Mit 108 Treffern ist Klaus Toppmöller der Bundesliga-Rekordtorschütze des 1. FC Kaiserslautern. Zum 70. Geburtstag von „Toppi“ am Donnerstag, 12. August 2021, gratuliert Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam und erinnert an die herausragende Karriere des ehemaligen Stürmers und langjährigen Bundesliga-Trainers.

Ein Stürmer vom Format eines Klaus Toppmöller stünde dem FCK heute gut zu Gesicht. Ein Instinkt-Fußballer, ein Stürmer, der stets wusste, wo das Tor steht und wie man das Leder im gegnerischen Kasten versenkt. Während der acht Jahre, in denen er zwischen 1972 und 1980 das Trikot der Roten Teufel trug, erzielte er für seinen Herzensverein in 204 Begegnungen in der Beletage des deutschen Fußballs sagenhafte 108 Tore! Er ist damit bis heute FCK-Rekordtorschütze in der Bundesliga. Aber nicht nur seine Zeit als Profi-Spieler prägte seine bis heute intensive Verbundenheit mit dem Fußballsport. Auch als Trainer setzte Klaus Toppmöller, den am Betze bis heute alle nur liebevoll „Toppi“ nennen, echte fußballerische Akzente. Mit Bayer 04 Leverkusen wurde er 2002 Vizemeister, erreichte das DFB-Pokalfinale sowie das Finale der Champions-League und wurde nach der Saison auch zum Trainer des Jahres gewählt. Auch bei anderen Trainerstationen wie bei der Frankfurter Eintracht, dem VfL Bochum oder dem Hamburger SV begeisterten seine Mannschaften mit schnörkellosem Offensivfußball. Am 12. August 2021 wird Klaus Toppmöller 70 Jahre alt.

Wenn man sich die Schilderungen von Klaus Toppmöller zu den Anfängen seines Fußballerlebens vor Augen hält, antizipiert man unweigerlich den Terminus des „Straßenfußballers“. Seit er laufen könne, habe er einen Ball am Fuß gehabt, erinnert sich Toppi. In seinem Geburtsort Rivenich, unweit von Trier, wuchs er auf. Schon in frühen Kindertagen war die elterliche Gaststätte, wo sich die Dorfgemeinschaft auch immer mal wieder zum kollektiven Fußballgucken traf, steter Alltagsbegleiter, war die Fußballfachsimpelei der Erwachsenen vermutlich auch ein bisschen frühkindliche Prägung. Die Theorie der Volkssportart also quasi im Kreis der „Kneipenfußballer“ erworben? Für seine wachsende Begeisterung, das runde Spielgerät auch praktisch zu beherrschen, brauchte es jedenfalls nicht viel. Es reichten wohl eine Wand oder eine Mauer. Ein stiller Mitspieler, mit dem er sich bei fast täglich praktizierten endlosen Ballstafetten nach und nach erste Fertigkeiten beim Umgang mit dem runden Leder aneignete. Im Alter von acht Jahren durfte er der das, was er bis dahin auf Gassen und in Hinterhöfen praktiziert hatte, um die Erfahrung eines betreuten Trainings auf einem echten Fußballplatz erweitern. Er trat dem örtlichen SV Rivenich bei. Von dort wechselte er 1969 zum Nachwuchs von Eintracht Trier und schaffte es schon ein Jahr später in die erste Mannschaft des damaligen Regionalligisten.

Längst waren auch andere Vereine auf den jungen Kerl mit dem unverwechselbaren Lockenschopf und dem beeindruckenden Torriecher aufmerksam geworden und 1972 war es dann so weit. Klaus Toppmöller unterschrieb beim 1. FC Kaiserslautern seinen ersten Profivertrag. Während seiner ersten Spielzeit am Betzenberg kam er allerdings nur fünfmal zum Einsatz, widmete seine ganze Aufmerksamkeit seinem noch andauernden Ingenieurstudium zum Versorgungstechniker, das er mit dem Erwerb des Diploms erfolgreich beendete. Im Rahmen seiner Ingenieurtätigkeit war er seinerzeit übrigens auch an der Planung der Flutlichtanlage beteiligt, die dem Stadion bis zum WM-Ausbau ein so unverkennbares Bild verliehen hatte.

