Weltmeister, Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern, Vorbild für Generationen. Horst Eckel hat in seinem Leben viel erreicht. Zu seinem 87. Geburtstag zollt Hans Walter der FCK-Ikone Tribut.

Kaum etwas ist so vergänglich, wie in sportlichen Disziplinen erworbener Ruhm. Nur wenigen Persönlichkeiten des Sports war es vergönnt, über einen Zeitraum von mehr als einer Generation in der Erinnerung der Mitmenschen lebendig zu bleiben. Eine überragende Ausnahme bilden indes die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die 1954 überraschend Weltmeister geworden sind – nach dem Endspielsieg gegen die damals als bestes Team der Welt gerühmten Ungarn. Jene deutschen Spieler, die unter Trainer Sepp Herberger und mit ihrem Kapitän Fritz Walter den goldenen WM-Pokal nach Deutschland holten, stehen fast 65 Jahre nach dem Triumph von Bern noch immer auf ihrem hohen Siegerpodest, genießen nach wie vor dankbare Anerkennung und liebevolles Ansehen. Neun Jahre nach dem Ende des verheerenden Zweiten Weltkrieges und der NS-Diktatur erweckte der sportliche Erfolg von 1954 in dem geschlagenen, geteilten, geächteten und jahrelang international isolierten Deutschland neues Selbstbewusstsein, vermittelte den Menschen in der jungen Bundesrepublik Zuversicht und Selbstwertgefühl und kennzeichnete die Epoche des rasanten Wiederaufbaues und des beginnenden Wirtschaftswunders. Für immer wird die politische und wirtschaftliche Erholung der Bundesrepublik Deutschland nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und den nachfolgenden Not- und Hungerjahren mit dem Erringen der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in engem Zusammenhang stehen.

Horst Eckel, Spieler des 1. FC Kaiserslautern, reiste als 22-Jähriger mit der Nationalmannschaft zum WM-Turnier in die Schweiz. Als jüngster Spieler des Teams wurde er oft „Benjamin“ genannt. Hinter Horst Eckel lag aber bereits eine Fußballerkarriere, die ans Wunderbare grenzt. Der 1932 geborene Horst Eckel spielte als Kind bereits begeistert Fußball und wurde nach Kriegsende zum Torjäger in der Jugendmannschaft seines Heimatortes Vogelbach in der Westpfalz. Mit einer Sondergenehmigung konnte er bereits 1947 bei Spielen der Aktivenmannschaft eingesetzt werden und als schneller und technisch versierter Stürmer erzielte er Tore wie am Fließband. Kein Wunder, dass Trainer Richard Schneider vom 1. FC Kaiserslautern bald auf Horst Eckel aufmerksam wurde und ihn zum Training bei der Juniorenmannschaft des FCK einlud. Richard Schneider zeigte sich von dessen Talent ebenso überzeugt wie Fritz Walter und so erfolgte 1949 Eckels Wechsel auf den Betzenberg. Damals befand sich Horst Eckel in der Ausbildung bei der Firma Pfaff. Den Weg von Vogelbach nahe der saarländischen Grenze zu seinem knapp 30 km entfernten Arbeitsplatz bewältigte der junge Sportler bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad, später mit einem Moped.

Beim Training mit den erfahrenen Kameraden des FCK spürte Horst Eckel sofort, dass er noch vieles lernen und eifrig üben musste, um in der damals schon berühmten Waltermannschaft bestehen zu können. Fritz Walter mahnte den Jungen zu Geduld – und ein Jahr später, in der Saison 1950/51 – konnte Horst Eckel bei sechs Einsätzen als Stürmer für den FCK immerhin sieben Tore erzielen. Sein Stern begann während der Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft 1951 hell zu leuchten. In sechs Spielen kam Horst Eckel zum Einsatz und er leistete mit seinen sechs Toren in diesen Begegnungen (gegen Fürth, St. Pauli und den FC Schalke 04) einen überragenden Beitrag, dass er in Berlin mit seiner Mannschaft in das Endspiel gegen Preußen Münster einziehen konnte. Für das Finalspiel wurde Horst Eckel als Rechtsaußen nominiert und war mit seinem couragierten Spiel am 2:1-Erfolg des FCK wesentlich beteiligt, auch wenn für die beiden Lauterer Tore zur Meisterschaft sein Mittelstürmer Ottmar Walter verantwortlich zeichnete. 1951 zeigte auch Bundestrainer Sepp Herberger Interesse an dem schnellen und konditionsstarken FCK-Spieler – und Fritz Walter bezeichnete Horst Eckel dem „Chef“ gegenüber als „Windhund“, auf den man durchaus bauen könne. Bald darauf erfolgte Eckels Berufung in die deutsche Nationalmannschaft, für die er bis 1958 immerhin 32 Länderspiele absolvieren sollte.

