Am 24. Juli 2019 hätte Seppl Pirrung seinen 70. Geburtstag gefeiert. Matthias Gehring erinnert an einen Spieler, der nicht nur wegen seiner drei Tore beim 7:4 gegen den FC Bayern München im Jahre 1973 am Betze unvergessen bleibt.

Schon beim ersten Betzenberg-Besuch im Jahr 1974 stach dem Verfasser diese Zeilen jener Spieler ins Auge, der mit unnachahmlicher Eleganz Gegenspieler wie Slalomstangen zu umkurven vermochte. Nicht selten zum Preis einer derben Grätsche, die den Tatendrang und die spielerische Leichtigkeit des nur 1,67 Meter großen, aber äußerst quirligen Offensivspielers der Roten Teufel  jäh unterbrach. „Wer is’n der do, wo do an de Linie so Gas gebt?“, lautete die Frage an den als Stadionbesucher und FCK-Begeisterten schon etwas erfahreneren Bruder an der Seite. „Des is de Pirrung“, lautete die lapidare Erklärung, ehe das Bruderherz sich wieder lautstark dem Spielgeschehen zuwandte – „hopp…auf geht’s…Eff – Eff – Eff-Ze-Ka!“ Zu diesem Zeitpunkt trug der so adhoc in den Fokus gerückte virtuose Dribbelkünstler, der sich so nachhaltig ins Gedächtnis der FCK-Historie des Autors eingebrannt hatte, bereits im siebten Jahr das Trikot des FCK. Bis 1981 sollte es den Fans der Roten Teufel noch vergönnt sein, den sympathischen Wirbelwind auf der Außenbahn bewundern zu dürfen.

Dabei schien die fußballerische Karriere des Josef „Seppl“ Pirrung bereits vorbei zu sein, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Im Alter von 17 Jahren hatte der am 24. Juli 1949 in Münchweiler an der Rodalb geborene Mittelfeldspieler bereits Einladungen in die Südwest-Auswahl erhalten und war 1967 in die Deutsche Jugend-Nationalmannschaft berufen worden. Der fußballerisch beim FC Münchweiler aufgewachsene quirlige Lockenkopf, erlitt während eines Spieles in der Türkei nach einer harten Attacke seines Gegenspielers einen Schien- und Wadenbeinbruch. Sein Einsatz nach einer halbjährigen Zwangspause kam dann jedoch offensichtlich zu früh. Bereits im ersten Spiel brach er sich erneut sein Schien- und Wadenbein. Doch Seppl Pirrung gab nicht auf und kämpfte sich noch im gleichen Jahr in die Mannschaft zurück. Bei einem Einsatz in einem Freundschaftsspiel war es wieder eine sprichwörtlich knochenharte Attacke eines gegnerischen Abwehrspielers, die zum bereits dritten Schienbeinbruch führte. Die schweren Verletzungen haben sein rechtes Bein um drei Zentimeter kürzer werden lassen. Mit bewunderungswürdiger Energie nahm Pirrung erneut einen Anlauf und überzeugte schließlich mit seinen eleganten Flankenläufen und Dribblings die Verantwortlichen des FCK, ihm 1968 einen Lizenzspielervertrag anzubieten. So wechselte Seppl Pirrung zur Saison 1968/69 vom FC Münchweiler an den Lauterer Betzenberg.

In der Saison 1969/10 dann sein Bundesliga-Debüt. Beim Auswärtsspiel auf Schalke am 30. August 1969 wurde er knapp 10 Minuten vor dem Ende eingewechselt. Der FCK verlor 2:4. Sein erster Einsatz in der Bundesliga vor heimischem Publikum absolvierte Seppl Pirrung beim 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt am 27. September 1969, als er schon nach einer knappen halben Stunde eingewechselt wurde. Schnell erkannten die Betzenberg-Besucher, welch einen Rohdiamanten der FCK mit diesem Flügelflitzer gewonnen hatte. Wenn der Lockenkopf zu einem Dribbling ansetzte und an seinem Gegenspieler vorbei zog, gerieten die Fans in Verzückung. Aber wehe dem Abwehrspieler, der sich nur durch hartes Einsteigen gegen den Rechtsaußen zu helfen wusste und ihn unfair zu Fall brachte! Die Volksseele kochte, wenn sich der nur 1,67 Meter große Seppl auf dem Rasen wälzte. Es wurde quasi zum Ritual, dass der Übeltäter dann für den Rest der Begegnung gnadenlos ausgepfiffen wurde! Ein Stil-Element, das dem Betzenberg seine legendäre Atmosphäre verlieh.

