Der 21. Juni 1959 war ein Sonntag, Ein herrlich sonniger Sommertag, an dem ein bis heute denkwürdiges Fußballspiel auf dem Betzenberg angepfiffen wurde und zu dem rund 20.000 Zuschauer auf den Betzenberg hinauf pilgerten. Es war das Abschiedsspiel von Fritz Walter, das heute vor genau 60 Jahren stattfand und das den fußballerischen Schlussstrich unter der Karriere des größten und großartigsten Fußballers der je für den 1. FC Kaiserslautern gespielt hat, bedeutete. Racing Club (RC) Paris hieß der Gegner in jener denkwürdigen Partie, mit der Fritz Walter sich als Vertragsfußballer aus dem aktiven Geschehen auf dem grünen Rasen verabschiedete und letztmals das Trikot der Roten Teufel überstreifte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der in Kaiserslautern geborene bodenständige Ausnahmefußballer bereits mehr als 30 Jahre lang für den 1. FC Kaiserslautern gespielt. 1928 hatte er als junger Steppke bei der FCK-Jugend seine Leidenschaft für den Fußball von der Straße auf das Spielfeld verlagert. 1938 hatte er seinen ersten Einsatz in der ersten Mannschaft der Roten Teufel. Nur durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen spielte er bis 1959 nur für einen einzigen Verein, für seinen 1. FC Kaiserslautern. Über diese Zeit hinweg hatte er für seinen Herzensverein insgesamt 384 Spiele absolviert und 327 Tore erzielt. Zahlen und Werte die heute undenkbar wären und sind. „Meine aktive Tätigkeit im 1. FC Kaiserslautern muss ich jetzt beenden, weil man mit 38 Jahren einfach nicht mehr Sonntag für Sonntag Höchstleistungen vollbringen kann, die das Publikum in Erinnerungen an frühere Zeiten vielleicht von mir erwarten könnte. Außerdem ist es Zeit im Verein auch der Jugend Platz zu machen“, gab Fritz Walter in einer kleinen Ansprache über seine Beweggründe im Alter von 38 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen zu Protokoll.

Blumen und Glückwünsche gab es bereits vor Spielbeginn durch FCK-Präsident Hans Adolff sowie durch Offizielle von Verband und Politik. Mit 4:2 bezwangen die Roten Teufel den Gast aus der französischen Landeshauptstadt. Immerhin mehrfacher französischer Meister und Pokalsieger. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel war, der Ehrgeiz war insbesondere bei den FCK-Akteuren von Anbeginn da, sich nicht die Blöße geben zu wollen, dass der langjährige Weggefährte am Ende womöglich mit einer Niederlage in den wohlverdienten Fußball-Ruhestand verabschiedet würde. Auch Bruder Ottmar Walter war nach mehrmonatiger Verletzungspause auf den Punkt wieder fit und ließ es sich natürlich nicht nehmen, beim Abschiedsspiel für seinen Bruder mit dabei zu sein. Ein letztes Mal eine FCK-Startformation, die das Prädikat Walter-Elf trug! In einem Spiel vor herrlicher Kulisse, das letztlich mehr bot, als es ein Freundschaftsspiel vielleicht versprochen hätte. Beide Mannschaften zeigten einen tollen Fußball mit brillanten Spielzügen, sehenswerten Kombinationen und spannenden Torraumszenen.