Schon in seiner zweiten Saison am Betzenberg absolvierte der talentierte Offensivkicker 32 Spiele und erzielte dabei 21 Tore. Er reifte beim FCK zu einem der besten Stürmer der damaligen Zeit. Besonders gern traf er gegen die Münchner Bayern. Unter anderem beim legendären 7:4-Sieg des FCK gegen die mit Nationalspielern gespickten Elf aus der bayrischen Landeshauptstadt. Beim Stand von 1:4 markierte Toppi den Anschlusstreffer. Der Rest der Partie ist Fußballnostalgie für die Ewigkeit. Zweimal Seppl Pirrung, Ernst Diehl und Herbert Laumen mit einem weiteren Doppelpack demontierten die Gäste in einem begeisternden Schlussspurt und verliehen der Partie das Prädikat „Jahrhundertspiel“.

Für Klaus Toppmöller selbst jedoch hat der Auswärtssieg bei den Münchner Bayern drei Jahre später einen höheren Stellenwert. Schließlich trug er am 10. April 1979 mit drei Treffern wesentlich zum 4:3-Sieg des FCK im Münchner Olympiastadion bei. Der FC Bayern führte durch Tore von „Jupp“ Kapellmann, Franz „Bulle“ Roth und Uli Hoeneß bereits mit 3:1. Klaus Toppmöller hatte das zwischenzeitliche 1:1 erzielt. Gleichzeitig der Halbzeitstand. Dann verkürzte Hannes Riedl in der 57. Spielminute und schließlich traf Toppi nach einer guten Stunde und neun Minuten vor Spielende noch zweimal. Wegen einer schweren Knieverletzung zu Beginn der Saison 1979/80 ließ in seiner letzten Lauterer Spielzeit nur noch fünf Bundesligaeinsätze zu. Bis zum Ende seiner Zeit am Betzenberg trug Klaus Toppmöller in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und auf internationaler Bühne (UI-Cup, UEFA-Cup) in 241 Pflichtspielen das Trikot der Roten Teufel. Insgesamt 133-mal traf er dabei für den FCK ins gegnerische Tor. Seine Trefferquote und sein überragendes Offensivspiel bescherten ihm auch drei Einsätze in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. 1976 gegen Spanien und 1979 gegen Malta und die Türkei. Bei seinem Länderspieldebüt am 22. Mai 1976 in München im EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien schoss er beim 2:0-Sieg sein erstes und einziges Länderspieltor.

Trotz seiner Knieverletzung wechselte Klaus Toppmöller nach seinem Weggang vom Betzenberg in die USA zu den Dallas Tornados. Ein nur einjähriges, aber auch aufregendes Engagement in einer zur damaligen Zeit eher exotischen Liga. Im Sommer 1981 kehrte er nach Deutschland zurück und schloss sich dem damaligen Oberligisten FSV Salmrohr an. Auch dort avancierte er zur personifizierten Torfabrik, kam in der Oberliga auf 168 Einsätze und erzielte dabei 114 Tore. Am Ende der Spielzeit 1985/86 stieg der Verein mit Klaus Toppmöller in die zweite Bundesliga auf, in der er in der Saison 1986/87 noch zu 31 Einsätzen kam. Ein Tor sollte ihm in seiner letzten Spielzeit als aktiver Profikicker nicht mehr gelingen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Rekordtorschütze des FCK bereits seine Trainerkarriere im Visier. Noch als aktiver Spieler wurde er im März 1987 in seiner letzten Saison beim FSV Salmrohr Spielertrainer. Klaus Toppmöller soll einmal gesagt haben, den Trainerschein habe er nur gemacht, um eines Tages Trainer beim FCK zu werden. Dieser gewünschte Karrierebaustein sollte ihm allerdings versagt bleiben. Zumindest nah dran an einem Wechsel war er im Jahr 2000. Der FCK war auf der Suche nach einem Nachfolger für Otto Rehhagel. Doch Toppis damaliger Brötchengeber, der 1. FC Saarbrücken, verweigerte die Freigabe.

