Am 19. Dezember 2020 wäre der Exzentriker Walter Frosch 70 Jahre alt geworden. Matthias Gehring vom FCK-Museumsteam erinnert sich an den früheren FCK-Profi.

Er gehörte zu den mitunter schrägsten Vögeln, die je in der Bundesliga gekickt haben. Ein Paradiesvogel, der mit seinen unorthodoxen Eskapaden und mit zahlreichen kuriosen Anekdoten so manchen seiner Übungsleiter in die Verzweiflung trieb. Gemeint ist Walter Frosch, gelernter Schornsteinfeger aus Ludwigshafen. Der schnelle und kompromisslose Defensivmann spielte unter anderem beim SV Alsenborn, von 1974 bis 1976 beim 1. FC Kaiserslautern und fand später in Hamburg beim FC St. Pauli eine neue Heimat. Am 19. Dezember 2020 wäre Walter Frosch 70 Jahre alt geworden.

Das Fußballspielen erlernte Walter Frosch in seiner Jugend bei seinem Heimatverein Arminia Ludwigshafen. Nach der Saison 1969/70 wechselte er von dort aus der 1. Amateurliga Südwest in die Regionalliga Südwest zum SV Alsenborn. Vier Spielzeiten lang war der Abwehrspieler Stammspieler des damals berühmtesten Dorfvereins der Republik. Mit der Einführung der 2. Bundesliga mussten die Alsenborner jedoch zurück ins Amateurlager. Der DFB verweigerte dem sportlich qualifizierten Verein die Lizenz für den neugeschaffenen Unterbau der Bundesliga. In der Winterwechselperiode 1974 verpflichtete der 1. FC Kaiserslautern den Ex-Ludwigshafener. Doch es kam zu einem Streit mit dem FC Bayern München, bei dem Frosch auf Drängen von dessen Manager Robert Schwan ebenfalls einen Vertrag unterzeichnet hatte. Während sich die beiden Klubs um seine Zukunft stritten, reiste Frosch nach Mallorca, um dort das Ergebnis abzuwarten. Der DFB traf die Entscheidung, dass Frosch seinen Vertrag mit Kaiserslautern zu erfüllen habe. Zudem wurde er für vier Monate gesperrt.

Sein erstes Bundesligaspiel bestritt Walter Frosch am 23. November 1974. Beim Auswärtsspiel des FCK gegen Hertha BSC wurde er In der 75. Minute von Trainer Erich Ribbeck für Werner Melzer eingewechselt. In der darauffolgenden Saison war er unangefochtener Stammverteidiger. Herausragend wurde diese Spielzeit durch die Erfolge des FCK im DFB-Pokal. Walter Frosch trug dazu bei, dass sich Kaiserslautern im Halbfinale gegen Hertha BSC durchsetzte und so das Finale erreichte. Das Endspiel am 26. Juni 1976 verloren die Roten Teufel gegen den Hamburger SV jedoch mit 0:2. Seine Qualitäten auf dem Platz waren unbestritten. Pfeilschnell, kompromisslos und beinhart. Sehr zum Leid seiner Gegenspieler. Nicht wenige Fachleute waren seinerzeit der Meinung, dass Walter Frosch eine weitaus erfolgreichere Karriere hätte hinlegen können. „Herr Frosch, Sie könnten viel höher spielen, wenn Sie solider leben würden“, soll Erich Ribbeck einmal zu ihm gesagt haben. Doch wie so oft stand sich der resolute Verteidiger selbst im Weg. Auch wegen seiner sehr direkten und schroffen Art gegenüber Medien und Autoritäten sowie seiner Vorliebe für nächtliche Kneipentouren. „Mein schwerster Gegner war immer die Kneipe. Früher, als Aktiver, habe ich vor dem Tresen gekämpft, heute kämpfe ich hinter dem Tresen“, blickte Walter Frosch nach seiner Karriere einmal auf sein buntes, wildes Fußballer-Leben zurück.

Eine von unzähligen Anekdoten hat Frosch einmal selbst öffentlich zum Besten gegeben. Vor einem FCK-Spiel gegen den FC Schalke 04 war er demnach mit Freunden bis drei Uhr nachts unterwegs. Der FCK-Profi forderte seine sechs Saufbrüder zu einem 400-Meter-Wettrennen heraus. Er gab jedem 100 Meter Vorsprung und gewann trotzdem! Der Lohn waren zehn Liter Bier. Vor der Bundesligapartie am Folgetag fielen dem misstrauischen Erich Ribbeck Walter Froschs rot unterlaufene Augen auf. Selbiger ersticke mit einem einzigen Wort jede Diskussion im Keim: „Bindehautentzündung!“ Erwin Kremers, den damals wieselflinken Linksaußen der Schalker hatte Walter Frosch im Spiel dann trotzdem im Griff. Das Spiel kommentierte er dann knapp mit den Worten – „in den ersten Spielminuten habe ich den dreimal über die Bande gehauen, damit da Feierabend war.“ Der Schalker Nationalspieler wurde nach 18 Minuten ausgewechselt. Im Sommer 1976 wechselte Walter Frosch dann vom Pfälzer Betzenberg auf den Hamburger Kiez zum FC St. Pauli. Für den FCK bestritt Walter Frosch insgesamt 50 Pflichtspiele, davon 43 in der Bundesliga und 7 im DFB-Pokal, wobei er insgesamt vier Tore für die Roten Teufel erzielen konnte.

