Olaf Marschall zählt zu DEN FCK-Legenden der 90er Jahre: Der Stürmer ist auch heute noch für viele FCK-Fans eine absolute Kultfigur, unvergessen seine Einsätze im Betze-Trikot, sein Lockenkopf und das berühmte Nasenpflaster. Der „Fußballgott“ wurde am 19. März 2021 55 Jahre alt – und Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam hat dem heutigen Mitarbeiter der FCK-Geschäftsstelle zum Geburtstag eine Lobrede geschrieben.

„Olaf Marschall, Fußballgott“! Diese Ovation aus tausenden Kehlen schwappte immer dann von den Tribünen auf den heiligen Rasen des Fritz-Walter-Stadions, wenn der lange FCK-Angreifer mit der Rückennummer 11 mal wieder ins gegnerische Tor getroffen hatte und sich in lässiger Manier mit zum Himmel gereckten oder weit ausgebreiteten Armen und spitzbübischem Grinsen im Gesicht in einer Jubeltraube die Glückwünsche der Mannschaftskollegen abholte. Fast zehn Jahre lang, von 1994 bis 2002 trug Olaf Marschall das Trikot des 1. FC Kaiserslautern, absolvierte 199 Pflichtspiele für die Roten Teufel, in denen er 73 Tore für den FCK erzielte. Der Sensationstitel im Jahre 1998 ist auch für Olaf Marschall das Highlight seiner einstigen Spielerkarriere. Eine Karriere, die nicht immer nur vom Rampenlicht geprägt war, sondern ihm auch zahlreiche verletzungsbedingte Rückschläge bescherte.

In keiner Saison seiner Zeit am Betzenberg, schaffte er es alle 34 Bundesligapartien zu absolvieren. Dabei sind sich die meisten Analysten, vom Fußballexperten der schreibenden Zunft, bis zum Experten in der Kurve einig – ohne die 21 Tore, die Olaf Marschall in der Saison 1997/98 erzielt hatte, wäre dem FCK die Sensation als Aufsteiger Deutscher Fußballmeister zu werden, wohl kaum gelungen. Keine schlechte Quote übrigens, bedenkt man, dass er in der „Spielzeit 1“ nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga nur 24-mal für den FCK in der Bundesliga auf dem Platz stand!

Als sechsjähriger Steppke schnürte Olaf Marschall 1972 erstmals seine Fußballschuhe. In seinem Geburtsort im sächsischen Torgau, nordöstlich von Leipzig. Sechs Jahre blieb er bei der örtlichen BSG Chemie Torgau, ehe er von dort zum 1. FC Lokomotive Leipzig transferiert wurde. Hier schaffte er 1983 den Sprung vom Jugendbereich in die erste Mannschaft. Im Alter von 17 Jahren gab er dann sein Debüt in der DDR-Oberliga, als er 22. Oktober 1983 im zweiten Durchgang der Partie gegen Dynamo Dresden (2:2) eingewechselt wurde. Bereits zwei Jahre später folgte sein erster Einsatz in der DDR-Nationalmannschaft. Bei den Leipzigern wurde er zügig zum Stammspieler, wobei seine Trefferquote von Spielzeit zu Spielzeit sehr unterschiedlich ausfiel. 1987 erreichte er mit dem einstigen stolzen Leipziger Klub, dem Nachfolgeverein des dreimaligen Deutschen Meisters VfB Leipzig, das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Dabei mussten sich die Blau-Gelben in Athen gegen Ajax Amsterdam mit 1:0 geschlagen geben. 1986 und 1987 gewann Olaf Marschall mit den Leipzigern den FDGB-Pokal und wurde 1986 und 1988 mit seinem Verein Vizemeister in der DDR-Oberliga.

Nach dem Mauerfall begann bekanntlich der Ausverkauf des ostdeutschen Fußballs, wobei es die Mehrzahl der schon in der DDR namhafteren Spieler in den Westen verschlug. Doch während talentierte Kicker wie Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Andreas Thom, Rico Steiner und Co. bei Bundesliga-Topclubs landeten, schien von Olaf Marschall zunächst niemand Notiz zu nehmen. Der 1,86 Meter große kopfballstarke Angreifer wechselte im Sommer 1990 zunächst in die österreichische Hauptstadt zum FC Admira/Wacker Wien. Als sein dortiger Trainer Siggi Held 1993 zu Dynamo Dresden in die Bundesliga wechselte, nahm er den sächsischen Angreifer mit. Dort traf er in seinem ersten Spiel gleich dreimal ins gegnerische Tor und sicherte so seiner Mannschaft einen Punkt beim 3:3 im sächsischen Duell mit seinem Ex-Club, der sich mittlerweile in VfB Leipzig umbenannt hatte. Elf Tore waren es bis zum Saisonende, die Olaf Marschall für Dresden verbuchte, womit der Mittelstürmer mit dem markanten Lockenkopf sicher maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt die Dresdner hatte.

