Der 1. FC Kaiserslautern trauert um seinen ehemaligen Trainer Friedel Rausch, der am Samstag, 18. November 2017, im Alter von 77 Jahren verstarb. Er hat einen großen Fußabdruck in der Geschichte der Roten Teufel hinterlassen und wird immer Teil der FCK-Familie bleiben. Am Betzenberg werden wir ihn in ehrender Erinnerung behalten. Zum Abschied blickt Hans Walter auf einen großartigen Fußballlehrer und Menschen zurück.

Bei der Vorbereitung des Erzähl- und Erinnerungsabends mit ehemaligen und aktuellen Trainern des FCK im Oktober wurde seitens des FCK-Museums eine Einladung an unseren früheren Bundesligatrainer Friedel Rausch gerichtet. Friedel Rausch wäre sehr gerne zu der Diskussionsrunde mit den ehemaligen Kollegen nach Kaiserslautern gekommen, doch sein Gesundheitszustand ließ die weite Fahrt von Horw bei Luzern in die Pfalz leider nicht mehr zu.

Mit Bedauern, aber auch großem Verständnis, wurde die Absage Friedel Rauschs zur Kenntnis genommen. Gerade Friedel Rausch hätte so viel aus seinem reichen Fußballerleben als Bundesligaprofi und Trainer mehrerer Mannschaften im In- und Ausland und insbesondere über seine knapp dreijährige Zeit beim FCK zu berichten gewusst.

Nur fünf Wochen nach dem Erinnerungsabend in der Walter-Elf-Lounge des Fritz-Walter-Stadions erreichte uns die traurige Nachricht, dass Friedel Rausch verstorben ist. Für viele Anhänger der Roten Teufel gilt er nach wie vor als eine der bedeutendsten Trainerpersönlichkeiten, die auf dem Betzenberg wirkten. Und mit Wehmut erinnern wir uns, dass ihm und seiner Mannschaft am Ende der Saison 1993/94 nur zwei Pünktchen zu einer großen Sensation fehlten: Der FCK musste damals dem FC Bayern München nach einem grandiosen Finale mit sechs hintereinander gewonnenen Spielen den Vortritt lassen und sich mit der Vizemeisterschaft begnügen.

Für Friedel Rausch, der zu Beginn der Saison 93/94 Rainer Zobel als FCK-Trainer abgelöst hatte, war der zweite Platz dennoch ein großartiger Erfolg.

Rausch, 1940 in Duisburg geboren, war als Spieler zunächst für seinen Heimatverein, den MSV Duisburg, fünf Jahre lang aktiv, ehe er zu Schalke 04 wechselte. Für die „Knappen“ bestritt Friedel Rausch als zuverlässiger und kampfstarker Defensivmann 195 Bundesligaspiele. Einer Hundeschnauze verdankte er indes besondere Beachtung weit über die Grenzen Deutschlands hinaus: Am 6. September 1969 wählte sich während einer Spielunterbrechung in der Begegnung Dortmund gegen Schalke 04 der Schäferhund eines Ordners ausgerechnet Friedel Rauschs Popo für einen kräftigen Biss. Rausch musste behandelt werden, erhielt eine Tetanusspritze, konnte die Partie aber fortsetzen – behielt jedoch zeitlebens eine sichtbare Erinnerung an den diensteifrigen Hund zurück.

Friedel Rauschs Laufbahn als Trainer begann 1971 bei seinem Verein Schalke 04. Nach einem Engagement bei Eintracht Frankfurt, mit der er den UEFA-Pokal gewinnen konnte, zog es ihn ins Ausland und er trainierte namhafte Vereine in den Niederlanden, in Griechenland und in der Schweiz. In Luzern konnte er mit seiner Mannschaft schweizerischer Meister werden. Er wechselte nach Basel und wurde im Sommer 1993 schließlich vom 1. FC Kaiserslautern als Cheftrainer verpflichtet.

