Am 21. Juni 1925 wurde das FCK-Ehrenmal eingeweiht. 95 Jahre später erinnert sich Matthias Gehring an die bewegte Geschichte dieses Denkmals.

Jedes Jahr am Totensonntag (Ewigkeitssontag) gedenkt der FCK seiner verstorbenen Mitglieder. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde am FCK-Ehrenmal, das heute wenige Meter unterhalb des „Werner-Kohlmeyer-Tores“ steht, am südlichen Rand des Trainingsplatzes hinter der Osttribüne, optisch schützend eingerahmt von Bäumen und Sträuchern neben der „Fritz-Walter-Straße“. Doch das Ehrenmal stand nicht immer dort. Vor 95 Jahren wurde die aus einem Buntsandstein gehauene Skulptur anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Vereins enthüllt und eingeweiht. Der ursprüngliche Standort war jedoch das westliche Ende der Südtribüne. Also am Übergang zwischen Südtribüne und Westtribüne, etwa der Bereich zwischen heutigem FCK-Fanshop und dem südwestlichen Marathontor des Fritz-Walter-Stadions.

Die feierliche Einweihung des Ehrenmals fand dort am 21. Juni 1925 im Rahmen eines Festaktes statt. Übrigens wurde an jenem Tag auch das aufwendig mit goldenen Bordüren verzierte FVK-Banner an die Vereinsverantwortlichen überreicht, das heute im FCK-Museum aufbewahrt wird. Der Hobbyhistoriker Eric Lindon widmete sich im Rahmen seiner Recherchen und Forschungsarbeiten natürlich auch dem FCK-Ehrenmal und hat auch über dieses Stück FCK-Geschichte bereits referiert. Doch Angaben darüber, wer eigentlich die überlebensgroße Sandsteinskulptur geschaffen hat, sind nach heutigen Erkenntnissen wohl leider verloren gegangen. „Ich habe bisher keinerlei Hinweise finden können, wie der Künstler oder Bildhauer hieß, der die Skulptur geschaffen hat. Aber vielleicht findet sich jemand im FCK-Umfeld, der in privaten Unterlagen hierzu noch Erkenntnisse liefern kann“, zeigt sich Eric Lindon optimistisch, diese noch offene Frage vielleicht doch noch irgendwann klären zu können. Dies ist übrigens nur einer von mehreren noch ungeklärten Aspekten.

Das Ehrenmal bekam über die Jahrzehnte hinweg nicht nur zweimal einen anderen Standort, sondern musste auch Veränderungen seiner baulichen und optischen Ausprägung über sich ergehen lassen. Ursprünglich war das Denkmal in drei Elemente gegliedert. Die Basis war als senkrechter, mehr als zwei Meter hoher, säulenartiger Kreiszylinder angelegt, der als Zyklopenmauerwerk aus Buntsandstein ausgeführt war. Der mittlere Teil des Denkmals war ursprünglich als eine auf dem Kopf stehende Pyramide gestaltet, die aus der Deckenplatte des zylindrischen Unterbaus ragte und die in regelmäßigem Schichtenmauerwerk mit grob bossierten Sandsteinen gestaltet war. Gekrönt wurde das Bauwerk auf der umgekehrten Pyramide durch eine überlebensgroße Skulptur, die ebenfalls aus Buntsandstein gemeißelt war. Die Skulptur, eine in der Hocke kauernde männliche Figur, die in Trauer gebeugt den gesenkten Kopf mit der rechten Hand bedeckt, die auf dem angewinkelten rechten Knie stützt. Wie auf alten Fotografien von der Einweihungszeremonie zu sehen ist, wurde der Lendenbereich der trauernden Figur von einem stilisierten textilen Element bedeckt, das später entfernt wurde und die Figur heute vollständig nackt zeigt.

Ursprünglich war das FCK-Denkmal den Toten des Ersten Weltkriegs gewidmet. Hierzu war an der Basis-Säule eine zweispaltige, vermutlich in Bronze gegossene Metalltafel angebracht. Diese trug die Überschrift „Treuer Deutscher Helden Ehrentafel – 1914 – 1918“ und listete die Namen aller 72 im Ersten Weltkrieg gefallenen FVK-Clubmitglieder auf. Bemerkenswert mutet an, dass hierauf keine Phönix-Mitglieder aufgeführt wurden. Auch hier fehlen Informationen, wie viele Mitglieder von Phönix im Krieg ihr Leben ließen und so hofft auch Eric Lindon hier noch entsprechende Hinweise zu finden. „Vielleicht hat auch hierzu jemand noch Unterlagen in seinem privaten Bestand“, hofft der Hobby-Historiker auf Klärung beispielsweise durch FCK-Fans, die vielleicht über Unterlagen in ihren Privatarchiven verfügen.

