Am 19. April 2019 hätte der kurz vor seinem 50. Geburtstag viel zu früh verstorbene Werner Kohlmeyer seinen 95. Geburtstag gefeiert. Hans Walter erinnert sich an einen FCK-Helden, einen der fünf Lautrer Weltmeister.Fotos und Filmdokumente vom triumphalen Empfang der Weltmeister-Mannschaft 1954 zeigen einen strahlenden Werner Kohlmeyer sowohl am Fenster des Sonderzuges als auch – gemeinsam mit Sohn und Tochter – im blumengeschmückten Cabrio bei der Jubelfahrt durch Kaiserslautern.

Nicht erst seit dem 4. Juli 1954 und dem Endspielsieg über Ungarn gehörte Werner Kohlmeyer zu den prominentesten Spielern des FCK – er stand zu diesem Zeitpunkt bereits vier Mal mit der Walter-Mannschaft im Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft, zwei Mal – 1951 und 1953 – konnte er mit seinen Kameraden den Meistertitel erringen, 1948 und 1954 wurde er – wie auch im darauffolgenden Jahr 1955 – Vizemeister. Seit 1941 spielte der am 19. April 1924 geborene Lautrer für den FCK und 1951 berief ihn Bundestrainer Sepp Herberger erstmals in die Nationalmannschaft.

Werner Kohlmeyer war indes nicht nur ein vorzüglicher Fußballspieler, sondern ein sportliches Multitalent. Bereits in den frühen Vierzigerjahren erreichte er bei Leichtathletik-Wettkämpfen im Weit- und Hochsprung hervorragende Platzierungen und nach dem Krieg wurde er sogar Pfalzmeister im Fünfkampf. Gerne und ausdauernd spielte er auch Tischtennis.

Seine Schnelligkeit, seine Technik, sein kämpferischer Einsatz und seine Kopfballstärke prädestinierten ihn für den Stammplatz des linken Verteidigers. Dabei entwickelte er auch Qualitäten im Offensivspiel und er konnte so manches wichtige Tor erzielen.

Seinen Kriegseinsatz ab 1943 überstand Kohlmeyer unbeschadet und nach Kriegsende kehrte er – wie Fritz und Ludwig Walter – bald in seine Heimatstadt zurück. Als Fritz Walter im Herbst 1945 mit dem Aufbau und Training einer neuen FCK-Mannschaft begann, gehörte Werner Kohlmeyer zu den Stützen dieser künftigen „Walter-Elf“.

Beruflich fand der gelernte Lohnbuchhalter Kohlmeyer eine sichere Anstellung bei Kammgarnspinnerei Kaiserslautern. 1946 heiratete er seine Carola, ein Junge und zwei Mädchen gingen aus der Ehe hervor.

Nach den Meisterschaften mit seinem FCK erlebte Werner Kohlmeyer mit dem WM-Triumph von Bern den Höhepunkt seiner Karriere; er erhielt Anerkennung in jeder nur denkbaren Form und ein glückliches Leben schien sich für ihn abzuzeichnen.

Doch es sollte ganz anders kommen. Seine Kinder erinnern sich, dass die Familie nach der Rückkehr des Vaters aus der Schweiz mit Geschenken überhäuft wurde – neben einem neuen Kühlschrank, einer Waschmaschine, einem Fernsehgerät und einer Nähmaschine gab es sogar einen Goggo-Roller.

„Unser Vater und auch die anderen Weltmeister waren nicht darauf vorbereitet, wie man mit dem Ruhm und all dem Lob umzugehen hat“, sagte seine Tochter rückblickend. Werner Kohlmeyer, von Tochter und Sohn übereinstimmend als liebevoller Vater bezeichnet, der mit seinen Kindern gerne Ball und Tischtennis spielte, Wild-West-Romane verschlang, Süßspeisen liebte und gelegentlich einmal musizierte – er konnte Geige, Akkordeon und Klavier spielen –, veränderte sich.

