Am 31. Oktober 2020 wäre Fritz Walter einhundert Jahre alt geworden. Nur wenigen Sportlerpersönlichkeiten war es vergönnt, so lange nach ihrem Tod derart nachhaltig im kollektiven Gedächtnis zu bleiben, wie dem Kapitän der deutschen Fußball-Weltmeistermannschaft von 1954. Deshalb blicken Matthias Gehring und Hans Walter vom FCK-Museumsteam auf das eindrucksvolle Leben und die sportliche Karriere des größten deutschen Fußballers aller Zeiten zurück.

Seit mehr als einem Jahr hat auch das Team des FCK-Museums zielstrebig auf diesen Tag hingearbeitet. Insbesondere die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins des FCK-Museums, der „Initiative Leidenschaft FCK – Fritz Walter Museum Kaiserslautern e.V.“, haben dabei bis heute weit über 1.000 ehrenamtliche Stunden investiert. Bereits Ende 2019 konnte mit der Herausgabe eines Fritz-Walter-Kalenders ein erster Lichtpunkt zum bevorstehenden Fritz-Walter-Jubiläumsjahr gesetzt werden. Die über einen Zeitraum von 100 Tagen laufende Publikation „100 Tage Fritz Walter“ fand gestern mit dem letzten veröffentlichten Bericht ihren Schlusspunkt. Mit dem 31. Oktober wurden auch die Vorbereitungen und Arbeiten zur Sonderausstellung „Das Wunder von Kaiserslautern. Fritz Walter zum 100. Geburtstag“ abgeschlossen. Eine Ausstellung im FCK-Museum, deren Teil I bereist seit dem 4. Oktober 2020 im Stadtmuseum Kaiserslautern (Theodor-Zink-Museum | Wadgasserhof) zu sehen ist und die nun aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage erst einmal nicht der Öffentlichkeit zugänglich ge-macht werden kann. Auch der Fotowettbewerb „100 Bilder Fritz Walter“, der ursprünglich bis zum 31. Oktober 2020 laufen sollte, wird aus ähnlichen Gründen bis Jahresende verlängert.

Da wir wegen der Corona-Pandemie aktuell noch immer und ab Montag verstärkt viele Einschränkungen hinnehmen müssen, können wir diesen besonderen Tag leider nicht so begehen, wie wir es uns alle gewünscht hätten. Ein Grund mehr einmal ausführlich auf das Leben Fritz Walters zurückzublicken und die Etappen seiner Vita von den Kindertagen bis zu seinem Tode nachzuzeichnen.

Die außerordentliche Beliebtheit und die Hochachtung, die Fritz Walter über seinen Tod im Jahre 2002 hinaus zuteilwird, liegt nicht nur in seinen großartigen sportlichen Erfolgen begründet, sie ist in besonderem Maße dem Menschen geschuldet, der bis heute nichts von seiner Ausstrahlung verloren hat und dessen Werte, die ihn ein Leben lang geleitet haben, auch in unserer Gegenwart Gültigkeit besitzen. Fritz Walters Leben gleicht einem ereignisreichen, spannenden Roman, der die letzten acht Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts auf eindringliche Weise wiederspiegelt. Die Kindheit und Jugend waren gekennzeichnet von den wirtschaftlichen Nöten in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. In dieser Zeit entfalteten sich jedoch beim Straßenfußball, beim „Kanälchersspielen“, das überragende Talent und die Liebe des kleinen Fritz zum Fußballsport. Als Mitspieler fungierten seine jüngeren Brüder Ludwig und Ottmar sowie einige Buben aus dem Umfeld der Uhlandstraße.

