaft aufzubauen. So entstand langsam aber stetig die künftig so berühmte „Walter-Mannschaft“ als eine Mischung aus jungen Talenten und den nach und nach aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Spielern.

Für Ottmar brachen an der Seite von Fritz die glanzvollsten Jahre seines Fußballerlebens an. Der jüngste der Walter-Brüder avancierte zum erfolgreichsten Liga-Torschützen in der Geschichte des FCK, wobei er bis zum Ende seiner Karriere 321 Pflichtspiele für die Roten Teufel absolvierte, in denen er sagenhafte 336 Tore erzielte! 1948 stand er mit seinem 1. FC Kaiserslautern erstmals in einem deutschen Endspiel, 1951 und 1953 konnte jeweils die deutsche Meisterschaft nach Kaiserslautern geholt werden, 1948, 1954 und 1955 wurde er immerhin Vizemeister. Als 1950 eine deutsche Nationalmannschaft wieder internationale Begegnungen austragen durfte, zählte Ottmar zum Aufgebot der deutschen Elf für das erste Nachkriegsspiel! Was ihm angeblich auch ein ganzes Fass Bier eingebracht haben soll. Bruder Fritz soll gemeinsam mit Vater Ludwig Monate davor eine Wette eingegangen sein – ein Fass für Ottmar, falls der es jemals zum Aus¬wahl¬spieler bringen würde. „Das wird er im Leben nicht“, soll Fritz entgegnet haben. Doch am 22. November 1950 stand Ottmar Walter im Nationaltrikot auf dem Platz. Als Ersatz¬mann für seinen ver¬letzten Bruder Fritz.

Zusammen mit den FCK-Größen Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel feierten die beiden Walter-Brüder dann im Jahre 1954 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in der Schweiz den größten Triumph ihrer Laufbahn, als sie in Bern im Endspiel 3:2 gegen Ungarn gewann. Zum ersten deutschen WM-Triumph trug Ottmar Walter in fünf Spielen vier Tore bei! Auf dem Spielfeld gab Ottmar Walter nicht nur in Form von atemberaubenden Sprints Gas, sondern definierte die Rolle des Mittelstürmers völlig neu. Obwohl äußerst kopfballstark, suchte er nicht nur im Strafraum sein Glück, sondern eroberte sich die Bälle selbst über die Außen. Dadurch machte er das „Wunder von Bern“ erst möglich. Auch weil er im Finale den ungarischen Abwehrchef Gyula Lorant so sehr beschäftigte, dass Helmut Rahn die entscheidenden Freiräume erhielt. Der Rest ist Geschichte.

Ottmar Walter stand zwar stets im Schatten des älteren Bruders, doch er arrangierte sich mit der Rolle. Weil er seinen Bruder eben auch bewunderte und weil beide wussten, dass der „Megastar“ ohne den „Superstar“ kaum in dem Maße glänzen konnte. Begrifflichkeiten, die man im damaligen Fußball noch gar nicht kannte, mit denen sich die beiden bescheidenen Walter-Brüder aber auch nie identifiziert hätten, wenn solcherlei Wortspiele damals schon gebräuchlich gewesen wären. Ein Beispiel der Kongenialität der beiden Brüder – das legendäre Hackentor von Fritz gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt im Jahr 1956, zu dem letztlich Ottmar die entsprechende Flanke lieferte. Doch letzterer konnte in einem Spiel auch ganz alleine entscheidende Akzente setzen. Immerhin war es Ottmar Walter, der 1951 mit seinen beiden Toren zum 2:1 gegen Preußen Münster die erste Deutsche Meisterschaft für den FCK ermöglichte.

Nach mehreren Knie-Operationen beendete Ottmar Walter 1959 seine Karriere als Fußballspieler. In der Nachkriegszeit arbeitete er als Kurierfahrer für das Ernährungsamt. Ab 1953 betrieb er in Kaiserslautern eine Tankstelle, die er 1970 nach Vertragsende und juristischen Streitigkeiten aufgeben musste. Es folgten ein Autounfall und verschiedene gesundheitliche Probleme. In deren Folge bot ihm die Stadtverwaltung Kaiserslautern eine Anstellung an, die er bis zu seiner Pensionierung 1984 ausfüllte. Unter anderem in Folge seiner Kriegsverletzung, sollte ihn später eine unbarmherzige Reihe von Operationen einholen, die ihm künstliche Knie- und Hüftgelenke einbrachte. „Ich habe zwar vier Prothesen. Aber organisch bin ich kerngesund und bis auf eine Blinddarmoperation habe ich auch nie etwas gehabt!“, soll er sich im Alter von 77 Jahren einmal zu seinem physischen Zustand geäußert haben. Nach dem Tod von Bruder Fritz wurde Ottmar unter anderem für den DFB vermehrt auch in Repräsentationsaufgaben eingebunden. Darunter diverse Festakte zum Gewinn der WM 1954, Öffentlichkeitsarbeit für den Wortmann-Film „Das Wunder von Bern“, die WM-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz oder Veranstaltungen im Lauterer Kulturzentrum Kammgarn. Zu seinem 80. Geburtstag wurde der Eingang zur Nordtribüne in „Ottmar-Walter-Tor“ umbenannt. Außerdem wurden ihm das Große Bundesverdienstkreuz und vom DFB der Ehrenschild verliehen.

Auf dem Betzenberg bleibt Ottmar Walter unvergessen, nicht nur ob seiner sportlichen Leistungen. Es bleibt auch die Erinnerung an einen großartigen Menschen, der wichtige Werte wie Bodenständigkeit, Vereinstreue und Glaubwürdigkeit vertreten hat. Im vergangenen Jahr wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden, woran wir in vielfältiger Art erinnert hatten. Aufgrund der Corona-Pandemie leider viel bescheidener als ursprünglich geplant. In drei Jahren steht der 100. Geburtstag von Ottmar Walter an. Auch auf dieses Jubiläum arbeiten wir schon jetzt hin und wir werden auch an diesen runden Geburtstag eines großen Sportlers und großartigen Menschen gebührend erinnern. Versprochen, Ottes!

Eine FCK-Größe in der Zeit des Umbruchs – Zum 85. Geburtstag des einstigen Flügelstürmers Willy Reitgaßl

Die Zeit von 1959 bis 1962 war beim 1. FC Kaiserslautern von einem großen Umbruch begleitet. Nach und nach beendeten die Meisterspieler ihre Karrieren; Werner Kohlmeyer hatte den Verein als Erster verlassen, Fritz und Ottmar Walter nahmen 1959 Abschied von der Fußballbühne, Horst Eckel wechselte 1960 nach Völklingen und Werner Liebrich hatte für 1962 den Abschluss seiner Laufbahn angekündigt. Auch Erwin Scheffler und Willi Wenzel gehörten nach 1960 beziehungsweise 1961 nicht mehr zur Ersten Mannschaft. Bei der Suche nach geeigneten Verstärkungen kam so 1962 Willy Reitgaßl vom Karlsruher SC zum Betzenberg. Der im Schaltjahr 1936 am 29. Februar geborene Offensivakteur auf der rechten Außenbahn wäre heute 85 Jahre alt geworden.

Aus der großen Waltermannschaft waren lediglich Werner Mangold, Heini Bauer und Gerhard Miksa übrig geblieben sowie Werner Liebrich, der bis zur Sommerpause 1962 das Trikot der Roten Teufel getragen hatte. Trainer Richard Schneider ermöglichte in dieser Zeit des Umbruchs vielen Talenten die Chance, sich für einen Platz in der Mannschaft des 1. FCK zu qualifizieren. Bei einigen dieser Spieler blieb es jedoch bei wenigen Versuchen. Zum Glück konnte Richard Schneider auf junge Nachwuchsspieler des FCK zurückgreifen. Hierzu zählten Jürgen Neumann, Winfried Richter, Gerd Schneider, Dieter Pulter, Manfred Feldmüller sowie der junge Torhüter Wolfgang Schnarr. Als wertvolle Spieler erwiesen sich damals auch Gerhard Settelmeyer und Günter Kasperski.