Seine ersten drei Stationen am Anfang seiner Trainerkarriere waren eher von kurzer Dauer. Beim FSV Salmrohr, dem SSV Ulm 1846 und dem FC Wismut Aue blieb er jeweils nur ein Jahr, ehe er 1991 zum Lauterer Rivalen SV Waldhof Mannheim wechselte, mit dem er 1993 nur knapp den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga verpasste. Auch in den Jahren danach sollte es für den Trainer Klaus Toppmöller meist eng zugehen, ihm ein Titel unterm Strich verwehrt bleiben. Trotz seiner unverkennbaren Handschrift zu einem erfrischenden Offensivfußball. Bei Eintracht Frankfurt formte er mit so genialen und talentierten Spielern wie Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha oder Maurizio Gaudino ein Top-Team, an das sich Eintracht-Fans noch heute gerne zurückerinnern. Doch im Schlussdrittel der Saison ging den Frankfurtern die Puste aus, Toppi musste gehen. Er wechselte anschließend zum VfL Bochum, mit dem er in der Saison 1997/98 bis ins Achtelfinale des UEFA-Pokals vordrang. Im Hinspiel hatte der VfL bei Ajax Amsterdam sogar bereits 2:0 geführt, ging am Ende aber doch mit 2:4 unter und kam auch im Rückspiel nicht über ein 2:2 hinaus.

Es folgte die zitierte Trainerstation beim 1. FC Saarbrücken, mit dem Klaus Toppmöller 2000 den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte, dann allerdings im November 2000 seinen Platz räumen musste. Im Sommer 2001 unterschrieb Klaus Toppmöller bei Bayer 04 Leverkusen. Mit der Werkself erreichte er 2002 das Finale der Champions League sowie das DFB-Pokalfinale und die Vizemeisterschaft in der Bundesliga. Ein Markenzeichen seiner Mannschaft war bedingungsloser Angriffsfußball im „One Touch“-Stil. Klaus Toppmöller wurde daraufhin im Jahr 2002 als erster Trainer überhaupt von den deutschen Sportjournalisten zum Trainer des Jahres gewählt. Dann verließen Michael Ballack und Zé Roberto den Club. Durch eine fatale Verletzungsmisere geriet die Mannschaft in akute Abstiegsgefahr. Der Trainer musste gehen. Auch bei seiner nächsten Station beim Hamburger SV nahm die Geschichte kein glückliches Ende. Auch dort endete sein Trainerengagement leider mit einem Rauswurf, den er vor allem dem von Schiedsrichter Robert Hoyzer manipulierten Pokalspiel gegen den SC Paderborn verdankte. Es war sein letztes Traineramt bei einem Verein. 2006 übernahm er die Nationalmannschaft Georgiens, wo sein Vertrag jedoch im Frühjahr 2008 frühzeitig aufgelöst wurde.

Noch während seiner Zeit in Georgien kehrte Klaus Toppmöller im Spätjahr 2007 übrigens kurzzeitig als Funktionär an den Betzenberg zurück, 28 Jahre nach dem Ende seiner Spielerkarriere. Als Aufsichtsratsmitglied mit alleiniger sportlicher Verantwortung. Doch bereits sechs Wochen später, am 20. Dezember 2007, zog sich Klaus Toppmöller aus privaten Gründen aus dem Gremium zurück. Bis heute hat er kein weiteres Engagement im Profifußball mehr angenommen. Am heutigen 12. August feiert der einstige Stürmer des FCK nun seinen 70. Geburtstag. Auch das Museumsteam übermittelt auf diesem Wege die herzlichsten Glückwünsche. Alles Gute Toppi, bleib gesund, fit und feier schön!

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