Otto Rehhagel vollbrachte 1998 gemeinsam mit dem FCK die bisher größte Leistung im deutschen Fußball – ein kleines Wunder in der Pfalz, dass für großen Jubel und internationale Anerkennung sorgte. Aber Otto Rehhagel hat nicht nur 1998 und nicht nur mit dem FCk Großes erreicht – anlässlich seines 80. Geburtstags am 9. August 2018 blickt Hans Walter von der Initiative Leidenschaft auf die Karriere von „König Otto“ zurück.

Otto Rehhagels Karriere als Bundesligaspieler des 1. FC Kaiserslautern endete im September 1971 mit einer schweren Verletzung, die er sich im Heimspiel gegen den MS Duisburg zugezogen hatte. Zu diesem Zeitpunkt konnte der 34-jährige Rehhagel auf eine stolze Bilanz von 226 Bundesligaspielen bei Hertha BSC Berlin und beim 1. FC Kaiserslautern zurückblicken. 148 dieser Spiele hat er als Läufer und Abwehrspieler für die „Roten Teufel“ bestritten und dabei 17 Tore erzielt. (Rehhagel war ein sicherer Elfmeterschütze.) Vor der Einführung der Bundesliga hatte Otto Rehagel bereits 90 Spiele für Rot -Weiß Essen bestritten.

In Kaiserslautern war man froh, dass man mit Rehhagel für die Saison 1966/67 einen erfahrenen, kampfstarken Spieler hat verpflichten können. Er wurde bis zu seiner Verletzung in der Saison 1971/72 wegen seines kompromisslosen Spiels und seiner Zuverlässigkeit eine unverzichtbare Stütze der FCK-Abwehr.

Niemand konnte ahnen, dass Otto Rehhagel erst nach seiner Spielerkarriere als Trainer Geschichte schreiben würde. Voraussetzung hierfür war seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer unter Anleitung der Fußball-Kapazität Hennes Weisweiler in den Jahren 1969 und 1970.

Seine erste Trainerstation war ausgerechnet der in Abstiegsgefahr geratene Fußballverein aus dem nordpfälzischen Städtchen Rockenhausen. Rehhagel schaffte das nicht für möglich Gehaltene und führte den FVR aus der Gefahrenzone ins gesicherte Mittelfeld. Schon damals bewies Rehhagel großes Geschick im Umgang mit seinen Spielern, auf die er sehr gut einzugehen verstand und die er von Belastungen und Alltagsproblemen weitgehend befreit wissen wollte, damit sie sich ganz auf ihren Fußballsport konzentrieren konnten.

Nach Rockenhausen folgten mehrere Verpflichtungen bei namhaften Vereinen, wobei er mit Fortuna Düsseldorf 1980 einen ersten großen Erfolg feiern konnte – den Gewinn des DFB-Pokals. Anschließend folgten 14 ertragreiche Jahre bei Werder Bremen. Er führte den Club von der Weser an die Spitze der Bundesliga, wurde mit Werder 1988 und 1993 zwei Mal Deutscher Meister und 1991 und 1994 Pokalsieger – nur 1990 musste er einem anderen Verein im Pokalendspiel den Vortritt lassen – dem 1. FC Kaiserslautern. 1992 triumphierte Rehhagel mit Bremen beim Gewinn des Europapokals der Pokalsieger.

Sein Wechsel zum FC Bayern München im Jahre 1995 erwies sich im Nachhinein als Fehler – der selbstbewusste Rehhagel kam mit der besonderen Hierarchie beim FC Bayern nicht zurecht und hatte mitunter auch seine Probleme mit den in der Medienstadt München stark konzentrierten Presse- vertretern. 1996 kam es schließlich zur Aufhebung von Rehhagels Vertrag mit den Bayern.
Inzwischen hatte der 1. FC Kaiserslautern seinen ersten Bundesligaabstieg erlebt – und Ex-Trainer Kalli Feldkamp verkündete im FCK – Aufsichtsrat vor Beginn der ersten Saison in der Zweiten Liga, dass man mit „einem ausgezeichneten Trainer“ in die neue Spielzeit starten werde – nicht mit Eckhard Krautzun. Und dieser „ausgezeichnete Trainer“ erwies sich als Otto Rehhagel.
Nach durchwachsenem Start kam der FCK in der Zweiten Liga immer besser in Fahrt und konnte problemlos den Wiederaufstieg bewältigen. Der FCK und sein Trainer Otto Rehhagel gehörten wieder der obersten Spielklasse an.