Inzwischen galt der Beschluss des DFB, in der Spielzeit 1963/64 eine Bundesliga mit 16 Vereinen einzuführen. Nach den Bestimmungen des DFB musste der 1. FCK die Saison 1962/63 als Südwestmeister abschließen, um überhaupt eine Chance zu haben, in die oberste deutsche Spielklasse aufgenommen zu werden. Eifrigste Mitbewerber um die Meisterschaft in der Oberliga Südwest waren der FK Pirmasens und Borussia Neunkirchen. Vor dieser für die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern so eminent wichtigen Spielzeit verließ Meistertrainer Richard Schneider den Betzenberg. Sein Nachfolger Günther Brocker stand nun vor der großen Aufgabe, eine schlagkräftige Mannschaft für die Qualifikation zur Bundesliga zu formen. Die vorhandenen Spieler mussten durch einige erfahrene Kräfte verstärkt werden. Die Namen der damals neu verpflichteten Spieler ließen aufhorchen. Vor allem die beiden Stürmer Willy Reitgaßl und Erich Meier nährten sogleich die Hoffnung auf das Erreichen des großen Zieles. Der aus Gelsenkirchen gekommene Willi Kostrewa sollte indes den großen Werner Liebrich auf der Position des Mittelläufers ersetzen, ferner schlossen sich Hermann Diehl aus Mannheim und Roland „Mäxchen“ Kiefaber aus Otterbach dem 1. FCK an.

In der Tat erfüllten Willy Reitgaßl und Erich Meier („Flutlicht-Meier“) die in sie gesetzten Hoffnungen voll und ganz. Willy Reitgaßl, 1936 im bayerischen Landshut geboren, schnürte bei der SpVgg Landshut erstmals die Fußballschuhe. 1955 wurde er als Neunzehnjähriger vom VfB Coburg verpflichtet und spielte drei Jahre lang in der Bayernliga. Die Leistungen und Torerfolge des jungen, dynamischen Flügelstürmers ließen den Karlsruher SC auf ihn aufmerksam werden, der ihn 1958 unter Vertrag nahm. Bis zum Sommer 1962 bestritt Willy Reitgaßl für den KSC 95 Punktspiele in der Oberliga Süd, in denen er 33 Tore erzielte. 1960 erreichte er mit seiner Mannschaft das Endspiel um den DFB-Pokal, wo sich die Badener jedoch mit 2:3 der Borussia aus Mönchengladbach geschlagen geben mussten. In dieser Zeit absolvierte er auch je ein Länderspiel für die deutsche Amateur-Nationalmannschaft, für die B- und die A-Nationalmannschaft. In seinem Länderspiel gegen Island erzielte Willy Reitgaßl zwar ein Tor, doch er entsprach nicht dem Spielertypus, den Sepp Herberger damals gesucht hatte.

1962 suchte Willy Reitgaßl eine neue Herausforderung und ließ sich vom FCK verpflichten. Für den FCK war sein Engagement auf dem Betzenberg ohne Zweifel ein Glücksfall. Der ursprüngliche Außenstürmer zeigte seine Befähigung zum Spielmacher und wurde fortan auf der halbrechten Position eingesetzt. So konnte er aus dem offensiven Mittelfeld Regie führen und die schnellen Stürmer Winfried Richter und Erich Meier mit Vorlagen füttern. Bei den meisten seiner Auftritte trug er die Rückennummer 8, die Nummer seines großen Vorgängers auf dieser Position – die Rückennummer von Fritz Walter!

Willy Reitgaßl suchte stets selbst den Torerfolg, stieß immer wieder mit kraftvollen Sprints in den gegnerischen Strafraum vor und erzielte in der Saison 1962/63 bei 28 Oberligaeinsätzen 16 Tore. Reitgaßls dynamische Spielweise wurde von den Fans honoriert und innerhalb kurzer Zeit avancierte er zum Publikumsliebling. Nach seinem überragenden Auftritt in dem für den Gewinn der Südwestmeisterschaft vorentscheidenden Spiel gegen den Rivalen FK Pirmasens (5:2) wurde der zweifache Torschütze und Mittelfeldstratege von begeisterten Anhängern auf Schultern vom Platz getragen. Am Gewinn der Südwestmeisterschaft des 1. FCK mit dem sensationellen Torverhältnis von 110:34 und der Aufnahme des 1. FCK in die Bundesliga hatte Willy Reitgaßl hohen Anteil.

Neben seiner fußballerischen Aktivität war der Offensivspieler seinerzeit auch als Autoverkäufer in einer Ford-Niederlassung unweit des Fackelrondells tätig. Um Willy Reitgaßl weiter an den FCK binden zu können, erwirkte man beim DFB die Erlaubnis, die vorgesehene monatliche Einkommensgrenze in der Bundesliga für ihn von 1.200 D-Mark auf 1.500 D-Mark erhöhen zu dürfen.

Trotz mancher Zweifel konnte der 1. FCK die Klasse halten. 1963 erhielt Willy Reitgaßl in dem gewitzten niederländischen Nationalspieler Co Prins auf der halblinken Position einen kongenialen Partner im offensiven Mittelfeld. Bis Ende 1967 war Willy Reitgaßl auch in der Bundesliga mit starken Leistungen und zahlreichen Toren einer der Garanten für FCK-Erfolge. 129 Punktspiele in der Bundesliga und 32 Tore standen auf seinem Konto; inzwischen führte er als Mannschaftskapitän sein Team auf das Spielfeld. 1966 eröffnete der 1. FCK die Saison mit einem Spiel gegen West Ham United, das nur fünf Wochen nach dem dramatischen Finalspiel in Wembley mit drei frisch gebackenen Weltmeisterspielern auf dem Betzenberg gastierte. Die Engländer gewannen mit 2:1, wobei Willy Reitgaßl das Pech hatte, dass ein von ihm geschossener Foulelfmeter über die Querlatte zur Westkurve flog. Am 34. Spieltag der Saison am 3. Juni 1967 erzielte er das goldene Tor zu einem knappen 1:0-Sieg gegen Hannover 96, der dem 1. FCK den fünften Platz in der Abschlusstabelle sicherte. Es sollte sein letztes Tor für den FCK sein. In der Spielzeit 1967/68 kam Willy Reitgaßl nur noch zu drei Einsätzen. Am 2. Dezember 1967 wurde er im Spiel gegen Borussia Dortmund (2:2) zum letzten Mal eingewechselt. Von gesundheitlichen und privaten Problemen war damals die Rede. Während seiner Zeit am Betzenberg hatte er es auf insgesamt 195 Pflichtspiele für den FCK gebracht, in denen er insgesamt 56 Tore erzielte.

1968 verließ der sympathische Bayer die Pfalz und schloss sich dem niederländischen Verein Sittardia Sittard an, der sich noch im gleichen Jahr mit Fortuna 54 aus der Nachbarstadt Geleen zu Fortuna Sittard zusammenschloss. Bei den Niederländern in der Provinz Limburg nahe der deutschen Grenze kam Willy Reitgaßl nur noch zu zehn Pflichtspieleinsätzen. Er kehrte nach Deutschland zurück und beendete seine Laufbahn in Kirchenbollenbach, einem Ortsteil von Idar-Oberstein. Lange hörte man in Kaiserslautern nichts mehr von dem einstigen Publikumsliebling. Die Nachricht von seinem viel zu frühen Tod mit 52 Jahren am 23. August 1988 löste Trauer und Betroffenheit rund um den Betzenberg aus.

