14. September 1963. Der 1. FC Kaiserslautern verbuchte in der ersten Saison der neu geschaffenen Bundesliga nach drei Spielen zwei Punkte auf seinem Konto. Im Heimspiel gegen Werder Bremen hofften die Anhänger der „Roten Teufel“ auf den ersten Saisonsieg. Die Bremer, die den FCK zwei Jahre zuvor im Endspiel um den DFB-Pokal mit 2:0 besiegt hatten, gingen als Favoriten in diese Begegnung.

Doch der 1. FCK errang unter dem Jubel seiner Anhänger nach einer taktischen und spielerischen Meisterleistung einen verdienten 3:0-Sieg. Der alle über-ragende Spieler auf dem Feld war der niederländische Nationalspieler Jacobus Prins (rechts im Bild), den alle nur „Co“ nannten. Seit Fritz Walter hatte man keinen solch perfekten Techniker mehr auf dem Betzenberg erlebt. Prins beschäftigte mit seinen Tricks und Finten Werders gesamte Hintermannschaft, er fütterte seine Mitspieler mit Vorlagen und beteiligte sich mit strammen Schüssen an der Kanonade auf das von Bernard gehütete Tor der Bremer.

Willy Reitgaßl erzielte das Führungstor für seinen FCK. Die Entscheidung fiel in der 63. Minute, als Winfried Richter nach einem von Reitgaßl und Co Prins raffiniert ausgeführten indirekten Freistoß zum 2:0 abstauben konnte. Kurz vor Spielende erhöhte Reitgaßl zum 3:0-Endstadt.
Kaiserslauterns damaliger Oberbürgermeister Dr. Walter Sommer schloss sich begeistert dem Jubel der etwa 22.000 Zuschauer über den ersten Bundesligasieg des 1. FCK an: „Ist es nicht fantastisch, dass eine Stadt von der Größenordnung Kaiserslauterns immer wieder solche Mannschaften hervorbringt?“

Die FCK-Mannschaft hatte an diesem Nachmittag ihre Bundesligatauglichkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wobei die spielerischen Glanzpunkte, die Kabinettstückchen, dem Holländer Co Prins, zu verdanken waren. Der am 5. Juni 1938 in Amsterdam geborene Prins hatte am Pfingstsamstag 1962 zum ersten Mal in Kaiserslautern auf sich aufmerksam gemacht, als er mit seiner Mannschaft Ajax Amsterdam in der Intertoto-Runde auf dem Betzenberg gastierte und 5:4 gewann. Co Prins gehörte damals zu den Torschützen und auffälligsten Akteuren der Niederländer.

Prins war Stammspieler bei dem vielfachen niederländischen Meister Ajax Amsterdam und hatte zehn Berufungen in die Nationalmannschaft der Niederlande erhalten. Das Erstaunen war daher groß, als bekannt wurde, dass sich dieser Spieler aus der holländischen Weltstadt Amsterdam dem 1. FCK aus dem kleinen Kaiserslautern zum Bundesligastart 1963 angeschlossen hatte. Mit seinem spielerischen Können hätte Co Prins eine überragende Gestalt der jungen Bundesliga und auch der niederländischen Nationalmannschaft werden können.
Doch Prins hatte leider auch ein zweites Gesicht: Er war mitunter launisch und wirkte lustlos, desinteressiert, wenn seine Mitspieler nicht auf seine Ideen eingingen, wenn er von den Gegnern hart angegangen wurde, wenn er sich vom Schiedsrichter benachteiligt fühlte oder wenn er wegen mangelnden Trainingsfleißes konditionelle Defizite offenbarte.

Überdies bot sein Privatleben immer wieder Anlass zu Klatsch und Gerede. Prins fuhr einen chromblitzenden Cadillac, auf dessen rechtem Kotflügel wie bei einem Staatsfahrzeug ein Ständer mit der niederländischen Flagge angebracht war. Co Prins wurde öfter im Rotlichtbezirk Mannheims gesichtet, ehe er sich in die Tochter einer angesehenen Familie aus Kaiserslautern verliebte. Karin Brunn hatte eine Mannequinausbildung in Paris absolviert und war Ballettelevin am Pfalztheater Kaiserslautern. Karins Eltern missbilligten den Umgang ihrer Tochter mit dem Fußballer, dem Holländer. Doch Co Prins fand den Weg über das Dach des Elternhauses zu seiner Angebeteten.