Nicht immer gelang es Seppl Pirrung eine gegnerische Grätsche mit seiner ihm eigenen scheinbaren Leichtigkeit überspringen zu können. Oft genug wurde er getroffen oder gar rüde von den Beinen geholt und handelte sich so auch immer wieder neue Verletzungen ein. Seppl Pirrung war jedoch nicht nur ein glänzender Dribbler und Vorlagengeber, er überzeugte auch als beherzter und erfolgreicher Torschütze. In 359 Pflichtspielen für den FCK und erzielte er immerhin 72 Tore! Davon gelangen ihm 61 Treffer in seinen insgesamt 304 Bundesligaeinsätzen für den FCK! Gemeinsam mit Klaus Toppmöller und dem legendären „Schwedenpfeil“ Roland Sandberg bildete Seppl Pirrung Mitte der 1970er Jahre ein torgefährliches Sturmtrio. Seppl Pirrung hat während seiner dreizehnjährigen Profikarriere auf dem Betzenberg viele überragende Spiele geliefert, doch keines ist so im kollektiven Gedächtnis verankert geblieben, wie der legendäre 7:4-Sieg im Oktober 1973 gegen den FC Bayern München. Seppl Pirrung narrte an diesem Nachmittag reihenweise die prominenten Abwehrspieler des FC Bayern um Franz Beckenbauer und erzielte gegen Sepp Maier drei sehenswerte Tore.

Legendär soll allerdings auch ein Auftritt von Seppl Pirrung im Aktuellen Sportstudio des ZDF gewesen sein, wo der sympathische und bodenständige Angreifer auch sprachlich keinen Hehl aus seiner Herkunft gemacht hatte. Eine Anekdote, der sich Ende 2011 sogar die Süddeutsche Zeitung in einem Beitrag zu legendären Sportstudio-Momenten angenommen hatte und dabei auch auf Kommentare und Zeugenberichte von Usern des Fan-Forums „Der Betze brennt“ verwies. Demzufolge soll der Moderator des aktuellen Sportstudios ihn zunächst mit „Herzlich Willkommen, Josef Pirrung aus Pirmasens“ begrüßt haben soll, worauf der Flügelflitzer quasi muttersprachlich entgegnet haben soll, „nä, isch bin de Pirrung Seppl aus Münchweiler“! Im weiteren Verlauf des Abends im Interview angesprochen auf eines seiner technisch vollendeten Tore, habe Pirrung sich zunächst in seinem besten Hochdeutsch erinnert. „Ich habe mir den Ball an der Mittellinie erkämpft, habe ein oder zwei Gegner umspielt und bin dann an der Strafraumgrenze angekommen“, um dann in feinstem „Pälzer“ Dialekt zu vollenden, „…un dann hab‘ isch mer de Balle vun links uff rechts gelegt un neigebumbt!“ Für jeden sprachlich versierten Pfälzer alles kein Problem, doch der Moderator verstand Pirrung nicht und  fragte nach. „Was haben Sie getan?“ Pirrung antwortete, „ei, isch hab‘ mir de Balle vun links uff rechts gelegt un neigebumbt!“ Nachdem die Verständnisprobleme im Studio weiterhin mit Händen zu greifen waren, wiederholte Seppl Pirrung deshalb noch einmal, „isch hab‘ mir de Balle vun links uff rechts gelegt un neigebumbt!“ Der Moderator soll danach das Thema gewechselt haben.