Am 29. Februar 2021 wäre Willy Reitgaßl 85 Jahre alt geworden. In einer wichtigen Phase der FCK-Geschichte hat er mit überragenden Leistungen seinem Verein zu bedeutenden Erfolgen verholfen. Mit Dankbarkeit und Respekt gedenkt der 1. FCK seinem einstigen Spielmacher und Mannschaftskapitän.

Ein Rückblick auf ein bewegtes Leben – Zum 100. Geburtstag von Fritz Walter

Am 31. Oktober 2020 wäre Fritz Walter einhundert Jahre alt geworden. Nur wenigen Sportlerpersönlichkeiten war es vergönnt, so lange nach ihrem Tod derart nachhaltig im kollektiven Gedächtnis zu bleiben, wie dem Kapitän der deutschen Fußball-Weltmeistermannschaft von 1954. Deshalb blicken Matthias Gehring und Hans Walter vom FCK-Museumsteam auf das eindrucksvolle Leben und die sportliche Karriere des größten deutschen Fußballers aller Zeiten zurück.

Seit mehr als einem Jahr hat auch das Team des FCK-Museums zielstrebig auf diesen Tag hingearbeitet. Insbesondere die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins des FCK-Museums, der „Initiative Leidenschaft FCK – Fritz Walter Museum Kaiserslautern e.V.“, haben dabei bis heute weit über 1.000 ehrenamtliche Stunden investiert. Bereits Ende 2019 konnte mit der Herausgabe eines Fritz-Walter-Kalenders ein erster Lichtpunkt zum bevorstehenden Fritz-Walter-Jubiläumsjahr gesetzt werden. Die über einen Zeitraum von 100 Tagen laufende Publikation „100 Tage Fritz Walter“ fand gestern mit dem letzten veröffentlichten Bericht ihren Schlusspunkt. Mit dem 31. Oktober wurden auch die Vorbereitungen und Arbeiten zur Sonderausstellung „Das Wunder von Kaiserslautern. Fritz Walter zum 100. Geburtstag“ abgeschlossen. Eine Ausstellung im FCK-Museum, deren Teil I bereist seit dem 4. Oktober 2020 im Stadtmuseum Kaiserslautern (Theodor-Zink-Museum | Wadgasserhof) zu sehen ist und die nun aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage erst einmal nicht der Öffentlichkeit zugänglich ge-macht werden kann. Auch der Fotowettbewerb „100 Bilder Fritz Walter“, der ursprünglich bis zum 31. Oktober 2020 laufen sollte, wird aus ähnlichen Gründen bis Jahresende verlängert.

Da wir wegen der Corona-Pandemie aktuell noch immer und ab Montag verstärkt viele Einschränkungen hinnehmen müssen, können wir diesen besonderen Tag leider nicht so begehen, wie wir es uns alle gewünscht hätten. Ein Grund mehr einmal ausführlich auf das Leben Fritz Walters zurückzublicken und die Etappen seiner Vita von den Kindertagen bis zu seinem Tode nachzuzeichnen.

Die außerordentliche Beliebtheit und die Hochachtung, die Fritz Walter über seinen Tod im Jahre 2002 hinaus zuteilwird, liegt nicht nur in seinen großartigen sportlichen Erfolgen begründet, sie ist in besonderem Maße dem Menschen geschuldet, der bis heute nichts von seiner Ausstrahlung verloren hat und dessen Werte, die ihn ein Leben lang geleitet haben, auch in unserer Gegenwart Gültigkeit besitzen. Fritz Walters Leben gleicht einem ereignisreichen, spannenden Roman, der die letzten acht Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts auf eindringliche Weise wiederspiegelt. Die Kindheit und Jugend waren gekennzeichnet von den wirtschaftlichen Nöten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit entfalteten sich jedoch beim Straßenfußball, beim „Kanälchersspielen“, das überragende Talent und die Liebe des kleinen Fritz zum Fußballsport. Als Mitspieler fungierten seine jüngeren Brüder Ludwig und Ottmar sowie einige Buben aus dem Umfeld der Uhlandstraße.

Vater Walter meldete seinen ältesten Sprössling schließlich beim FV Kaiserslautern an, der 1931 in „1. FC Kaiserslautern“ umbenannt wurde. Den Vereinsverantwortlichen wurde bald bewusst, welch ein Kleinod mit Fritz in der Schülermannschaft kickte. 1934, ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, nahm die Presse erstmals Notiz von Fritz, der so geschickt und elegant mit dem Ball um-zugehen verstand. Etwa in jener Zeit trat Fritz Walter eine Ausbildungsstelle bei einer Bankagentur in Kaiserslautern na, die er mit einem Notendurchschnitt von 1,0 abschloss. Anschließend bekam er eine Anstellung bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern, wo er bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht arbeitete. Kaum 18 Jahre alt, wurde er in der ersten Mannschaft des 1. FCK eingesetzt und bald ereilten ihn Berufungen in Auswahlmannschaften des Südwestens. Fritz Walters Torjägerqualitäten und seine Spielintelligenz führten zu einer Empfehlung des für den Fußball-Südwesten zuständigen Obmannes Karl Hohmann an Reichstrainer Sepp Herberger. Prompt erfolgte die Einladung zu einem Lehrgang mit der Nationalmannschaft – und am 14. Juli 1940 konnte Fritz Walter in Frankfurt zu seinem ersten Länderspiel auflaufen und sich gleich mit drei Treffern in die Torjägerliste eintragen. Auf Anhieb war er Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft geworden.

Inzwischen hatte der Zweite Weltkrieg Europa erschüttert – und auch der junge Nationalspieler Fritz Walter wurde zur Wehrmacht eingezogen. Er konnte zwar weiterhin für seinen FCK spielen, wurde aber schließlich nach Lothringen abkommandiert, wo er einige Zeit für Diedenhofen (Thionville) zum Einsatz kam. Einige Begegnungen bestritt er überdies mit der „Pariser Soldatenelf“. Im Herbst 1942 hatte sich die Kriegssituation derart verschärft, dass die Länderspiele eingestellt werden mussten. Gegen die Slowakei absolvierte Fritz sein 24. und vorerst letztes Länderspiel für Deutschland – und er konnte damals nicht ahnen, dass es neun endlos lange Jahre dauern würde, bis er zu seinem 25. Spiel mit der Nationalmannschaft auflaufen konnte.

Der Krieg war Fritz Walter zuwider. Seine Versetzung 1943 nach Italien, auf die Insel Sardinien, brachte ihm eine Infektion mit der tückischen Krankheit Malaria; fortan machte ihm heißes Klima immer zu schaffen. Was Fritz Walter damals nicht wusste, war die Tatsache, dass hinter den Kulissen zwei „Schutzengel“ in Gestalt des Reichstrainers Herberger und des erfolgreichen Jagdfliegers und Geschwaderkommodore Hermann Graf die Versetzung des Infanteristen Walter zur Luftwaffe und zur Einheit Grafs nach Ostfriesland betrieben und durchgesetzt haben. Fritz konnte nach Deutschland zurückkehren und alsbald in der von Hermann Graf aufgestellten Soldatenmannschaft auch wieder Fußball spielen. Für Fritz Walter schien es wie ein Wunder, dass er in Zeiten des „Totalen Krieges“ mit den „Roten Jägern“ an vielen Orten wieder dem Fußball nachjagen durfte.