Sein erstes Jahr auf dem Betzenberg verlief, wie angedeutet, sehr erfolgreich und endete mit der Vizemeisterschaft der Roten Teufel. In der Saison 1994/95 konnte der FCK unter Rauschs Trainingsleitung einen respektablen vierten Tabellenplatz erreichen.

Zur Spielzeit 1995/96 verließen Spielgestalter Ciriaco Sforza und Torjäger Stefan Kuntz den FCK – beide konnten jedoch nicht adäquat ersetzt werden. Als verhängnisvoll erwiesen sich in jener ersten Saison mit der Drei-Punkte-Regel neben einer Auswärtsschwäche die vielen Unentschieden bei den Heimspielen. Der FCK geriet in Abstiegsnot und am 23.03.1996 versuchte die FCK-Führung das Unheil durch einen Trainerwechsel abzuwenden.

Nachfolger von Friedel Rausch wurde Eckhard Krautzun, er konnte aber den ersten Abstieg des FCK in seiner Bundesligageschichte nicht verhindern.

Friedel Rausch erlebte während seiner Zeit beim FCK beachtliche Erfolge in den DFB-Pokalrunden. 1994 scheiterte der FCK erst im Viertelfinale gegen Bremen nach Elfmeterschießen und 1995 schieden die Roten Teufel im Halbfinale in Mönchengladbach nach einem 0:1 in der Verlängerung aus. Ein Jahr später qualifizierte sich der FCK unter Friedel Rausch am 27.02.1996 nach einem Halbfinalsieg gegen Leverkusen sogar für das Endspiel in Berlin, bei dem er wegen seiner Beurlaubung nicht mehr auf der Trainerbank Platz nehmen konnte.

Viele große Spiele des FCK unter Friedel Rauschs Leitung sind in lebendiger Erinnerung geblieben. Als Beispiele seien zwei Spiele genannt: die Flutlichtbegegnung des FCK am 14.04.1994 gegen Bayern München vor 40.000 Zuschauern, in der die Roten Teufel groß auftrumpften und nach Toren von Martin Wagner, Ciriaco Sforza und zwei Mal Pavel Kuka den Favoriten mit 4:0 bezwingen konnten.

Einen echten „Betze-Krimi“ erlebten 33.000 Zuschauer am 20.09.1994 in der zweiten Pokalrunde im Spiel gegen Borussia Dortmund. Die stark besetzten Dortmunder führten drei Mal – wurden aber abgefangen und in der Verlängerung noch 6:3 geschlagen. Für Aufsehen sorgte damals das Gerangel zwischen dem Trainerteam aus Dortmund mit Henke und Hitzfeld sowie Friedel Rausch, der temperamentvoll auf einen Ellenbogenschlag Möllers gegen Sforza hinwies, der daraufhin verletzt ausgewechselt werden musste.

Nach seinem Abschied vom Betzenberg war Friedel Rausch noch im österreichischen Linz, kurzzeitig in Mönchengladbach, beim 1. FC Nürnberg und in Frankfurt tätig. Seine große Laufbahn ließ er 2006 schließlich in Luzern als Sportdirektor ausklingen. In der landschaftlich wundervollen Umgebung Luzerns hatte Friedel Rausch seine zweite Heimat gefunden.

Und dort, in Horw, ereilte ihn nun nach längerer Krankheit am 17.11.2017 im Alter von 77 Jahren der Tod.

Seine Freunde in Kaiserslautern trauern um den Fußballer und Trainer Friedel Rausch, der mit seiner souveränen Art, seinen klaren Vorstellungen und seinem trockenen Humor so gut auf den Betzenberg passte und dem alle von Herzen gegönnt hätten, die Sensationsmeisterschaft von 1994 zu gewinnen und beim Pokalsieg 1996 noch auf der Trainerbank des FCK zu sitzen.

Unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie von Friedel Rausch.

Am Betzenberg werden wir ihn in ehrender Erinnerung behalten.

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