Seppl Pirrung steht auch für Einsätze im Nationaltrikot. In der Saison 1970/71 debütierte er in der U23-Nationalmannschaft, für die er im gleichen Jahr noch drei weitere Partien absolvierte. Den Sprung in den WM-Kader 1974 schaffte er zwar nicht, aber nach der Heim-Weltmeisterschaft gehörte er beim Länderspiel in Basel gegen die Schweiz zumindest zum Kader, wenn auch ein Einsatz verwehrt blieb. Sein Einsatz-Debüt folgte dann beim EM-Qualifikationsspiel in Griechenland, als er in der 81. Minute eingewechselt wurde. Einen Monat später gehörte er beim EM-Qualifikationsspiel gegen Malta in La Valetta dann zur Startelf. Es waren seine beiden einzigen A-Länderspiele. Zwischen 1975 und 1977 folgten noch vier Einsätze in der B-Nationalmannschaft. Mit Seppl Pirrung trug somit erstmals nach dem Ende der Walter-Ära wieder ein FCK-Spieler das Nationaltrikot.

Leider blieb das Verletzungspech Seppl Pirrung treu. Im Jahre 1981 brach er sich den Knöchel, das Ende seiner großen Karriere beim FCK zeichnete sich ab. Sein Abschied aus Kaiserslautern verlief bedauerlicherweise mit Groll. Er wechselte zu Wormatia Worms, wo er noch für eine Saison anheuerte und noch 27 Begegnungen absolvierte. Verbittert blieb Seppl Pirrung dem Betzenberg lange fern. Erst 2010 nach der zwischenzeitlichen Rückkehr des FCK in die Bundesliga, besuchte er, bereits schwer erkrankt, gemeinsam mit seiner Tochter das FCK-Heimspiel gegen den FC Bayern München. Die Roten Teufel gewannen 2:0.

Beim Amateurverein VfL Neustadt hatte Pirrung nach seinem Wormser Engagement seine Laufbahn übrigens ausklingen lassen. Der Familienvater Seppl Pirrung wohnte weiterhin in Kaiserslautern, spielte gerne Tennis und war erfolgreich als Sportartikelverkäufer tätig. Nachdem bei ihm ein tückisches Krebsleiden diagnostiziert worden war, verstarb er am 11. Februar 2011 viel zu früh im Alter von erst 61 Jahren. Er wurde auf dem Hauptfriedhof Kaiserslautern auf seinen ausdrücklichen Wunsch in aller Stille und nur im Kreise seiner engsten Familie beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte fand er dort nur 60 Meter vom Ehrengrab seines Idols Fritz Walters entfernt. Seine Grabstelle gehört heute zum festen Anlaufpunkt, der regelmäßigen Friedhofsführungen, die vom Förderverein des FCK-Museums initiiert und durchgeführt werden. Seppl Pirrung wäre am heutigen Tag 70 Jahre alt geworden. Ein Anlass mit Bewunderung und Anerkennung auf den einstigen Publikumsliebling zurückzublicken, ihm weiterhin ein ehrendes Andenken zu wahren, ihn als leidenschaftlichen Vollblut-Fußballer und vorbildlichen Kämpfer sowie als positives Beispiel eines vereinstreuen Profis in Erinnerung zu behalten und auch den Menschen Seppl Pirrung nie zu vergessen.

Ähnliche Meldungen

  • NIKE 11teamsports
  • BFD Buchholz
  • Coca-Cola
  • Krombacher
  • Krombacher
  • RPR 1.

Betze News

29.09.2022 16:09
Morgen zeigen wir Euch ab 15.30 Uhr die Pressekonferenz vor unserem Heimspiel gegen @EintrachtBSNews 👀 #Betze #FCKEBS 📺 t.co/L4Bf0CFzBM