Rehhagel vermochte seine Mannschaft sinnvoll zu verstärken und startete mit einem sensationellen 1:0-Erfolg ausgerechnet bei seinem Ex-Club Bayern München in die Bundesligasaison 1997/98. Welch eine Genugtuung für den wenige Monate zuvor abgeschobenen Trainer Rehhagel!

Während der ganzen Spielzeit konnte der FCK die großen Bayern hinter sich lassen und auch das Rückspiel auf dem Betzenberg gewinnen. Am vorletzten Spieltag der Saison 1997/98, am 2. Mai 1998, erlebten 38 000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion einen glänzend herausgespielten 4:0-Erfolg des FCK über den VfL Wolfsburg und somit den Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft.

Hubert Kessler dankte im Namen des FCK der Mannschaft und ihrem Trainer Otto Rehhagel – sie hatten den sofortigen Wiederaufstieg geschafft und waren als Aufsteiger Deutscher Meister geworden, eine bislang einzigartige Leistung im deutschen Fußball.

Im Oktober 2000 ging die Ära Rehhagel in Kaiserslautern zu Ende. Ex-Weltmeister Andy Brehme übernahm das Kommando auf der Trainerbank; Anzeichen der großen Finanzkrise machten sich bemerkbar.

Bald wurde jedoch bekannt, dass Otto Rehhagel, inzwischen 63 Jahre alt, 2001 erstmals mit der griechischen Nationalmannschaft ein Länderteam als Trainer übernommen hat. Mit dieser Mannschaft sicherte er die Qualifikation Griechenlands zur Europameisterschaft 2004 – und mit dem sensationellen Gewinn des Europameistertitels hat Otto Rehhagel endgültig den Fußball – Olymp erklommen. 2010 nahm Rehhagel Abschied von Griechenland, wo er bis heute als „Rehakles“ verehrt wird.

Mit einem kurzen Engagement bei Hertha BSC Berlin endete Otto Rehhagels langer und außerordentlich erfolgreicher Weg als Fußballprofi und Trainer.

In Erinnerung geblieben sind seine glänzenden Erfolge – insbesondere mit Werder Bremen, dem 1. FC Kaiserslautern und der griechischen Nationalmannschaft, aber auch seine Bonmots und seine scharfzüngigen Reaktionen auf die Kritiken von Journalisten.

Dem Vorwurf, seine Trainingsmethoden seien reichlich antiquiert, begegnete Rehhagel mit der entwaffnenden Aussage „Modern spielt, wer gewinnt!“.

Otto Rehhagel, der Junge aus Essen, der leidenschaftliche Fußballspieler und -lehrer, der (nach eigenen Worten) Gerechtigkeitsfanatiker und „demokratische Diktator“, der Mann, der seine „Entscheidungen immer mit Verstand und mit seiner Ehefrau Beate“ traf, der heute noch gerne an seinen ersten großen Erfolg mit dem FV Rockenhausen zurückdenkt, wird am 9. August 80 Jahre alt.

Der FCK und alle Betze-Fans wünschen Otto Rehhagel in Dankbarkeit für seine Leistungen und Erfolge als FCK-Spieler und -Trainer zu seinem Geburtstag Gesundheit, Freude und alles erdenklich Gute – und ein frohes Wiedersehen im September beim Erinnerungsspiel an den Gewinn der Meisterschaft vor 20 Jahren.

Mehr Informationen zur „Heimkehr der Helden“ gibt es hier.

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