Kurz vor Ende des Krieges ergab sich die Einheit von Oberst Graf den Amerikanern, zum Entsetzen von Fritz und seinen Kameraden wurden sie jedoch der Sowjetarmee ausgeliefert. Über das Lager Budweis gelangte Fritz in ein Gefangenenlager auf rumänischem Boden, Marmaros Sziget, wo er, völlig deprimiert, einen erneuen Ausbruch der Malaria-Erkrankung erdulden musste. Wieder waren es schier wunderbare Fügungen, die ihn im Lager mit seinem Bruder Ludwig zusammenführten und ihm durch den Fußball einen besonderen Status verschafften. Er durfte mit der Wachmannschaft des Lagers Fußball spielen und schließlich blieb ihm und Bruder Ludwig der Abtransport ins Innere Russlands oder nach Sibirien erspart. Mit den ebenfalls im Lager befindlichen Franzosen und Luxemburgern wurden sie mit dem Einverständnis des fußballbegeisterten Lagerkommandanten einem Westtransport zugeordnet. Nach Westen, das bedeutete in die Heimat, nach Kaiserslautern!

Kurz nach seiner Rückkehr im Oktober 1945 begann Fritz Walter bereits mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft beim 1. FC Kaiserslautern. Fritz leitete persönlich das Training und wirkte überdies als Geschäftsführer seines Vereins. Die wichtigste und schwierigste Herausforderung in den bitterarmen Nachkriegsjahren war das Beschaffen von Nahrungsmitteln und Ausrüstungsgegenständen, um überhaupt Fußball spielen zu können. Legendär wurden die Spiele des 1. FCK gegen Mannschaften aus dem ländlichen Umfeld der Stadt Kaiserslautern, die man „Kalorien-“ oder „Grumbeerspiele“ nannte. Doch in dieser Zeit wuchs eine Mannschaft heran, die bald zu den besten in Deutschland zählen sollte, die sich durch Kameradschaftsgeist und inneren Zusammenhalt sowie durch Spielfreude auszeichnende Walter -Mannschaft.

Unter Fritz Walters Führung und ab dem Spätsommer 1946 durch den aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrten Bruder Ottmar Walter verstärkt, stellten sich in den nachfolgenden „goldenen Jahren“ für den 1. FCK jene Erfolge ein, die ihn zu den besten Vereinen Deutschlands werden ließen: Meisterschaften in der Französischen Besatzungszone, Südwestmeisterschaften, 1951 und 1953 Deutsche Meisterschaften, 1948, 1954 und 1955 Vizemeisterschaften – und vor allem die Berufung von fünf Spielern des 1. FCK in die Nationalmannschaft (Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel) für das Weltmeisterschaftsturnier in der Schweiz 1954.

Für Fritz Walter war der sensationelle Gewinn des Endspiels gegen die „Wundermannschaft“ aus Ungarn, das „Wunder von Bern“, der strahlende Höhepunkt ihrer Laufbahn als Fußballspieler. Es folgte 1958 ein weiterer Einsatz bei der Weltmeisterschaft in Schweden, bei der aber eine schwere Verletzung im Halbfinale das Ende seiner internationalen Karriere bedeutete. Ein Jahr später zog sich Fritz Walter auch vom Spielbetrieb beim FCK zurück. Er wurde Repräsentant mehrerer Firmen und betrieb in Kaiserslautern zunächst einen Waschsalon und schließlich ein großes Kino, das „Universum“. Als Berater des Dorfvereins SV Alsenborn geriet Fritz in den Sechzigerjahren beim „Wunder von Alsenborn“ noch einmal in die Schlagzeilen. Soziales Engagement bewies Fritz Walter mit seinem jahrelangen Einsatz für die Sepp-Herberger-Stiftung und mit seinem unermüdlichen Engagement für den Fußballernachwuchs, der ihm sehr am Herzen lag. Am 17. Juni 2002 ist Fritz Walter in seinem Haus in Alsenborn verstorben, ein halbes Jahr nach dem Tod seiner geliebten Frau Italia, mit der er 53 Jahre lang eine glückliche Ehe geführt hatte.

Überdauert haben nach dem Tod von Fritz Walter die Werte, für die er ein Leben lang eingetreten ist: Heimatverbundenheit und Vereinstreue – nie hat er für einen anderen Verein als den FCK spielen wollen, auch nicht für unfassbar viel Geld, „dehääm is dehääm“ pflegte er zu sagen; Kameradschaftlichkeit, Fairness, Anstand, Respekt und Toleranz waren für ihn selbstverständlich — und vor allem zeichneten ihn eine sympathische Bescheidenheit und Natürlichkeit aus, die seine Grundtugenden darstellten. Fritz Walter wurde mit zahlreichen Ehrungen bedacht; er ist der einzige Ehrenbürger des Landes Rheinland-Pfalz, Ehrenbürger der Stadt Kaiserslautern, Ehrenspielführer des DFB und des FCK; eine Straße, eine Schule, ein Eisenbahnzug, das Stadion in Kaiserslautern und ein bestimmtes Wetter tragen seinen Namen.

Das ihm gewidmete Museum des 1. FC Kaiserslautern sieht es als seine vornehmste Aufgabe an, die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Fußballspieler und Menschen wach zu halten und seine kostbaren Ideale und Werte auch zukünftigen Generationen zu vermitteln und zu verdeutlichen.

Fußballmuseen im digitalen Zeitalter – Netzwerk launcht gemeinsame Homepage

Die rund 40 Fußballmuseen und Vereinsarchive der deutschen Fußballclubs sind wahre Schatzkammern der Fußball- und Zeitgeschichte – und ab dem 2. April auch online unter www.fussballmuseen.de erreichbar.

Bereits seit 2013 bündelt und lanciert das Netzwerk der deutschen Fußballmuseen und Vereinsarchive die Kompetenzen des Sammelns, Ausstellens, Bewahrens und Vermittelns und fördert den kooperativen Austausch zwischen den Museums- und ArchivmitarbeiterInnen in gemeinsamen Netzwerktreffen sowie mit externen ExpertInnen.

Als zentrale Informationsplattform gibt www.fussballmuseen.de zukünftig Auskunft über Aktuelles aus den Dauer- und Sonderausstellungen der Museen und über die Arbeit der Vereinsarchive. Die Webseite ermöglicht direkten Kontakt zu AnsprechpartnerInnen innerhalb der Vereine und informiert über Termine und Aktionen im eigenen Newsfeed. Ganz im Sinne des gemeinsamen Auftretens firmieren die im Netzwerk organisierten Vereine zukünftig außerdem unter einem eigenen Logo.

„Wir möchten die wertvolle Arbeit, die tagtäglich innerhalb der Museen und Archive geleistet wird, auch im digitalen Raum sichtbar machen. Als moderne Institutionen schauen wir ja nicht nur in die Fußballvergangenheit, sondern schaffen mit unseren Sonderausstellungen und gesellschaftlichen Engagements einen wichtigen Austausch auf Fan- und Vereinsebene“, so Dr. Henry Wahlig vom Deutschen Fußballmuseum in Dortmund und Mitglied des Sprecherkreises der Fußallmuseen und -archive. „Der Traditionspflege der Vereine auch eine digitale Heimat und damit verstärkte Öffentlichkeit zu bieten, das unterstützen wir gerne“, so Digitalexperte Clemens Gatzmaga vom Ausstellungsbüro MACHEN.

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Die Website www.fussballmuseen.de ist ein Projekt des Netzwerks der deutschen Fußballmuseen und Vereinsarchive, realisiert von MACHEN, dem Ausstellungsbüro im digitalen Zeitalter. Maßgeblich gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Förderprogramms PFiFF, einer Initiative der DFL Deutsche Fußball Liga.

Der „Löwe von Wembley“ – ein bodenständiger Ausnahmefußballer

Heute vor 25 Jahren verstarb Weltmeister Werner Liebrich. Matthias Gehring und Hans Walter vom FCK-Museumsteam gedenken dem ehemaligen FCK-Spieler.