Vater Walter meldete seinen ältesten Sprössling schließlich beim FV Kaiserslautern an, der 1931 in „1. FC Kaiserslautern“ umbenannt wurde. Den Vereinsverantwortlichen wurde bald bewusst, welch ein Kleinod mit Fritz in der Schülermannschaft kickte. 1934, ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, nahm die Presse erstmals Notiz von Fritz, der so geschickt und elegant mit dem Ball um-zugehen verstand. Etwa in jener Zeit trat Fritz Walter eine Ausbildungsstelle bei einer Bankagentur in Kaiserslautern na, die er mit einem Notendurchschnitt von 1,0 abschloss. Anschließend bekam er eine Anstellung bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern, wo er bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht arbeitete. Kaum 18 Jahre alt, wurde er in der ersten Mannschaft des 1. FCK eingesetzt und bald ereilten ihn Berufungen in Auswahlmannschaften des Südwestens. Fritz Walters Torjägerqualitäten und seine Spielintelligenz führten zu einer Empfehlung des für den Fußball-Südwesten zuständigen Obmannes Karl Hohmann an Reichstrainer Sepp Herberger. Prompt erfolgte die Einladung zu einem Lehrgang mit der Nationalmannschaft – und am 14. Juli 1940 konnte Fritz Walter in Frankfurt zu seinem ersten Länderspiel auflaufen und sich gleich mit drei Treffern in die Torjägerliste eintragen. Auf Anhieb war er Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft geworden.

Inzwischen hatte der Zweite Weltkrieg Europa erschüttert – und auch der junge Nationalspieler Fritz Walter wurde zur Wehrmacht eingezogen. Er konnte zwar weiterhin für seinen FCK spielen, wurde aber schließlich nach Lothringen abkommandiert, wo er einige Zeit für Diedenhofen (Thionville) zum Einsatz kam. Einige Begegnungen bestritt er überdies mit der „Pariser Soldatenelf“. Im Herbst 1942 hatte sich die Kriegssituation derart verschärft, dass die Länderspiele eingestellt werden mussten. Gegen die Slowakei absolvierte Fritz sein 24. und vorerst letztes Länderspiel für Deutschland – und er konnte damals nicht ahnen, dass es neun endlos lange Jahre dauern würde, bis er zu seinem 25. Spiel mit der Nationalmannschaft auflaufen konnte.

Der Krieg war Fritz Walter zuwider. Seine Versetzung 1943 nach Italien, auf die Insel Sardinien, brachte ihm eine Infektion mit der tückischen Krankheit Malaria; fortan machte ihm heißes Klima immer zu schaffen. Was Fritz Walter damals nicht wusste, war die Tatsache, dass hinter den Kulissen zwei „Schutzengel“ in Gestalt des Reichstrainers Herberger und des erfolgreichen Jagdfliegers und Geschwaderkommodore Hermann Graf die Versetzung des Infanteristen Walter zur Luftwaffe und zur Einheit Grafs nach Ostfriesland betrieben und durchgesetzt haben. Fritz konnte nach Deutschland zurückkehren und alsbald in der von Hermann Graf aufgestellten Soldatenmannschaft auch wieder Fußball spielen. Für Fritz Walter schien es wie ein Wunder, dass er in Zeiten des „Totalen Krieges“ mit den „Roten Jägern“ an vielen Orten wieder dem Fußball nachjagen durfte.

Kurz vor Ende des Krieges ergab sich die Einheit von Oberst Graf den Amerikanern, zum Entsetzen von Fritz und seinen Kameraden wurden sie jedoch der Sowjetarmee ausgeliefert. Über das Lager Budweis gelangte Fritz in ein Gefangenenlager auf rumänischem Boden, Marmaros Sziget, wo er, völlig deprimiert, einen erneuen Ausbruch der Malaria-Erkrankung erdulden musste. Wieder waren es schier wunderbare Fügungen, die ihn im Lager mit seinem Bruder Ludwig zusammenführten und ihm durch den Fußball einen besonderen Status verschafften. Er durfte mit der Wachmannschaft des Lagers Fußball spielen und schließlich blieb ihm und Bruder Ludwig der Abtransport ins Innere Russlands oder nach Sibirien erspart. Mit den ebenfalls im Lager befindlichen Franzosen und Luxemburgern wurden sie mit dem Einverständnis des fußballbegeisterten Lagerkommandanten einem Westtransport zugeordnet. Nach Westen, das bedeutete in die Heimat, nach Kaiserslautern!

