Es ist ein Titelgewinn des 1. FC Kaiserslautern, der in der Erinnerung ein wenig hinter den anderen Titeln zurücksteht: Als amtierender Deutscher Meister gewann der FCK am 6. August 1991 gegen Werder Bremen den Supercup. Matthias Gehring erinnert zum 30. Jahrestag des Gewinns an diesen Titel.

Der Supercup gehört heute zum festen Bestandteil des Rahmenterminplans im deutschen Fußball. Seit 1987 treten dabei unmittelbar vor Saisonbeginn der Deutsche Meister und der DFB-Pokalsieger der abgelaufenen Saison gegeneinander an. Folglich durfte sich auch der FCK in den erfolgreichen 1990er Jahren nach zwei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen gleich viermal einen zusätzlichen Spieltermin im Kalender vermerken. Dreimal waren die Roten Teufel im Supercup gefordert, einmal im Ligapokal, der ab 1997 den Supercup zunächst abgelöst hatte und als Mini-Turnier ausgespielt wurde. Beim Supercup 1990 unterlagen die Lauterer als amtierender Pokalsieger dem damaligen Meister FC Bayern München noch mit 1:4. Ein Jahr später jedoch sicherte sich der FCK dann erstmals die Supercup-Trophäe. Mit 3:1 bezwangen die Roten Teufel als amtierender Deutscher Meister den damaligen Pokalsieger SV Werder Bremen. Am 6. August 2021 jährt sich das Finalspiel zum 30. Mal.

Unter der Regie des Deutschen Fußballbundes wurde der Wettbewerb als DFB-Supercup erstmals im Jahre 1987 ausgetragen und mit einer Partie zwischen Meister und Pokalsieger zunächst auch bis 1996 in dieser Form beibehalten. Ab 1997 wurde aus dem Supercup zunächst der DFB-Ligapokal, der ab 2005 Premiere Ligapokal hieß. In Turnierform wurde nicht nur zwischen den beiden amtierenden Titelträgern aus Meisterschaft und Cupgewinner der Sieger ausgetragen. Der Ligapokal wurde bis 2007 als Turnier gespielt. Seit 2010 wird der Wettbewerb als DFL-Supercup wieder als Kräftemessen in der ursprünglichen Fassung ausgetragen, also ein Spiel, bei dem der Deutsche Meister gegen den DFB-Pokalsieger antritt. Doch ausgerechnet der Supercup des Jahres 1991, an dem auch der FCK aufgrund seines Meistertitels teilnahm, wurde in einer leicht abweichenden Form ausgespielt. Es gab nämlich vier statt wie sonst zwei Mannschaften. In der Saison 1990/91 gab es auch in der ehemaligen DDR noch einmal eine reguläre Meisterschaft und einen nationalen Cup-Wettbewerb.

Es war die letzte Spielzeit der höchsten Spielklasse der DDR. Da im Laufe der Saison die Wiedervereinigung vollzogen wurde und der nationale Fußballverband der DDR dem Deutschen Fußball-Bund beitrat, diente der neu gegründete Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) als offizieller Namensgeber für die einstige DDR-Oberliga, wobei die Bezeichnung Oberliga Nordost ebenfalls gebräuchlich war. Auch das Pendant zum DFB-Pokal, der auf der sozialistischen Seite des geteilten Deutschlands bisher als FDGB-Pokal ausgespielt wurde, suchte in der Saison 1990/91 als NOFV-Pokal nach einem Sieger. So kam es, dass im Rahmen des Supercups zu den Bundesliga- und DFB-Pokalsiegern der Vorsaison, dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Werder Bremen, auch der SV Hansa Rostock als Meister der NOFV-Oberliga um den Supercup spielen durfte. Da die Rostocker in der abgelaufenen Spielzeit jedoch Meister und Pokalsieger wurden, durfte der im NOFV-Pokalfinale unterlegene Finalist FC Stahl Eisenhüttenstadt den vierten Platz belegen. Im Halbfinale der beiden Meister, gewann der FCK am 30. Juli 1991 im Rostocker Ostseestadion mit 2:1. Die Lauterer führten nach Treffern von Marcel Witeczek und Tom Dooley bereits zur Halbzeit mit 2:0, die Rostocker konnten im zweiten Durchgang durch Florian Weichert lediglich noch verkürzen. Beim Duell der beiden Pokalgewinner setzte sich am 31. Juli im zweiten Halbfinale der SV Werder Bremen mit 1:0 gegen den FC Stahl Eisenhüttenstadt durch. Wynton Rufer erzielte das Tor des Tages.