Wer in Kaiserslautern vom Elf-Freunde-Kreisel Richtung Innenstadt schlendert, kommt in der Eisenbahnstraße an einem vierstöckigen Gebäude vorbei, das über die gesamte Breite des Hauses in schwungvoller Schreibschrift den Schriftzug „Werner Liebrich“ trägt. Das Haus hatte der gleichnamige langjährige Mittelläufer des 1. FC Kaiserslautern 1956/57 bauen lassen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit mehr als 10 Jahren fester Bestandteil der ersten Mannschaft des FCK und war bereits zweifacher Deutscher Meister. Außerdem war Werner Liebrich zusammen mit seinen Lauterer Kollegen Fritz und Ottmar Walter, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel Fundament und Garant dafür, dass Deutschland 1954 bei der Fußball-WM in der Schweiz zum ersten Mal Weltmeister wurde. 24 Jahre lang stand er in Diensten des FCK, ehe er 1962 die Fußballschuhe als aktiver Spieler an den Nagel hängte. Heute vor 25 Jahren starb er an den Folgen einer Infektion im Alter von erst 68 Jahren.

Im Erdgeschoß in der Eisenbahnstraße 48 betrieb „de Rod“ („der Rote“), wie ihn viele ob seiner rotblonden Haartracht nannten, ab 1957 zusammen mit Ehefrau Anne-Marie eine Toto-Lotto-Annahmestelle. Auf den ersten Blick ein eher bescheidenes berufliches Standbein für jemanden, der bis 1956 immerhin verbeamteter Postbeamter war. Vor allem aber für jemand, der im Fußball fast alles erreicht hatte, was man erreichen kann. Aber Werner Liebrich war nun mal zeitlebens ein bodenständiger und bescheidener Mensch. Ein lebenslustiger „Kumpel-Typ“, dem man einen scharfsinnigen, fast sarkastischen, oder wie man in der Pfalz sagen würde, „en forzdruggene“ Humor attestierte. Auch wurde ihm immer wieder ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn zugeschrieben, womit er im Laufe seiner Nationalmannschaftskarriere selbst Bundestrainer Sepp Herberger gelegentlich zur Weißglut treiben konnte. Ein Mensch, der wie die anderen vier Lauterer WM-Helden abseits des grünen Rasens so ganz anders war, als viele der erfolgreichen Fußballer in heutigen Tagen. Ganz anders agierte Werner Liebrich jedoch auf dem Spielfeld, wo er mitunter als Heißsporn ein unbändiges Kämpferherz offenbarte.

Werner Liebrich wurde am 18. Januar 1927 in Kaiserslautern geboren und wuchs mit seinem etwas mehr als drei Jahre älteren Bruder Ernst im Lauterer Arbeiterviertel „Kotten“ auf. Die dortigen Bewohner waren meist in der benachbarten Kammgarnspinnerei oder in der Nähmaschinenfabrik Pfaff beschäftigt oder lebten als Handwerker, so wie Familienvater Ernst-Karl, der als Stuckateur der Familie ein Auskommen sicherte. Doch als die Nationalsozialisten das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte aufschlugen, wurde dem Vater seine Nähe zur KPD zum Verhängnis. Er wurde denunziert und wegen „feindseliger Propaganda“ für die Kommunisten im Oktober 1933 zu insgesamt 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Für die beiden Jungen war die Inhaftierung des Vaters ein traumatisches Erlebnis. Nach der Verhaftung des Vaters lebten die beiden Söhne mit ihrer Mutter in größter Armut und waren auf die Hilfe von Verwandten und Bekannten angewiesen. Noch schlimmer war, dass sie wie „Geächtete“ behandelt wurden. Markwart Herzog hält in seinem Buchtitel „Der ‚Betze‘ unterm Hakenkreuz. Der 1. FC Kaiserslautern in der Zeit des Nationalsozialismus“ fest, dass die Liebrichs die einzige FCK-Familie seien, in der sich mit Vater Ernst-Karl Liebrich ein Clubmitglied nachweislich dem politischen Widerstand gegen die NS-Diktatur zurechnen lasse. Doch Mutter Erna war nach Kräften bemüht ihre Buben vor der Ächtung als Söhne eines „politisch Unzuverlässigen“ zu bewahren. Unter anderem nähte sie ihnen Sportsachen und sorgte dafür, dass sie im Verein Fußball spielen konnten. So kamen beide 1938 zum 1. FC Kaiserslautern.

Ernst und Werner überstanden die Kriegszeit unverletzt. Beiden gelang der Sprung in die erste Mannschaft des FCK. Ernst schon 1941, Werner 1944 in der Gauliga Westmark. Sie reiften beide nacheinander zu wertvollen Spielern für den FCK heran und gehörten nach 1945 zu den Stützen der jungen Walter-Mannschaft. Bruder Ernst Liebrich trug dort sehr früh schon den Spitznamen „Fahrer“, den er wohl Fritz Walter verdankte, der ihn mit dem Zuruf „fahr emol dezwische“ motiviert haben soll. Bruder Werner Liebrich wurde später der „kleine Fahrer“ genannt. Die noch junge Walter-Mannschaft schaffte es in der Spielzeit 1947/48 das erste Nachkriegsendspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu erreichen. Der FCK unterlag im Finale im Müngersdorfer Stadion in Köln mit 1:2. Im Jahr danach, 1948/49, gewann Werner Liebrich in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft mit dem FCK das Spiel um Platz 3. Auf dem Oberwerth in Koblenz gewann der FCK mit 2:1 nach Verlängerung gegen Kickers Offenbach. In der Endrunde 1949/50 scheiterten Werner Liebrich und seine Kollegen in der Zwischenrunde am späteren Deutschen Meister VfB Stuttgart. Aber nur ein Jahr später kehrten die Liebrich-Brüder als Deutsche Meister aus Berlin in die Pfalz zurück. Schon 1953, also nur zwei weitere Jahre später, holten sie im Finale an gleicher Stelle den zweiten Meistertitel für den 1. FC Kaiserslautern.

Jeder Amateur- und Profikicker heutiger Tage müsste beim Durchblättern der fußballerischen Vita von Werner Liebrich leuchtende Augen bekommen. In seiner Karriere absolvierte der zweikampfstarke Mittelläufer zwischen 1945 und 1962 sagenhafte 355 Ligaspiele, in denen er 28 Tore erzielte. Allesamt für den 1. FC Kaiserslautern, dem er 24 Jahre lang die Treue hielt. Viele seiner Treffer verdankte er seinem wuchtigen Kopfballspiel. In der Liste seiner FCK-Spiele sind übrigens unzählige weitere Spiele gar nicht mitgerechnet, wie beispielsweise die vielen „Grumbeerspiele“ in den ersten Nachkriegsjahren, als der FCK gegen Vereine auf dem Land antrat und dafür begehrte Naturalien wie Kartoffeln, Kraut, Tabak und Kohle mit nach Hause nahm. In der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Südwest feierte Werner Liebrich mit Kaiserslautern zwischen 1948 und 1957 neun Meisterschaften, lediglich 1952 unterbrochen durch den 1. FC Saarbrücken. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte er zwischen 1951 und 1956 immerhin 16 Spiele. Sepp Herberger, der 1950 zum Bundestrainer ernannt wurde, war früh auf den robusten Lauterer aufmerksam geworden. 1951 berief er ihn erstmals in die deutsche Nationalmannschaft. Herausragend natürlich die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1954, die für die DFB-Auswahl beim „Wunder von Bern“ mit dem Titelgewinn endete, als am 4. Juli im Finale die legendäre Wunder-Elf aus Ungarn sensationell mit 3:2 besiegt wurde.