Kurz nach seiner Rückkehr im Oktober 1945 begann Fritz Walter bereits mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft beim 1. FC Kaiserslautern. Fritz leitete persönlich das Training und wirkte überdies als Geschäftsführer seines Vereins. Die wichtigste und schwierigste Herausforderung in den bitterarmen Nachkriegsjahren war das Beschaffen von Nahrungsmitteln und Ausrüstungsgegenständen, um überhaupt Fußball spielen zu können. Legendär wurden die Spiele des 1. FCK gegen Mannschaften aus dem ländlichen Umfeld der Stadt Kaiserslautern, die man „Kalorien-“ oder „Grumbeerspiele“ nannte. Doch in dieser Zeit wuchs eine Mannschaft heran, die bald zu den besten in Deutschland zählen sollte, die sich durch Kameradschaftsgeist und inneren Zusammenhalt sowie durch Spielfreude auszeichnende Walter -Mannschaft.

Unter Fritz Walters Führung und ab dem Spätsommer 1946 durch den aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrten Bruder Ottmar Walter verstärkt, stellten sich in den nachfolgenden „goldenen Jahren“ für den 1. FCK jene Erfolge ein, die ihn zu den besten Vereinen Deutschlands werden ließen: Meisterschaften in der Französischen Besatzungszone, Südwestmeisterschaften, 1951 und 1953 Deutsche Meisterschaften, 1948, 1954 und 1955 Vizemeisterschaften – und vor allem die Berufung von fünf Spielern des 1. FCK in die Nationalmannschaft (Fritz und Ottmar Walter, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel) für das Weltmeisterschaftsturnier in der Schweiz 1954.

Für Fritz Walter war der sensationelle Gewinn des Endspiels gegen die „Wundermannschaft“ aus Ungarn, das „Wunder von Bern“, der strahlende Höhepunkt ihrer Laufbahn als Fußballspieler. Es folgte 1958 ein weiterer Einsatz bei der Weltmeisterschaft in Schweden, bei der aber eine schwere Verletzung im Halbfinale das Ende seiner internationalen Karriere bedeutete. Ein Jahr später zog sich Fritz Walter auch vom Spielbetrieb beim FCK zurück. Er wurde Repräsentant mehrerer Firmen und betrieb in Kaiserslautern zunächst einen Waschsalon und schließlich ein großes Kino, das „Universum“. Als Berater des Dorfvereins SV Alsenborn geriet Fritz in den Sechzigerjahren beim „Wunder von Alsenborn“ noch einmal in die Schlagzeilen. Soziales Engagement bewies Fritz Walter mit seinem jahrelangen Einsatz für die Sepp-Herberger-Stiftung und mit seinem unermüdlichen Engagement für den Fußballernachwuchs, der ihm sehr am Herzen lag. Am 17. Juni 2002 ist Fritz Walter in seinem Haus in Alsenborn verstorben, ein halbes Jahr nach dem Tod seiner geliebten Frau Italia, mit der er 53 Jahre lang eine glückliche Ehe geführt hatte.

Überdauert haben nach dem Tod von Fritz Walter die Werte, für die er ein Leben lang eingetreten ist: Heimatverbundenheit und Vereinstreue – nie hat er für einen anderen Verein als den FCK spielen wollen, auch nicht für unfassbar viel Geld, „dehääm is dehääm“ pflegte er zu sagen; Kameradschaftlichkeit, Fairness, Anstand, Respekt und Toleranz waren für ihn selbstverständlich — und vor allem zeichneten ihn eine sympathische Bescheidenheit und Natürlichkeit aus, die seine Grundtugenden darstellten. Fritz Walter wurde mit zahlreichen Ehrungen bedacht; er ist der einzige Ehrenbürger des Landes Rheinland-Pfalz, Ehrenbürger der Stadt Kaiserslautern, Ehrenspielführer des DFB und des FCK; eine Straße, eine Schule, ein Eisenbahnzug, das Stadion in Kaiserslautern und ein bestimmtes Wetter tragen seinen Namen.

Das ihm gewidmete Museum des 1. FC Kaiserslautern sieht es als seine vornehmste Aufgabe an, die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Fußballspieler und Menschen wach zu halten und seine kostbaren Ideale und Werte auch zukünftigen Generationen zu vermitteln und zu verdeutlichen.

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