Der gesamte Habitus des Denkmals entsprach dem damaligen Zeitgeist, den Opfern des Krieges einen Helden-Mythos zu verleihen. Allzugerne posierte man in jenen Zeiten auch für Erinnerungsfotos vor einem Denkmal dieser Art. Selbstverständlich auch beim FCK. So interpretiert Prof. Dr. Markwart Herzog in seinem Beitrag Trauer- und Bestattungsrituale der Fußballvereinskultur daher auch, dass die Bildsprache dazu eindeutig sei: „Hier versammeln sich die Lebenden zum Fototermin bewusst im Vordergrund eines Monuments für die gefallenen Vereinsmitglieder.“ Ein aus der Zeit stammendes Mannschaftsfoto würde so auch „zur Repräsentation einer Gemeinschaft der Lebenden und der Toten: eine die Generationen übergreifende communio ludorum“ avancieren. Durchaus nachvollziehbar, vergegenwärtigt man sich, dass der damalige Umgang mit Denkmalen dieser Art eine etwas andere Erinnerungskultur als heute darstellte. Wobei auch noch in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des FCK das Monument ehrfurchtsvoll als „das Wahrzeichen auf dem Betzenberg“ bezeichnet wird. Bemerkenswert erscheint heute auch, dass sich der ursprüngliche Standort tatsächlich im Stadioninneren, im Bereich der Stehtribünen Süd-West befunden haben muss. Dies zeige auch, wie wichtig das Monument dem Club und seinen Mitgliedern früher gewesen sein müsse, so Markwart Herzog. Weiteres Indiz für den früheren Stellenwert, sei die Integration des Denkmals in den Zuschauerbereich, seine auffallende Höhe und exponierte Stellung im Stadion Betzenberg.

Doch besonders lange blieb das damalige Helden-Denkmal an seinem ursprünglichen Standort nicht stehen. Als ein Orkan in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1930 die hölzerne Südtribüne komplett zerlegte, hatte das Denkmal zwar keine nennenswerten Schäden davongetragen. Zumindest finden sich in Chroniken keinerlei Hinweise dazu. Doch im Zuge des Wiederaufbaus der zerstörten Tribüne entschied man sich, den Standort auf die östliche Stadionseite zu verlegen, direkt hinter die Ostkurve, aber außerhalb des Zuschauerbereiches. Es ist durchaus möglich, dass im Zusammenhang mit dieser Standortverlegung auch die bauliche Gestaltung verändert wurde. Auf Bildern, die das Denkmal am neuen Standort zeigen ist der Mittelteil mit der auf dem Kopf stehenden Pyramide verschwunden, die zylindrische Basis-Säule jedoch deutlich erhöht. Die oben beschriebene Skulptur schließt das Denkmal noch immer nach oben hin ab. Dieser Zustand dürfte bis 1963/1964 unverändert geblieben sein, ehe dann der nächste Umzug zum nunmehr dritten Standort anstand. Erstaunlich mutet übrigens auch an, dass die an der Vorderseite angebrachte Gedenktafel nach 1945 nicht um die Namen der Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges erweitert wurde. Zumindest überschrieb der Verein in seiner Festschrift von 1950 eine veröffentlichte Liste von Kriegsopfern mit dem Titel „Unseren Toten der beiden Weltkriege zum Gedächtnis“, auf der auch das Ehrenmal abgebildet ist.

Nachdem sich der FCK 1963 für die neu gegründete Bundesliga qualifiziert hatte, musste gemäß den Vorgaben des DFB auch das Betzenberg-Stadion ausgebaut und erweitert werden. Hierzu musste das Denkmal weichen. Zunächst gab es wohl Überlegungen, den Bau sogar ganz verschwinden zu lassen. Doch dann entschied man sich zu einer erneuten Standortverlegung an den Platz, an dem das Ehrenmal auch heute noch steht. In der Vereinszeitschrift „Rund um den Betzenberg“ wurde in Heft 6 von 1964 ausgeführt, dass man das Denkmal nach den Plänen des damaligen Vereinsmitgliedes Adi Schaurer dort am Rande des Trainingsgeländes dann erneut eingeweiht hat. Optisch nun deutlich zurückgenommen. Erhalten blieb im Grunde nur die krönende Sandstein-Skulptur, die nicht mehr auf einer senkrechten Säule, sondern einem rechteckigen querliegenden Sockel ruht, der aus sechs großen Quadern gemauert wurde und dessen Krönung mit kleingliedrigen quadratischen Sandsteinplatten abgedeckt wurde. Hierauf erhebt sich nach wie vor die trauernde Skulptur. Der Sockel trägt nun nur noch die schlichte Inschrift „Unseren Toten“ und solle damit an alle verstorbenen Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern erinnern – laut Prof. Dr. Markwart Herzog wohl auch ein Indiz für einen Wandel in der Deutung der Erinnerungskultur. Verschwunden war übrigens nicht nur der säulenartige Unterbau, sondern auch die Gedenktafel mit den 72 Namen. „Auch die Metalltafel ist bis heute verschwunden“, bedauert Hobby-Historiker Eric Lindon, der immer noch hofft, dass jemand Auskunft über den Verbleib geben kann.

Bis zur Jahrtausendwende nagte der Zahn der Zeit gehörig an der aus dem Blickfeld gerückten Gedenkstätte. Auf Initiative von Vereinsikone Norbert Thines und der Barbarossa-Brauerei mit ihrem Seniorchef Peter-Werner Landry wurde mit Unterstützung des 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2013 der Bildhauermeister Richard Henkel beauftragt das Ehrenmal zu restaurieren. Die stark angegriffene Oberfläche des Sandsteins musste dafür aufwändig abgeschliffen werden. Am Freitag, den 30. August 2013 wurde das restaurierte Ehrenmal im Rahmen einer ansprechenden Feierstunde erneut eingeweiht. Alljährlich stellt sich der Verein seiner besonderen Verpflichtung, an die Verdienste all seiner verstorbenen Mitglieder zu erinnern. Vor einer Gedenkstätte, die auf eine sprichwörtlich „bewegte“ Geschichte zurückblickt und die nun ihr 95-jähriges Bestehen feiert.

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