Seine Leidenschaft für das Skatspielen steigerte sich zur Spielsucht, sein Konsum an Alkohol und Zigaretten stieg, falsche Freunde und gewissenlose Schulterklopfer verleiteten ihn zum Glücksspiel. Kohlmeyers Gutmütigkeit wurde ihm zum Verhängnis.

Der von ehemaligen FCK-Spielern und Bekannten als vorbildlicher und zuverlässiger Kamerad, im Spiel oft als „Retter in höchster Not“ geschilderte Kohlmeyer verbrachte immer mehr Zeit in Gaststätten, Probleme in der Firma führten zum Verlust des Arbeitsplatzes und schließlich zerstritt er sich mit seinem Trainer beim FCK, mit Richard Schneider. 1957 endet Kohlmeyers großartige Laufbahn beim FCK. 262 Oberliga- und 38 Endrundenspiele hatte er für seinen Verein bestritten, an insgesamt fünf Meisterschaftsendspielen teilgenommen und 22 Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft absolviert. Bis 1960 war er noch für den FC Homburg und für Bexbach am Ball, ehe er 1963 beim SV Morlautern seine Fußballerlaufbahn beendete.

Werner Kohlmeyers Suchtverhalten führte in die soziale Isolation; 1965 wurde die Ehe geschieden, Leidtragende waren seine Frau und die Kinder. Freunde, die ihm helfen wollten, wehrte er aus falschem Stolz ab, Sepp Herberger vermittelte ihm noch einmal eine Arbeitsstelle – vergebens. Krankheitsbedingt konnte er seine eigene Situation nicht mehr realistisch einschätzen; die Aufforderung, sich in ärztliche Betreuung und in eine Entziehungskur zu begeben, wies er von sich.

Werner Kohlmeyer verließ Kaiserslautern, selbst seine Kinder und sein Freund Fritz Walter wussten längere Zeit nicht, wo er sich aufhielt. Als Bauhilfsarbeiter schlug er sich durch, ehe er als Pförtner in einem Verlagshaus in Mainz eine Anstellung fand, die ihm eine neue, eine letzte Chance eröffnete. In dieser Phase seines Lebens begab er sich in ärztliche Obhut. Seine Mutter zog zu ihm in die kleine Wohnung nach Mainz, um ihn zu unterstützen, zu versorgen. Er gewann Abstand vom Alkohol und gestand sich ein, dass die Zeit seines größten sportlichen Triumphes seinen Absturz einleitete. „Alles, was danach kam, war ein einziges vergeudetes Wochenende“, soll er gesagt haben.

In den frühen Morgenstunden des 26. März 1974 starb der deutsche Meister und Weltmeister Werner Kohlmeyer in seiner Wohnung in Mainz nach einer Herzattacke – kurz vor seinem 50. Geburtstag.

Werner Kohlmeyer, der untadelige Sportsmann und großartige Fußballer, hat es gerade vor dem Hintergrund seiner einmaligen Leistungen, wie auch seines gebrochenen Lebensweges verdient, in bester Erinnerung behalten zu werden. Seine Suchterkrankung mit all ihren Folgen kann und darf nicht verdrängen, wer Werner Kohlmeyer war: Ein liebenswerter, gutmütiger und stets hilfsbereiter Kamerad und Mensch.

Die Museumsinitiative des FCK ließ zu Kohlmeyers Ehren mit Unterstützung des DFB, des FCK, des Sportbundes Pfalz und der Initiative Leidenschaft auf dem Hauptfriedhof einen würdigen Gedenkstein mit einer Bronzeplakette errichten. Eingeweiht wurde das Denkmal am 4. Juli 2017, dem Jahrestag des Endspieles von Bern, im Beisein des Weltmeisters Horst Eckel und zahlreicher Vertreter von Stadt, Politik und Sport sowie den Kindern und Enkeln Kohlmeyers.

Beim FCK wird Werner Kohlmeyer nicht in Vergessenheit geraten.

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