Horst Eckel besaß natürlichen Ehrgeiz und ein hohes Maß an Disziplin und Spielverständnis. Er vermochte die taktischen Anordnungen seiner Trainer ausgezeichnet umzusetzen und Sonderaufgaben während eines Spieles zu erfüllen. So gelang auch die Umschulung des Stürmers zum rechten Außenläufer problemlos, wobei ihm seine Schnelligkeit, seine Zweikampfstärke und Hartnäckigkeit zugute kamen. Oft genug entwickelte er auch als Mittelfeldakteur starken Drang auf das gegnerische Tor, wovon in seinen 213 für den FCK bestrittenen Pflichtspielen 64 Torerfolge Zeugnis ablegen.

1953 war Horst Eckel beim zweiten Meisterschaftstriumph seines FCK gegen den VfB Stuttgart ebenso mit von der Partie, wie auch bei den Endspielniederlagen 1954 (gegen Hannover 96) und 1955 (gegen Rot-Weiß Essen).

Das Jahr 1954 bescherte mit der Weltmeisterschaft in der Schweiz Horst Eckel und seinen Kameraden von der Nationalmannschaft den glanzvollen Höhepunkt ihrer Fußballerkarrieren. Trotz einer deftigen Niederlage gegen den hohen Favoriten Ungarn konnte sich die deutsche Mannschaft in zwei Spielen gegen die Türkei durchsetzen und nach Erfolgen gegen Jugoslawien und Österreich in das Endspiel einziehen. Gegner war erneut die „Wundermannschaft“ aus Ungarn, die seit vier Jahren kein Spiel verloren, England im Wembley-Stadion bezwungen hatte und überdies Olympiasieger war. Horst Eckel und Werner Liebrich hatten sich nach Anweisung von Trainer Sepp Herberger die Bewachung der gefährlichen ungarischen Stürmer Puskas und Hidegkuti so zu teilen, dass der oft hinter den Spitzen agierende Hidegkuti seine Gefährlichkeit auch bei plötzlichen Vorstößen nicht entfalten konnte. Mit Ausnahme der aus deutscher Sicht unglücklich verlaufenen Anfangsphase des Spiels fruchtete diese Maßnahme hervorragend – und nach den Toren von Maxl Morlock und Helmut Rahn konnte Horst Eckel mit seinen Kameraden – darunter vier vom FCK – als Weltmeister das Berner Wankdorfstadion verlassen.

Horst Eckel erlebte in seiner Karriere auch Rückschläge. Ein Beinbruch setzte ihn nach der Weltmeisterschaft längere Zeit außer Gefecht, ehe er sowohl beim FCK als auch in der Nationalmannschaft seine erfolgreiche Laufbahn fortsetzen und 1958 an der Seite von Fritz Walter noch das Weltmeisterschaftsturnier in Schweden bestreiten und sich bis ins Halbfinale vorkämpfen konnte.

Wie sein Kapitän und Mentor Fritz Walter bekam auch Horst Eckel Angebote für einen Wechsel ins Ausland, doch der bodenständige und heimatverbundene Pfälzer lehnte ab. Er war allerdings klug genug, rechtzeitig für das Leben nach der Fußballerkarriere vorzusorgen. So verließ er aus beruflichen Gründen 1960 den Betzenberg, ließ sich reamateurisieren und wechselte nach Völklingen, wo er in einem großen Betrieb mit den Werksangehörigen trainierte und für die dortige Mannschaft weiterhin Fußball spielte. Nach dem Ende seiner Fußballerkarriere erwarb er sich in einem Studium die Lehrbefähigung für die Fächer Sport und Werken und war bis zu seiner Pensionierung als beliebte und kompetente Lehrkraft an der Realschule Kusel tätig.

Der stets faire, sympathische und bescheidene Sportsmann und Familienvater Horst Eckel wirkte für die Sepp-Herberger-Stiftung und bei der Initiative „Respekt!“, erhielt für sein soziales Engagement hohe Auszeichnungen und wirkte bis vor wenigen Jahren bei Benefizspielen in der FCK-Traditionsmannschaft und in Prominententeams mit. Nach ihm sind die Sportanlage seiner Heimatgemeinde, ein Gebäude der Realschule Kusel sowie ein Eisenbahnzug benannt. Horst Eckel war auch ein ausgezeichneter Tennis- und reaktionsschneller Tischtennisspieler.

Horst Eckels Ruhm als Weltmeister und Deutscher Meister des 1. FC Kaiserslautern ist dank seiner vorbildlichen Persönlichkeit auch sechs Jahrzehnte nach seinen großen Erfolgen nicht verblasst und dient auch der gegenwärtigen Generation als leuchtendes Beispiel.

Am 8. Februar 2019 feiert Horst Eckel seinen 87. Geburtstag. Nicht nur seine Anhänger und Freunde beim 1. FC Kaiserslautern gratulieren ihm von Herzen zu seinem Ehrentag, nein – ganz Fußball-Deutschland wünscht dem „Helden von Bern“ in Dankbarkeit zu seinem Geburtstag noch viele glückliche Jahre bei bester Gesundheit.

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