Die beiden Walter-Brüder sorgten nach einer knappen Viertelstunde dann auch für den ersten FCK-Treffer. Fritz bereitete vor, Bruder Ottmar verwandelte. Doch die Gäste kamen noch vor der Pause nach einer Flanke von links durch Jean Topka zum Ausgleich. Nach dem Wechsel kamen auf Lauterer Seite Dieter Schönborn, Rudolf Kraft und Nachwuchsspieler Jürgen Neumann für Ottmar Walter, Erwin Scheffler und Werner Mangold. Knapp 10 Minuten nach Wiederanpfiff ging die Lauterer Auswahl dann wieder in Führung. Nach einem schnellen Konter konnte Rudi Kraft flanken und Willi Wenzel vollendete per Kopf. Nach etwas mehr als einer Stunde dann der dritte Lauterer Treffer, als Friedel Späth nach einem sehenswerten Solo zum 3:1 vollendete. Doch auch die Gäste steckten nicht auf und kamen knapp 20 Minuten vor dem Ende der Partie durch Francis Magny noch einmal zum Anschlusstreffer. Die Roten Teufel stellten den alten Torvorsprung dann aber rund zehn Minuten vor dem Abpfiff wieder her, als Dieter Schönborn nach Vorarbeit von Fritz Walter mit einem satten Schuss zum 4:2 traf. Kurz vor dem Ende wäre Fritz Walter nach einem feinen Dribbling um ein Haar sogar noch ein fünfter Lauterer Treffer gelungen, aber sein Gewaltschuss strich nur um Zentimeter am Tor der Franzosen vorbei.

Alles auch unter den Augen von Nationaltrainer Sepp Herberger, der langjähriger Förderer des begnadeten Fußballers war. Herberger würdigte in der Halbzeitpause des Abschiedsspiels den langjährigen Nationalspieler und bezeichnete ihn dabei als „den größten Fußballer, den der deutsche Fußball je hervorgebracht hat“. Wobei Herberger in seiner mit viel Applaus bedachten Ansprache nicht nur die fußballerischen Verdienste seines Vorzeigenationalspielers würdigte, sondern auch den Menschen Fritz Walter in den Mittelpunkt stellte und mit den Worten schloss, „für uns bleibt er für alle Zeiten unser Fritz!“

1940 wurde Fritz Walter von Bundestrainer Sepp Herberger erstmals in die Nationalmannschaft berufen. In seinem ersten Spiel gelangen ihm beim 9:3 Sieg gegen Rumänien gleich drei Treffer. Durch den Krieg konnte er die Karriere in der Nationalelf erst 1951 fortsetzen. Ein 13:2 Sieg gegen die Schweiz in Zürich. Insgesamt kam Fritz Walter auf 61 Länderspiele, in denen er 33 Tore erzielte. Seinen größten Triumph als Nationalspieler feierte er zusammen mit seinen vier Lauterer Mitspielern Ottmar Walter, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich und Horst Eckel bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Unvergessen der Triumph beim 3:2 im Endspiel gegen die vermeintlich übermächtigen Ungarn, der zum Mythos wurde. Auch 1958 nahm er noch einmal an der Weltmeisterschaft in Schweden teil. Es sollte sein letzter internationaler Auftritt im Adler-Trikot sein.

An jenem 21. Juni 1959, auf den Tag sechs Jahre nachdem der 1. FCK im Berliner Olympiastadion vor über 80.000 Zuschauern gegen den VfB Stuttgart mit einem 4:1 Sieg seinen zweiten Titel zur Deutschen Meisterschaft einfuhr, endete eine Fußballerkarriere, die sich im Vergleich zu einer Fußball-Vita heutiger Prägung wie ein Märchen liest. Trotz diverser Angebote aus dem Ausland, unter anderem vom AS Nancy (Frankreich) und Atletico Madrid, hielt Fritz Walter seinem Verein stets die Treue. Obwohl die Offerten für damalige Verhältnisse exorbitant hoch waren. Die Spanier boten ihm beispielsweise einen Zwei-Jahres-Vertrag, der mit einer halben Million D-Mark dotiert war! Für die Zeit ein schon fast unfassbares Vermögen. Auch nach seiner aktiven Karriere verlor Fritz Walter seinen Heimatverein nie aus dem Blick. Er war so oft wie möglich als Zuschauer zu Gast auf dem Betzenberg, wo einst seine Karriere begann. Aber er engagierte sich nach seiner aktiven Zeit auch an anderer Stelle. Beispielsweise als Berater für den SV Alsenborn oder als Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung für die Resozialisierung Strafgefangener. Seit dem 31. Oktober 1985 trägt das Stadion Betzenberg seinen Namen.

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