Eine ähnlich überragende Leistung wie in der Schweiz lieferte Werner Liebrich am 1. Dezember 1954 im London Wembley-Stadion ab. Vor 100.000 Zuschauern verlor die DFB-Auswahl zwar mit 1:3 gegen England, doch Werner Liebrich stoppte nicht nur auf Seiten des Gastgebers Mittelstürmer Ronnie Allen, sondern half mehrfach dem auf der linken Verteidiger-Position gegen Stanley Matthews überforderten Werner Kohlmeyer aus. Bundestrainer Herberger würdigte seine Leistung anschließend mit den Worten, „Werner, der Wimpel der Engländer gehört ihnen“. Die Presse verlieh ihm danach den Beinamen „der Löwe von Wembley“! Sein 16. Länderspiel am 21. November 1956 in Frankfurt gegen die Schweiz, wurde zu seinem letzten Auftritt in der Nationalmannschaft. Die Eidgenossen gewannen mit 3:1! Als der amtierende Weltmeister 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden antrat, gehörte der WM-Stopper von 1954 bereits nicht mehr zum Kader.

Die Stärken des Abwehrdirigenten vom Betzenberg waren seine Disziplin, seine besonnene und überragende Spielinterpretation, Pässe in den freien Raum und eben seine wuchtigen Kopfbälle. Wenn den Roten Teufeln eine Niederlage drohte, war es häufig Werner Liebrich, der mit seinen energischen Vorstößen das Signal zur Aufholjagd gab. So auch beispielsweise am 11. März 1962, als in der damaligen Oberliga Südwest der FSV Mainz 05 auf dem Betzenberg gastierte. Der FCK war klarer Favorit, doch zur Halbzeit führten die Kicker aus der Landeshauptstadt unerwartet mit 2:0! Erst in der 83. Minute gelang dem FCK der längst fällige Anschlusstreffer zum 2:1. Den Stopper Werner Liebrich hielt es nun nicht mehr im Abwehrzentrum. Immer wieder trieb er seine Mannschaft an, stürmte sogar selber mit und erzielte schließlich mit einem Drehschuss in der 85. Minute den 2:2-Ausgleich! Zwei Minuten vor Spielende war es Werner Liebrich, der erneut einen Angriff einfädelte und Gerhard Settelmeyer erzielte das erlösende 3:2 für den FCK. Werner Liebrich interpretierte in seine Rolle als „Stopper“ mehr hinein als alle seine Vorgänger. Man kann vielleicht sagen, dass er so etwas wie ein Vorläufer des späteren „Libero“ war. Eine seiner Spezialitäten in der Zweikampfführung war das nahezu perfekte seitliche Hineingrätschen in den Gegner.

Seinen letzten überregionalen Auftritt mit dem FCK hatte er im Alter von 34 Jahren im DFB-Pokal der Saison 1960/61, als sich der FCK im Halbfinale durch einen 2:1-Auswärtserfolg bei Hamborn 07 ins Finale schoss. Dort jedoch unterlagen die Roten Teufel am 13. September 1961 in der Schalker Glückauf-Kampfbahn gegen den SV Werder Bremen mit 0:2 Toren. In der Oberliga Südwest datiert sein letzter Oberligaeinsatz für den FCK vom 25. März 1962 bei einer 0:2-Auswärtsniederlage beim FK Pirmasens. Sein tatsächlich letztes Pflichtspiel absolvierte er am 1. Juli 1962 während der Inter-Toto-Runde beim Rückspiel gegen die ungarische Elf des SC Tatabánya. Danach beendete er seine aktive Spielerlaufbahn. Von Februar 1965 bis zum Ende der Spielzeit 1964/65 trainierte er als Interimstrainer den 1. FC Kaiserslautern und belegte mit ihm in der Bundesliga den 13. Tabellenplatz. Er hatte nach der 1:3-Heimniederlage am 20. Februar 1965 gegen Borussia Dortmund vom vormaligen Cheftrainer Günter Brocker das Traineramt am Betzenberg übernommen. Am letzten Rundenspieltag sicherte sich der FCK mit einem 2:1-Auswärtserfolg bei Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt. Zur Saison 1965/66 übergab er die Bundesligaelf an seinen Nachfolger Gyula Lóránt. 1971 übernahm er für einen kurzen Zeitraum die Trainingsleitung bei den FCK-Amateuren. Seine Fans konnten ihn auch oft als Spieler der Traditionsmannschaft des FCK bewundern.

Werner Liebrich konnte im Laufe seiner Fußballerkarriere viele große Siege verbuchen. Doch einen Kampf hat er leider verloren. Den Kampf gegen eine tückische Infektionskrankheit, die ihm seit der WM in der Schweiz immer wieder zu schaffen gemacht hatte. Im Klinikum seiner Heimatstadt, der er so wie seinem 1. FC Kaiserslautern stets die Treue gehalten hatte, verstarb Werner Liebrich am 20. März 1995 im Alter von nur 68 Jahren. Auch 25 Jahre nach seinem Tod hat Werner Liebrich nichts von seiner Popularität eingebüßt, besitzt sein Name nach wie vor Strahlkraft, ist er eines der großen Idole geblieben, die das Ansehen und den Ruhm unseres 1. FC Kaiserslautern mitbegründet haben. Wir werden Werner Liebrich im FCK-Museum und in unseren Herzen weiterhin ein ehrendes Andenken bewahren.

Denker, Lenker und begnadeter Fußballer – Ciriaco Sforza wird 50

Am Montag, 2. März 2020, feiert der ehemalige FCK-Spieler Ciriaco Sforza seinen 50. Geburtstag. Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam und der Initiative Leidenschaft e.V. blickt anlässlich dieses Ehrentages zurück auf die Karriere des Schweizers und gratuliert ganz herzlich im Namen der gesamten FCK-Familie.

Die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern in den 1990er Jahren und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends sind eng mit dem Namen eines Spielers verbunden, der heute ein halbes Jahrhundert alt wird. Ciriaco Sforza! Es gab in der Bundesligageschichte des FCK nicht viele Spieler, die auf dem Rasen so viel spielerisches Genie zelebrierten, die gleichzeitig aber auch so sehr polarisiert haben und so umstritten waren wie der vielfache Schweizer Nationalspieler. Dreimal ging der bisweilen exzentrische Mittelfeldakteur eine Liaison mit dem FCK ein und streifte sich das Trikot der Roten Teufel über. Von 1993 bis 1995, von 1997 bis 2000 und von 2002 bis 2005. Auf immerhin 199 Bundesligaspiele kam er dabei für den FCK, traf insgesamt zwanzig Mal ins gegnerische Tor, wurde mit dem FCK 1998 Deutscher Meister. Mit den Grashoppers aus Zürich, dem FC Bayern München und Inter Mailand zieren weitere klangvolle Vereinsnamen die Stationen seiner gut 20 Jahre währenden Karriere als aktiver Fußballer. Danach wechselte er seine Rolle auf dem Rasen mit der des Coachs an der Seitenlinie. Seit nunmehr 14 Jahren arbeitet er als Fußballtrainer. Heute wird Ciriaco Sforza 50 Jahre alt.

Seine ersten fußballerischen Gehversuche machte Ciriaco Sforza beim FC Villmergen und dem FC Wohlen, wo er als Sohn italienischer Eltern 1970 auch zur Welt kam. Schon mit 16 Jahren kam er dann 1986 zur Jugend des Grasshopper Club Zürich, wo er früh auch bereits Einsätze in der ersten Mannschaft bekam. Sein Debüt gab er dort am 16. August 1986 beim 2:2 gegen den FC St.Gallen, als er in der 70. Minute eingewechselt wurde. Unter Trainer Kurt Jara gewann er mit dem GCZ in der Spielzeit 1987/1988 den Schweizer Pokal. Ab der darauffolgenden Saison hieß der Grashopper-Trainer dann Ottmar Hitzfeld. Schon in der Vorbereitung habe er gemerkt, dass der neue Coach ihn nicht im zentralen Mittelfeld verortete, sondern zum rechten Verteidiger „umschulen“ wollte. „Das hat mir nicht so gut gefallen. Ich bin dann im Tausch für Thomas Wyss nach Aarau gewechselt“, begründete Ciriaco Sforza in einem späteren Interview seinen damaligen Wechsel nach der Hälfte der Saison zum Ligarivalen FC Aarau. Doch schon eineinhalb Jahre später holte der Mann mit dem Trenchcoat den talentierten Fußballer zurück nach Zürich.