Seine fußballerischen Qualitäten beim Umgang mit dem runden Leder, sein überragendes Spielverständnis, seine Cleverness, sein überragendes Zweikampfverhalten und natürlich seine Kopfballstärke rückten Olaf Marschall schnell ins Rampenlicht der Fußballbühne Bundesliga. Auch beim FCK war man auf den Angreifer aufmerksam geworden und so fädelten die Verantwortlichen am Betzenberg um Manager Reiner Geye den mit fast 3 Millionen D-Mark bis dahin teuersten Transfer des Pfälzer Traditionsclubs ein. Zum Beginn der Saison 1994/95 wechselte Olaf Marschall an den Lauterer Betzenberg, wo er schnell zum Stammspieler avancierte. Im Oktober 1994 folgte sogar sein Debüt in der nun gesamtdeutschen Nationalmannschaft. Der FCK landete am Ende der Spielzeit auf Rang vier und schaffte damit auch die Qualifikation für den UEFA-Cup. Doch schon in der Folgesaison warfen Verletzungen den ehrgeizigen Offensivakteur immer wieder zurück. Ein Manko, das ihn während seiner gesamten Zeit am Betzenberg immer wieder ereilte. Meniskusprobleme, Bänderrisse, Mittelfußbruch, Achillessehne, Nierensteine – eine für einen Fußballprofi unsägliche Krankenakte. Nur insgesamt 19 Bundesliga-Partien absolvierte Olaf Marschall in der Spielzeit 1995/96 für den FCK. Am Ende der Saison stieg der Club erstmals in die zweite Liga ab. Der Gewinn des DFB-Pokals eine Woche nach dem besiegelten Abstieg immerhin ein glanzvolles Trostpflaster. Wie fast der komplette Stamm der Mannschaft blieb auch Olaf Marschall dem FCK nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit treu. In der darauffolgenden Zweitliga-Saison erzielte er in 16 Partien zehn Tore, wobei er wieder eine fast halbjährige Verletzungspause einlegen musste.

Zurück in der Bundesliga folgte für Olaf Marschall schon am 15. Spieltag der nächste Rückschlag, als er sich beim 3:1-Sieg in Mönchengladbach einen Bänderriss im Knie zuzog. Dennoch wurde die Spielzeit 1997/98 das erfolgreichste Jahr seiner Karriere. Vor allem im Saisonendspurt gelangen ihm weitere acht Tore, die wesentlich zum sensationellen Titelgewinn beitrugen. Im Rückspiel gegen Borussia Mönchengladbach avancierte er zum Matchwinner, als er nach einem 0:2-Rückstand mit drei Treffern den 3:2-Sieg sicherte und einmal mehr den Mythos Betzenberg zementierte. Niemals aufgeben! Am Ende der Saison waren es 21 Tore, die Olaf Marschall trotz langer Verletzungspause erzielte. Nur eines weniger als Torschützenkönig Ulf Kirsten. Verdienter Lohn neben dem nationalen Titelgewinn, war die Berufung zur Nationalmannschaft und die Teilnahme bei der WM 1998 in Frankreich.

Markenzeichen in jenen Spielzeiten war neben seinem Lockenschopf auch das legendäre Nasenpflaster, das sich Olaf Marschall in jeder Partie über sein Riechorgan spannte. Ein Accessoire, das angeblich die Sauerstoffzufuhr beim Atmen durch die Nase verbessern sollte. Wissenschaftlich zwar nicht gesichert, aber der Glaube versetzt ja bekanntermaßen auch Berge. Das galt auch für die Spielzeit nach dem Sensationstitel. An sieben der ersten zehn Spieltage traf Olaf Marschall und markierte am 12. September 1998 beim Heimspiel gegen Hertha BSC sein vermutlich spektakulärstes Tor, das es am Ende des Jahres gar zum Tor des Jahres schaffte. Beim Stand von 1:3 nahm er eine Flanke in den Strafraum mit dem Rücken zum gegnerischen Gehäuse mit der Brust an, während er seinen Gegenspieler gekonnt abschirmte, ließ das Leder kurz auf die Stirn tanzen und netzte per Fallrückzieher mit einer gekonnten Bogenlampe unnachahmlich ein. Der FCK gewann die Partie am Ende noch mit 4:3!

Nach der Saison 1998/99 konnte der Stürmer nicht mehr an seine erfolgreichen Zeiten anknüpfen. Nach drei mäßigen Spielzeiten erzielte er in 47 Spielen nur noch sieben Tore und verlor 2000/01 seinen Stammplatz an das Sturmduo Miroslav Klose und Vratislav Lokvenc. Zum Ende der Spielzeit 2001/02 wurde sein auslaufender Vertrag nicht mehr verlängert. In seiner letzten Saison beim FCK wurde er noch einmal von den Fans euphorisch gefeiert, als er in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den SV Waldhof Mannheim in der letzten Minute das entscheidende Tor zum 3:2 einköpfte. Zum Abschluss seiner Karriere spielte Marschall ein halbes Jahr bei Al-Ittihad in Katar.

Nach seiner aktiven Karriere als Spieler, blieb er dem FCK in verschiedenen Funktionen treu – als Funktionär, als Trainer und aktuell als Chef-Scout. Der Lockenschopf ist geblieben, das Nasenpflaster hingegen ist längst in den musealen Archiven des Fußballs verschwunden. Geblieben ist aber auch sein diebisches Grinsen. Ausdruck einer vermeintlich dauerhaften guten Laune. Vielleicht auch darüber, dass er trotz seiner zahlreichen Verletzungen während seiner aktiven Spielerkarriere im Fußball bis heute Erfüllung und Lebensinhalt gefunden hat. Eine Reise die sicher noch lange nicht zu Ende ist. Am 19. März 2021 wird Olaf Marschall 55 Jahre alt. Auch das Museumsteam gratuliert ganz herzlich zum Schnapszahl-Geburtstag.

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