Beim FC St. Pauli avancierte Walter Frosch in den folgenden Jahren endgültig zum Kultspieler. In der Saison 1976/77 gelang der Mannschaft unter Trainer Diethelm Ferner der Aufstieg in die Bundesliga. Entscheidend dabei war eine Serie von 27 Spielen ohne Niederlage, in denen Grätschenkönig Walter Frosch zu den Eckpfeilern der Defensive gehörte. Zu Beginn der darauffolgenden Saison fiel er zusammen mit Gino Ferrin monatelang aus, was zu Problemen in der Defensive führte. Nach seiner Genesung kam Walter Frosch bei den Paulianern noch auf 18 Einsätze. Allerdings konnte auch er nicht verhindern, dass der FC St. Pauli schließlich absteigen musste. In der folgenden Saison erreichte er mit der Mannschaft den sechsten Platz. Aufgrund finanzieller Probleme wurde dem Verein allerdings die Lizenz entzogen, so dass er in der Saison 1980/81 in der Amateuroberliga Nord antreten musste. Dort gewann Walter Frosch mit dem FC St. Pauli die Meisterschaft. Allerdings durfte kein Oberligist in die neu eingeführte eingleisige 2. Bundesliga aufsteigen. Nach einem Trainerwechsel, mit dem eine Verjüngung des Teams einherging, wechselte Walter Frosch zur Saison 1982/83 zum Altonaer FC von 1893, mit dem er 1984 in die Oberliga Nord aufstieg. In allen sechs Spielen der Aufstiegsrunde stand er in der Startelf der Mannschaft. Nach 32 Spielen der Oberligasaison 1984/85, an deren Ende für die Altonaer der Klassenerhalt stand, beendete er seine Laufbahn.

Bekannt wurde Walter Frosch übrigens nicht nur durch seine sportlichen Leistungen, sondern vor allem, weil er auch immer wieder aneckte. Als Co-Trainer Jupp Derwall ihn beispielsweise 1976 in den Kader der B-Nationalmannschaft berufen wollte, lehnte Frosch mit dem Satz ab: „Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl“. Der Kettenraucher Walter Frosch, der nach eigenem Bekunden um die 60 Zigaretten pro Tag rauchte, stand in den 1990er Jahren beim Abschiedsspiel für Klaus Thomforde sogar mit einer Kippe auf dem Rasen des Millerntor-Stadions. Beim „Tag der Legenden“ im Jahr 2007 am Millerntor ließ er sich mit einer Zigarettenschachtel im Stutzen von einem Reporter interviewen – ein bis heute legendärer Videoclip auf Youtube. Die Leser des Hamburger Abendblatts wählten Frosch 2010 in die „Jahrhundertelf“ des FC St. Pauli.

Berühmtheit erlangte Frosch wegen seiner Vielzahl von Gelben Karten in der Zweitliga-Saison 1976/77. Die Zahlen dazu schwanken zwischen 17 und 19, wobei die häufig kolportierte Zahl von 27 gelben Kartons wohl eher ins Reich der Phantasie gehört. Jedenfalls führte der DFB bald danach die automatische Spielsperre nach vier (heute fünf) gelben Karten ein. Bis dahin hatte es keine Begrenzung gegeben. Walter Frosch besaß zwischenzeitlich ein Restaurant und war Pächter der Stadiongaststätte des SC Victoria Hamburg. Auch vergaß er seine alte Heimat nicht und besuchte regelmäßig das Straßenfest in Ludwigshafen-Rheingönheim. Ab 1996 musste er mehrere Krebsoperationen über sich ergehen lassen. Ende 2008 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch, nach einem akuten Organversagen infolge einer Sepsis musste er intensivmedizinisch behandelt werden und anschließend das Sprechen und Gehen neu erlernen. Er lebte mit seiner Lebensgefährtin in Hamburg-Niendorf. Am 23. November 2013 starb Walter Frosch im Alter von 62 Jahren in der Schön Klinik Hamburg Eilbek. Seit 2012 richtet der SC Victoria jährlich das „Walter-Frosch-Turnier“ aus. Die dort gesammelten Spenden kommen krebskranken Kindern zugute. Walter Frosch wurde in Ludwigshafen-Rheingönheim im dortigen Familiengrab beigesetzt. Am 19. Dezember 2020 wäre er 70 Jahre alt geworden.

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