Anzeige

28.09.2022 18:36
Wir haben uns #FCK-Neuzugang Philipp Klement geschnappt und mit ihm über dan Rand des grünen Rasens geblickt. Herausgekommen ist ein sehr interessantes Gespräch - viel Spaß beim Anschauen! #Betze t.co/bU0NmFt3jB
28.09.2022 15:39
Wir suchen wieder unseren Fan-Tipper! Du bist bereits Teilnehmer unseres Tippspiels mit @lottorlp und möchtest auch mal Dein Wissen unter Beweis stellen, um unser Fan-Tipper des Spieltags werden? Alles, was Du dafür tun musst, ist Dich hier einzutragen: t.co/tKUbSjmWxa
28.09.2022 13:16
Aufgepasst 📣 Morgen veranstalten wir gemeinsam mit unserem Partner @krombacher eine Autogrammstunde im GLOBUS-Markt in Ludwigshafen! Zwei unserer Roten Teufel werden vor Ort sein, um von 17 bis 18 Uhr die Stifte glühen zu lassen 🖊️🔥 #Betze
28.09.2022 10:20
Am Sonntag empfangen die Roten Teufel @EintrachtBSNews auf dem #Betze! Wir haben hier für alle Stadionbesucher die wichtigsten Infos zusammengefasst: t.co/JIpDLkQX7g // #FCKEBS
26.09.2022 15:48
📅 So sieht die Trainingswoche unserer Roten Teufel vor dem Heimspiel gegen @EintrachtBSNews aus! #Betze #FCKEBS
24.09.2022 11:13
Wolfgang Wolf feiert heute seinen 65. Geburtstag. Von 1976 bis 1988 trug er das Trikot der Roten Teufel, lief 242-mal für den #FCK in der Bundesliga auf. Später stand er in den Jahren 2005 bis 2007 auch als Trainer an der Seitenlinie am #Betze. Wir wünschen alles Gute! 🥂
22.09.2022 20:58
Der #FCK setzt sich mit 4:1 beim FK Pirmasens durch. Vor 1.356 Zuschauern trafen Muhammed Kiprit, zweimal Lex Tyger Lobinger und Mike Wunderlich für die Roten Teufel, Silas Gutmann markierte in der Schlussphase den Ehrentreffer für den FKP: t.co/LRq2iEetUB #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:42
Auch der FKP trifft, zum 1:4 durch Silas Gutmann (81.) #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:40
Der vierte Treffer für den FCK nach 79 Minuten. Mike Wunderlich, heute als Kapitän auf dem Feld, trifft aus rund 12 Metern, nachdem Lex Tyger Lobinger die Kugel mit dem Kopf abgelegt hat. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:21
3:0 für den #Betze, Lex Tyger Lobinger, eine Stunde gespielt. #FKPFCK
22.09.2022 20:20
1.356 Zuschauer sind hier im Stadion Husterhöhe dabei. Die sehen jetzt die Einwechslung von Angelos Stavridis, der für Max Hippe in die Partie kommt. Schön dass Du wieder auf dem Platz stehst, Gekas. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 20:09
@TBoyd91 @rossikl Wir geben uns Mühe;-)
22.09.2022 20:02
Zur Halbzeit steht es beim Testspiel zwischen dem FK Pirmasens und dem #FCK 2:0 für unsere Mannen in Rot. Kiprit und Lobinger erzielten die Treffer für den #Betze. Auch die zweite Halbzeit könnt ihr live im Fanradio verfolgen: t.co/Qiqr36dr4f #FKPFCK
22.09.2022 19:48
Da lässt Aaron Opoku mal eben drei Gegner aussteigen, und wie. Da bekommt man schon richtig Lust, unseren Neuzugang auch bald im Ligaspiel zu sehen. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 19:40
Schönes Ding! Mo Kiprit mit starker Vorbereitung, flankt auf den Kopf von Lex Tyger Lobinger, der trifft zum 2:0 für den #Betze (34.). #FKPFCK
22.09.2022 19:33
Rund eine halbe Stunde gespielt hier in Pirmasens. Der FCK führt 1:0 beim FKP, ist die klar dominierende Mannschaft und hatte noch einige gute Offensivaktionen, die bislang aber noch nicht zu einem weiteren Treffer geführt haben. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 19:12
Nach sechs Minuten die Führung für den #FCK. Muhammed Kiprit mit einem feinen Solo, tanzt dann auch noch FKP-Keeper Florian Barth aus und schiebt die Kugel zum 0:1 ein. So kann es hier gerne weitergehen. #Betze #FKPFCK
22.09.2022 19:06
Die Mannschaften sind auf dem Feld. Schiedsrichterin Fabienne Michel hat die Partie soeben angepfiffen. Und jetzt alle rüber zum Fanradio: t.co/Qiqr36dr4f #FKPFCK #Betze
22.09.2022 19:04
Die Spieler, die heute nicht im Kader stehen, sind natürlich trotzdem hier in Pirmasens im Stadion vor Ort. #Betze #FKPFCK