Die Auseinandersetzung zwischen Prins und den Eltern der schönen Karin eskalierte: Die in einer Zeitungsannonce verkündete Verlobung der Beiden wurde von den Eltern für ungültig erklärt und schließlich verschwand Prins mit der damals zwanzig Jahre alten und deshalb noch minderjährigen Karin. Die Zeitungen hatten mit dieser „Entführung einer Minderjährigen“ ihre Schlagzeilen und dem Fußballer drohten massive Probleme mit der Justiz. Karin jedoch hielt unbeirrt zu ihrem „Cotje“, nach Erreichen ihrer Volljährigkeit wurde geheiratet, die Eltern nahmen die Anzeige zurück und das junge Paar führte bis zum Tode von Co Prins ein ausgesprochen glückliches Leben. Zwei Söhne gingen aus der Ehe hervor.

Fußballerisch folgten bei Prins nach großen Auftritten mit genialen Momenten immer wieder Durchhänger, er galt als egozentrisch und polarisierte die Zuschauer – seinen Bewunderern war er eine fußballerische Ausnahme-erscheinung, seine Gegner sahen in dem „Tulpenjacob“ einen trainingsfaulen Stehgeiger, der beispielsweise in einem wichtigen Spiel pausieren musste, weil er unter der Höhensonne eingeschlafen war und sich einen künstlichen Sonnenbrand zugezogen hatte …

Als der 1. FCK gegen Ende des zweiten Bundesligajahres 1964/65 in Abstiegs-gefahr geriet, lief Co Prins zu großer Form auf: Im wichtigen Spiel gegen Eintracht Braunschweig und in der entscheidenden letzten Begegnung in Frankfurt fand er zurück in die Rolle des großen Spielmachers und glänzte in beiden mit jeweils 2:1 gewonnenen Spielen als Torschütze. In Frankfurt wurden Prins und der Schütze des zweiten FCK-Tores, Willi Wrenger, von begeisterten Fans auf den Schultern vom Platz getragen.
Viele Fußballfreunde in der Pfalz bedauerten, dass Co Prins nach dieser Saison mit seiner jungen Familie nach Amsterdam zurückkehrte.

Nach seinem zweiten Engagement bei Ajax zog es Co Prins in die USA. Dort spielte er als Profi in Pittsburgh und in New York – und er wirkte an der Seite von Sylvester Stallone, Pelé und Bobby Moore in dem Spielfilm „Escape to Victory“ mit, der Verfilmung eines ernsten Geschehens aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Schließlich gelangte Prins zurück nach Europa, wo er in Maastricht, Arnheim und Helmond noch einmal kurze Verträge erfüllte, ehe er seine Spielerlaufbahn beendete und als Trainer kleinerer Verein im niederländisch-belgischen Grenzraum für einige Jahre aktiv war. In dieser Zeit baute er sich im Zentrum von Antwerpen ein Bistro auf, das „Prince Pub“. Nebenher spielte er nun gerne Tennis. Freunde und Stammgäste seines Bistros bedrängten im Herbst 1987 den einstigen Nationalspieler, eine Antwerpener Alte-Herren-Mannschaft zu verstärken. Co Prins ließ sich überreden und trat am 25. September 1987 in dem östlich von Antwerpen gelegenen Ort Schilde zu seinem ersten AH-Spiel an. Prins hatte längere Zeit nicht mehr gründlich trainiert, er erzielte dennoch ein Tor, jubelte – und brach zusammen. Im Alter von nur 49 Jahren verstarb Prins auf dem Fußballfeld. Seine letzte Ruhestätte fand er auf einem Friedhof in Antwerpen.

Um den Betzenberg erinnern sich nur noch die älteren FCK-Freunde an diesen Co Prins, den großartigen Techniker, den lebensfrohen Holländer, der mit seinen Extravaganzen als eine Art Paradiesvogel einen Hauch Weltstadt in das beschauliche Kaiserslautern brachte, der mit seinen Leistungen die Zuschauer abwechselnd hell entzückte oder in die Verzweiflung trieb, für so viel Gesprächsstoff sorgte – und viel zu früh hat sterben müssen. Auf seine Weise verkörpert auch Co Prins, der erste Ausländer des FCK in der Bundesliga, ein Stückchen der großen FCK-Historie und er hat es – gerade zu seinem 80. Geburtstag am 5. Juni – verdient, nicht vergessen zu werden.

Text: Hans Walter, der sich auf jedes Spiel mit Co Prins gefreut hat.

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