Dort reifte er im Mittelfeld zum Stammspieler. Schon in seiner ersten Saison nach seiner Rückkehr gewann er mit Grasshoppers die Schweizer Meisterschaft 1991. Kurz darauf debütierte er in der Nationalmannschaft. Immerhin 79 Einsätze sollte er bis zum Ende seiner Karriere für die „Nati“ verzeichnen. 1993 wurde er erstmals Schweizer Fußballer des Jahres. Zur Saison 1993/1994 vollzog Ciriaco Sforza einen für seine Karriere entscheidenden Schritt. Er wechselte in die Bundesliga, zum 1. FC Kaiserslautern! FCK-Trainer Rainer Zobel, der im Sommer 1992 am Betzenberg angeheuert hatte, verpflichtete ihn für eine Millionen-Ablöse, musste allerdings im Juni 1993 seinen Trainerstuhl räumen. Für ihn kam Friedel Rausch, unter dem sich Ciriaco Sforza schnell einen Namen machte. Schon in der ersten Saison am Betzenberg wurde er mit den Roten Teufeln mit nur einem Punkt Rückstand hinter dem FC Bayern Vizemeister. Viele werden sich noch an das spannende Titelrennen mit dem FC Bayern München erinnern. In der Folgesaison reichte es für den FCK nur noch zum vierten Platz. Ciriaco Sforza verließ den FCK und wechselte für sieben Millionen Mark ausgerechnet zu den Münchner Bayern! Für viele FCK-Fans ein unverzeihlicher Schritt.

Otto Rehhagel, der als Cheftrainer nach München gewechselt war, hatte den Schweizer als Wunschspieler an die Säbener Straße geholt. In seiner ersten Saison dort kam Ciriaco Sforza zu 30 Einsätzen, blieb jedoch hinter den mit vielen Vorschusslorbeeren geweckten hohen Erwartungen zurück. Nachdem Rehhagel gegen Ende der Spielzeit entlassen wurde und Vereinspräsident Franz Beckenbauer das Zepter übernommen hatte, gewannen die Bayern den UEFA-Pokal 1995/1996. Ciriaco Sforza kam dabei in beiden Finalspielen gegen Girondins de Bordeaux zum Einsatz. In der Bundesliga reichte es für die erfolgsverwöhnten Münchner nur für einen enttäuschenden zweiten Platz hinter Borussia Dortmund.
Zur darauffolgenden Saison wechselte Ciriaco Sforza zu Inter Mailand in die italienische Serie A. Noch heute räumt der Mittelfeldakteur ein, dass diese Entscheidung der größte Fehler in seiner Karriere gewesen sei. Wobei es für ihn zum damaligen Zeitpunkt durchaus gepasst hatte. „Ich bin zu Inter gegangen, weil Roy Hodgson dort Trainer war, zu dem ich in der Nationalmannschaft ein besonderes Verhältnis aufgebaut hatte. Außerdem war es wegen meiner italienischen Wurzeln auch hier wieder ein Traum für mich, der in Erfüllung ging“, blickte der Schweizer im vergangenen Jahr auf seinen damaligen Wechsel zurück. Wirklich glücklich wurde er bei Inter jedoch nicht und auch spielerisch wusste er bei seinen 26 Einsätzen in der Serie A nicht nachhaltig zu beeindrucken. Am Ende stand ein unbefriedigender 3. Tabellenplatz zu Buche und auch im Finale des UEFA-Pokals zogen die Mailänder gegen die „Eurofighter“ des FC Schalke 04 den Kürzeren. Nach Saisonende wechselte Ciriaco Sforza dann tatsächlich zurück in die Pfalz zum 1. FCK!

Die Roten Teufel waren unter Trainer Otto Rehhagel nach ihrem ersten Bundesligaabstieg und einem Jahr 2. Liga gerade souverän in die Bundesliga zurückgekehrt. Bei seinem zweiten Engagement am Betzenberg wurde Ciriaco Sforza als Mannschaftskapitän auf dem Rasen zum verlängerten Arm von König Otto und führte das Team als unangefochtener Leader, als Lenker und Denker sensationell zur Deutschen Meisterschaft! Bis heute eine Einmaligkeit. Der Stellenwert dieses Titels, auch für Ciriaco Sforza, der später mit Bayern München zwar die Champions-League gewann, etwas ganz Besonderes. „Wenn Du als Aufsteiger am ersten Spieltag in München gewinnst, in der Rückrunde die Bayern nochmal wegputzt und von Anfang bis Ende der Saison ganz oben stehst, dann steht dieser Erfolg für mich persönlich mindestens so weit oben wie der Champions-League-Titel“, räumte der ehemalige FCK-Kapitän später einmal ein. In der darauffolgenden Saison belegte der FCK am Ende den 5. Tabellenplatz und verspielte am letzten Spieltag bei einer herben 5:1 Niederlage in Frankfurt gar eine mögliche Champions-League-Teilnahme. Auch in der darauffolgenden Saison wurde Ciriaco Sforza als Kapitän mit dem FCK Fünfter in der Tabelle. Eine Spielzeit, in der er allerdings einen schweren Stand hatte, weil es öfter zu Meinungsverschiedenheiten mit Trainer Otto Rehhagel kam und das Alpha-Tier auf dem Rasen mit dem Alpha-Tier an der Seitenlinie gelegentlich aneinander geraten war. Inklusive einer kurzzeitigen Suspendierung durch den Trainer. Aber das war eben Ciriaco Sforza als Spieler. Er stand für eine kritische Sicht der Dinge, für offene Worte und nahm nie ein Blatt vor den Mund.

Zum Saisonende wechselte er dann für 6,4 Millionen Euro erneut zu den ungeliebten Bayern. Dort wurde er in der Saison 2000/2001 zum zweiten Mal Deutscher Meister, zu dem er in 20 Einsätzen beitrug. Mit den Bayern gewann er in der gleichen Spielzeit die Champions League und gewann den Weltpokal. In der nächsten Saison kam „Ciri“ beim FC Bayern in der Bundesliga nur noch zu 16 Einsätzen. Titelverteidigung Fehlanzeige. Nicht in der Bundesliga und auch nicht in der Champions League. Im August 2002 kam Ciriaco Sforza ablösefrei „zurück“ nach Kaiserslautern, kam aber aufgrund von Verletzungen nur zu 23 Einsätzen in der Bundesliga. Glanzvoller Höhepunkt der Saison war sicher das Erreichen des Finales im DFB-Pokal 2002/03, wo Ciriaco Sforza ab der 2. Runde bis zum Halbfinale in allen Spielen dabei war, aber bei der bitteren 1:3 Niederlage im Endspiel gegen den FC Bayern nicht mehr! In der nächsten Saison kam er in der Bundesliga nur noch zu 17 Einsätzen, ein Jahr später gar nur noch auf 7 Spiele für die Roten Teufel. Sein letztes Spiel als Profi absolvierte er im Oktober 2005, als sich der 1. FC Kaiserslautern und Borussia Dortmund 3:3 trennten. Der FCK stieg am Ende der Saison zum zweiten Mal aus der Bundesliga ab, Ciriaco Sforza beendete seine Karriere als aktiver Fußballer.