So kam es im Supercup-Finale des Jahres 1991 zu einer Neuauflage des denkwürdigen DFB-Pokalfinales aus dem Vorjahr: 1. FC Kaiserslautern gegen Werder Bremen! Austragungsort war das Niedersachsenstadion in Hannover, das mit offiziell 8.000 Zuschauern einen bis dahin bedauerlichen Minusrekord bei den Supercup-Finalspielen verzeichnete. Für den Autor, damals noch in Hannover wohnhaft, natürlich dennoch ein Festtag! Wobei die tropischen Temperaturen am Ende des Finaltages auch sichtbare Spuren und Schäden bei der rot-weißen Gesichtsbemalung hinterlassen hatten. Trainer Karl-Heinz Feldkamp vertraute im Finalspiel erneut auf seinen „Abwehrchef“ Stefan Kuntz. Im Angriff allerdings rotierte der Trainerfuchs und bot den jungen, vom VfL 93 Hamburg gekommenen Jürgen Degen sowie Bernhard Winkler auf. Zwischen den Pfosten stand nicht wie gewohnt Gerry Ehrmann, sondern Michael Serr, der über die 90 Minuten mit einigen glanzvollen Paraden auffiel und für seine Leistung viel Lob erhielt. Die Bremer hatten anfangs mehr vom Spiel und erarbeiteten sich einige Torgelegenheiten. Doch wieder sollte das Näschen von Karl-Heinz Feldkamp recht behalten. Nach feinem Kombinationsspiel zwischen Tom Dooley und Marco Haber landete das Leder beim strohblonden Jürgen Degen, der die Roten Teufel in der 27. Minute in Führung brachte. Es war auch der Neuling im Dress der Roten Teufel, der im zweiten Durchgang (65.) nach Vorlage von Guido Hoffmann auf 2:0 für den FCK erhöhte. Kurz vor Ende der Partie verkürzte Wynton Rufer (88.) per Flugkopfball, doch in der Schlussminute sorgte Bernhard Winkler mit seinem Treffer zum 3:1 für die Entscheidung. Die Roten Teufel hatten 3:1 gesiegt, der FCK sich binnen 16 Monaten den dritten nationalen Titel gesichert und Karl-Heinz Feldkamp, nach 1988 mit Eintracht Frankfurt und 1990 mit dem 1. FC Kaiserslautern, in seinem dritten Anlauf erstmals den Supercup gewonnen. Während der FCK in der Bundesligasaison 1991/92 als Titelverteidiger mit Rang 5 eine ordentliche Saison spielte, enttäuschte Bremen am Ende der Spielzeit auf Platz 9 der Tabelle. Dafür gewannen die Kicker von der Weser den Europapokal der Pokalsieger. Hansa Rostock hingegen startete fulminant in die Saison, gewann am 2. Spieltag beim FC Bayern mit 2:1, deklassierte am 3. Spieltag Borussia Dortmund im heimischen Stadion mit 5:1 und stieg am Ende doch noch ab.

Im Supercup 1996 unterlag der FCK übrigens als Pokalsieger dem amtierenden Deutschen Meister Borussia Dortmund im Mannheimer Carl-Benz-Stadion mit 3:4 im Elfmeterschießen. Zwei Jahre später schied der FCK als Sensationsmeister im dann ausgetragenen Ligapokal bereits im Halbfinale im Ludwigshafener Südweststadion mit 2:3 gegen den VfB Stuttgart aus. Doch der Supercup-Titelgewinn, der sich am heutigen 6. August zum 30. Mal jährt, steht unverrückbar in den Annalen der Roten Teufel. Lediglich eine Replik der schmucken Trophäe, die an eine schlanke Vase erinnert, fehlt noch im Bestand des heutigen FCK-Museums. Eine Aufgabe für die Zukunft, um den damaligen Titelgewinn auch einen optischen und haptischen Anstrich zu verleihen.

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