Vor dem spielfreien Wochenende nutzten wir die Gelegenheit, um mit FCK-Cheftrainer Michael Frontzeck über die aktuelle sportliche Situation bei den Roten Teufeln zu sprechen.

Michael Frontzeck, an diesem Wochenende ist aufgrund des Länderspiels kein Liga-Spielbetrieb. Ist das eine willkommene Pause oder ärgerlich, weil man nach dem unglücklichen Unentschieden in Zwickau lieber gleich wieder gespielt hätte?

Die Frage stellt sich für mich nicht, denn wir können es ja nicht ändern, sondern müssen das Beste daraus machen. Wir haben diese Woche genutzt, um das ein oder andere aufzuarbeiten, an Details zu feilen und weiter an der Körperlichkeit zu arbeiten. Die Jungs haben dabei wirklich sehr gut mitgezogen, und das obwohl kein Spiel ansteht. Es war eine sehr intensive Trainingswoche mit vielen Einheiten. Die meisten Trainer geben in dieser Zeit zwei Tage frei, trainieren dann und machen dann nochmal zwei Tage frei. Ich habe mich entschieden die Woche ohne Pause zu trainieren und dann drei Tage frei zu geben, da es bis zum Heimspiel gegen Fortuna Köln eine lange Woche ist. So haben gerade die jungen Spieler auch mal die Möglichkeit, ihre Familie zu besuchen und mal ein wenig aufzutanken. Es folgen dann ja auch vier Spiele in zwölf Tagen, das wird ein straffes Programm.

Gut ist die Pause natürlich vor allem im Hinblick auf die angeschlagenen Spieler, die an ihren Blessuren arbeiten können. Dennoch bin ich froh, wenn es dann nächste Woche wieder in Richtung Spieltag geht und man ein klares Ziel in seiner Arbeit hat. Ich brauche dann schon den Wettbewerb.

Wie groß ist der Ärger über das Spiel in Zwickau und den unberechtigten Elfmeter in der Nachspielzeit noch?

Man sollte das jetzt auch nicht größer machen, als es ist. Ich bin jetzt schon seit 35 Jahren in diesem Fußballgeschäft und habe in dieser Zeit viel erlebt, ich kann damit umgehen. Man muss aber auch schon sagen, dass drei Fehlentscheidungen in einer Minute sehr ungewöhnlich sind. Natürlich sind wir alle Menschen und machen Fehler. Aber erst die Elfmeterszene mit Dominik Schad, dann das Foul an Löhmannsröben, das nicht geahndet wird und dann noch der Elfmeter. Dass man sich dann ärgert, ist denke ich verständlich. Ich habe mich aber am meisten darüber geärgert, dass mein Trainerkollege öffentlich gesagt hat, der Spieler wäre vor dem Elfmeter in den Ellenbogen seines Gegners reingelaufen. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Trotz allem bleibt für mich am Ende stehen, dass wir über 90 Minuten ein gutes Spiel gemacht haben und den Sieg verdient gehabt hätten. Vor allem aber habe ich gesehen, dass wir den nächsten Schritt gemacht haben. Im Spiel gegen den KSC war schon einiges besser und stabiler, nur konnten wir uns da noch nicht so viele Chancen herausarbeiten. Das war in Zwickau schon ganz anders, wir hatten viele gute Chancen und waren auch durch Standards gefährlich. Ich hatte während des gesamten Spiels immer das Gefühl, wir könnten ein Tor schießen.

Dann kam das Interview von Jan Löhmannsröben, über das anschließend ganz Deutschland gesprochen hat.

Löh ist ein emotionaler Typ. Ein positiv Verrückter. Er hatte zunächst Probleme, richtig in die Mannschaft reinzukommen. Er war zu Beginn hier auch nicht in dem körperlichen Zustand, den wir uns gewünscht hätten. Er hat aber den harten und nicht immer einfachen Weg über die U21 angenommen. Ich habe von dort nur Positives von seinen Einsätzen gehört, das ist auch ein sehr wichtiges Signal, wie sich die Spieler dort geben, wie sie auftreten. Er hat jetzt gegen den KSC und in Zwickau zwei gute Spiele gemacht. Was die Sache danach angeht, sein Interview und die Reaktionen, so ist das ein sehr komplexes Thema. Der Fußball darf nicht zu steril werden, man darf nicht versuchen alle Emotionen zu kontrollieren und zur Seite zu schieben. Das Interview hat jetzt hohe Wellen geschlagen und wir haben Verständnis für die emotionale Reaktion in diesem Moment. Aber ich denke es ist auch wichtig, sich jetzt wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich Fußball.

Sechs Spieltage sind gespielt, wie sieht die bisherige Bilanz aus? Wie nimmt man die Unzufriedenheit im Umfeld wahr?

Wir sind natürlich mit der Punktausbeute nicht zufrieden. Wir haben auch Verständnis, dass die Fans unzufrieden sind, wenn es sportlich nicht läuft. Das ist ganz normal und gerade bei der jüngeren Geschichte des FCK auch völlig verständlich. Aber dennoch ist die Unterstützung hier einzigartig. Vor allem bei den Auswärtsspielen ist das Wahnsinn. Das wissen wir auch zu schätzen. Auf unsere Fans im Stadion lasse ich nix kommen. Und die haben dann auch das Recht, ihre Unzufriedenheit zu zeigen.
Wir wussten natürlich, dass der Auftakt für uns schwer wird. Es ist eine neue Liga für den ganzen Verein, wir haben eine nahezu komplett neue Mannschaft. Aber objektiv gesehen haben wir für die bisher erbrachte Leistung zu wenig Punkte geholt, das muss man ganz klar sagen. Von den sechs Liga-Spielen haben wir ein richtig schlechtes abgeliefert. Hoffenheim klammere ich da jetzt mal aus. Die späten Tore gegen Münster und Zwickau, die uns verdiente Punkte gekostet haben, machen sich natürlich bemerkbar. Wir wären aber durchaus in der Lage gewesen, so viele Punkte zu holen, dass wir vorne mit dabei wären. Für mich ist entscheidend, dass wir uns von Spiel zu Spiel als Team weiterentwickeln.

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