Das Ende seiner Spielerkarriere mündete fast nahtlos in eine Trainerlaufbahn, die bis heute besteht. „Mir war schnell klar, dass ich auf dem Rasen bleiben will und dort mein Zuhause ist. Ich bin nach der Spielerkarriere ohne Pause in den Trainerberuf gerutscht, das würde ich heute anders machen“, kommentierte er den Übergang einmal. Seine bisherigen Stationen als Coach waren die Schweizer Vereine FC Luzern, Grashopper Zürich, FC Wohlen, der FC Thun und seit letztem Jahr der FC Will 1900. Er war Spieler seit dem 16. Lebensjahr, rutschte ohne Verschnaufpause in die Rolle des Trainers. Die „Fußball-Ware“ Ciriaco Sforza bekam im Jahr 2015 mehr als menschliche Züge als der sympathische Schweizer sich dazu bekannte an einer Depressionserkrankung zu leiden, die er mittlerweile überwunden hat. Der Preis für ein Leben im Rampenlicht. „Mein Körper zeigte mir, dass er eine Pause braucht. Dass er ausgelaugt ist. Mein Körper hat rebelliert. Der Akku war leer. Ich hatte Zeit, mir über mein Leben Gedanken zu machen. Ich bin sehr froh, sowohl die positiven als auch die negativen Erfahrungen gemacht zu haben. Dank ihnen kann ich sagen, ich bin ein ganz anderer Mensch geworden. Ich bin glücklich mit meinem Leben“, resümierte Ciriaco Sforza noch im vergangenen Jahr über die Folgen eines Jahrzehnte währenden Drucks im Fußball-Zirkus.

Regelmäßig wird der „Trainer“ Ciriaco Sforza auch noch mit dem FCK in Verbindung gebracht, wenn am Betzenberg die Besetzung des Chefsessels an der Seitenlinie zur Disposition steht. Nach dem Rücktritt von Taifun Korkut im Dezember 2016 fragte die Rheinpfalz beispielsweise ihre Leser in einer Online-Umfrage nach ihrem Favoriten auf den Trainerposten am Betzenberg. Die Abstimmung gewann Ciriaco Sforza vor Holger Stanislawski. Die Wahl der Verantwortlichen des 1. FCK fiel mit Norbert Meier jedoch auf einen anderen Kandidaten. Obwohl er in Kaiserslautern in der Vergangenheit auch immer wieder für kontroverse Diskussionen gesorgt hatte und in der Fanszene bis heute sowohl Gegner als auch Befürworter haben dürfte, war und wäre seine Verpflichtung jedoch kein abwegiger Gedanke. Immerhin bekennt sich Ciriaco Sforza bis heute zum FCK und betont stets, „Kaiserslautern ist für mich meine zweite Heimat geworden und der FCK für immer ganz tief in meinem Herzen“.

Vom Museumsteam und der gesamten FCK-Familie die herzlichsten Glückwünsche zum heutigen 50. Geburtstag und ein dickes Dankeschön für Deine erfolgreichen und tollen Jahre hier am Betzenberg, lieber Ciriaco Sforza.

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Betze News

29.09.2022 16:09
Morgen zeigen wir Euch ab 15.30 Uhr die Pressekonferenz vor unserem Heimspiel gegen @EintrachtBSNews 👀 #Betze #FCKEBS 📺 t.co/L4Bf0CFzBM

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28.09.2022 18:36
Wir haben uns #FCK-Neuzugang Philipp Klement geschnappt und mit ihm über dan Rand des grünen Rasens geblickt. Herausgekommen ist ein sehr interessantes Gespräch - viel Spaß beim Anschauen! #Betze t.co/bU0NmFt3jB
28.09.2022 15:39
Wir suchen wieder unseren Fan-Tipper! Du bist bereits Teilnehmer unseres Tippspiels mit @lottorlp und möchtest auch mal Dein Wissen unter Beweis stellen, um unser Fan-Tipper des Spieltags werden? Alles, was Du dafür tun musst, ist Dich hier einzutragen: t.co/tKUbSjmWxa
28.09.2022 13:16
Aufgepasst 📣 Morgen veranstalten wir gemeinsam mit unserem Partner @krombacher eine Autogrammstunde im GLOBUS-Markt in Ludwigshafen! Zwei unserer Roten Teufel werden vor Ort sein, um von 17 bis 18 Uhr die Stifte glühen zu lassen 🖊️🔥 #Betze
28.09.2022 10:20
Am Sonntag empfangen die Roten Teufel @EintrachtBSNews auf dem #Betze! Wir haben hier für alle Stadionbesucher die wichtigsten Infos zusammengefasst: t.co/JIpDLkQX7g // #FCKEBS
26.09.2022 15:48
📅 So sieht die Trainingswoche unserer Roten Teufel vor dem Heimspiel gegen @EintrachtBSNews aus! #Betze #FCKEBS
24.09.2022 11:13
Wolfgang Wolf feiert heute seinen 65. Geburtstag. Von 1976 bis 1988 trug er das Trikot der Roten Teufel, lief 242-mal für den #FCK in der Bundesliga auf. Später stand er in den Jahren 2005 bis 2007 auch als Trainer an der Seitenlinie am #Betze. Wir wünschen alles Gute! 🥂
22.09.2022 20:58
Der #FCK setzt sich mit 4:1 beim FK Pirmasens durch. Vor 1.356 Zuschauern trafen Muhammed Kiprit, zweimal Lex Tyger Lobinger und Mike Wunderlich für die Roten Teufel, Silas Gutmann markierte in der Schlussphase den Ehrentreffer für den FKP: t.co/LRq2iEetUB #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:42
Auch der FKP trifft, zum 1:4 durch Silas Gutmann (81.) #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:40
Der vierte Treffer für den FCK nach 79 Minuten. Mike Wunderlich, heute als Kapitän auf dem Feld, trifft aus rund 12 Metern, nachdem Lex Tyger Lobinger die Kugel mit dem Kopf abgelegt hat. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:21
3:0 für den #Betze, Lex Tyger Lobinger, eine Stunde gespielt. #FKPFCK
22.09.2022 20:20
1.356 Zuschauer sind hier im Stadion Husterhöhe dabei. Die sehen jetzt die Einwechslung von Angelos Stavridis, der für Max Hippe in die Partie kommt. Schön dass Du wieder auf dem Platz stehst, Gekas. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:09
@TBoyd91 @rossikl Wir geben uns Mühe;-)
22.09.2022 20:02
Zur Halbzeit steht es beim Testspiel zwischen dem FK Pirmasens und dem #FCK 2:0 für unsere Mannen in Rot. Kiprit und Lobinger erzielten die Treffer für den #Betze. Auch die zweite Halbzeit könnt ihr live im Fanradio verfolgen: t.co/Qiqr36dr4f #FKPFCK
22.09.2022 19:48
Da lässt Aaron Opoku mal eben drei Gegner aussteigen, und wie. Da bekommt man schon richtig Lust, unseren Neuzugang auch bald im Ligaspiel zu sehen. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 19:40
Schönes Ding! Mo Kiprit mit starker Vorbereitung, flankt auf den Kopf von Lex Tyger Lobinger, der trifft zum 2:0 für den #Betze (34.). #FKPFCK
22.09.2022 19:33
Rund eine halbe Stunde gespielt hier in Pirmasens. Der FCK führt 1:0 beim FKP, ist die klar dominierende Mannschaft und hatte noch einige gute Offensivaktionen, die bislang aber noch nicht zu einem weiteren Treffer geführt haben. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 19:12
Nach sechs Minuten die Führung für den #FCK. Muhammed Kiprit mit einem feinen Solo, tanzt dann auch noch FKP-Keeper Florian Barth aus und schiebt die Kugel zum 0:1 ein. So kann es hier gerne weitergehen. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 19:06
Die Mannschaften sind auf dem Feld. Schiedsrichterin Fabienne Michel hat die Partie soeben angepfiffen. Und jetzt alle rüber zum Fanradio: t.co/Qiqr36dr4f #FKPFCK #Betze
22.09.2022 19:04
Die Spieler, die heute nicht im Kader stehen, sind natürlich trotzdem hier in Pirmasens im Stadion vor Ort. #Betze #FKPFCK