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10.09.2026

„Jedes Zu-Null-Spiel ist ein Bonbon“: Maxwell Gyamfi im Portrait

Fast könnte der 1. FC Kaiserslautern nach fünf absolvierten Pflichtspielen noch immer auf eine weiße Weste zurückschauen. Einzig auswärts auf St. Pauli mussten die Lautrer ein Gegentor hinnehmen und stellen damit aktuell die beste Abwehr der Liga. Eine der zentralen Säulen für die aktuelle Defensivstärke ist Innenverteidiger Maxwell Gyamfi.

„Als Verteidiger ist jedes Zu-Null-Spiel ein Bonbon. Das ist für uns immer eine sehr schöne Auszeichnung, weil das in dieser Liga auch nicht so leicht ist.“ Mit Auszeichnungen kennt sich der 26-Jährige in der noch jungen Saison ohnehin bestens aus. Nach vier Spieltagen stand der Rechtsfuß als einer von nur ligaweit zwei Spielern bereits zum zweiten Mal in der Elf des Tages des Fachmagazins ‚kicker‘. „So etwas nimmt man natürlich schon wahr, weil auch in der Mannschaft der eine oder andere Spruch kommt. Vielmehr ist mir aber wichtig, dass ich meinen Mitspielern helfen kann und wir generell als Mannschaft gut performen.“ Und das gelang dem Team von Torsten Lieberknecht in der Frühphase der Saison auch. Denn aktuell stellen die Lautrer nicht nur die beste Defensive, sondern mit acht Punkten aus vier Partien sowie dem Weiterkommen im DFB-Pokal ist auch der Saisonstart mehr als gelungen – und das trotz eines alles andere als einfachen Auftaktprogramms. So war der FCK bereits auswärts unter anderem bei den beiden Bundesliga-Absteigern VfL Wolfsburg (0:0) und FC St. Pauli (2:1) gefordert. „Unsere Zusammenarbeit und das Kollektiv ist einfach gut. Wir verstehen uns auch privat sehr gut, arbeiten jeden Tag sehr professionell und die Arbeitsmoral ist top. Jeder hängt sich voll rein – vom gesamten Trainerteam bis zu den Spielern“, verrät Gyamfi das Erfolgsrezept, dem als zentraler Innenverteidiger in der Abwehrkette eine wichtige Rolle im Defensivverbund zu Teil wird und diese aktuell sehr gut ausfüllt – wie auch die Zweikampfquote von 64 Prozent zeigt.

Ein Kind des Ruhrgebiets

Die Einstellung zur harten Arbeit für den Erfolg zieht sich dabei durch seine gesamte Vita und ist dem gebürtigen Dortmunder mit ghanaischen Eltern früh in seiner Kindheit in die Wiege gelegt worden: „Ich glaube, dass sich die Ruhrpott-Mentalität auch in meinem Charakter widerspiegelt, dass wir uns beweisen müssen, hinterher sind und immer alles geben.“ In seiner Jugend schnürte Gyamfi neben Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 auch für den VfL Bochum die Fußballschuhe, wo er schließlich auch seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Das erste Pflichtspiel im Herrenbereich absolvierte der Innenverteidiger aber knapp 300 Kilometer entfernt im Norden der Republik. Im August 2020 schloss sich der Defensivspezialist der Zweitvertretung des Hamburger SV an, um zum einen Spielpraxis zu sammeln – aber auch um ganz bewusst die bisherige Komfortzone zu verlassen, wie er verrät: „Das war für meine Persönlichkeitsentwicklung sehr wichtig. Ich wollte aus meinem gewohnten Umfeld rauskommen, eine eigene Wohnung haben und wissen, wie es ist, selbstständig zu leben.“ Ein Schritt, der sich auch sportlich bezahlt machen sollte. Denn nach zwei Jahren bei den Hanseaten folgte im Sommer 2022 der Wechsel in die 3. Liga zum VfL Osnabrück – und damit in den Profifußball. „Dadurch ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Das erste Profispiel war dann etwas ganz Besonderes, gerade wenn man viel investiert und sicherlich nicht immer alles wie geschmiert läuft.“ Ähnlich emotional dürfte für Gyamfi der Aufstieg am Saisonende gewesen sein, als Osnabrück durch gleich zwei Tore in der Nachspielzeit den Gang in die 2. Bundesliga schaffte.

Familie & Fußball an oberster Stelle

In jene Liga, in die der 1,90 Meter große Abwehrspieler im Sommer des vergangenen Jahres mit seinem Transfer zum 1. FC Kaiserslautern zurückkehrte und sich dabei ganz bewusst für den FCK entschieden hatte. „Genau darauf arbeitet man hin – für so einen Verein mit einer solchen Historie spielen zu dürfen“, erklärt Gyamfi, der seine freien Tage gelegentlich dafür nutzt, um die Eltern und Geschwister in seiner Heimat zu besuchen. Denn neben dem Fußball hat für ihn vor allem eines Priorität: seine Familie. „Sie steht für mich an oberster Stelle, unterstützt mich und kommt auch gerne zu den Spielen – wie am letzten Wochenende gegen Darmstadt.“ Ansonsten nutzt der Innenverteidiger die Zeit, um sich mit Teamkollegen zu treffen. Abseits des Rasens hat Gyamfi dabei aus seinem ersten Jahr vor allem noch eine besondere Erfahrung gemacht. Die besondere Verbindung zwischen Klub, Region und Fans hat ihn beeindruckt: „Es war und ist unglaublich zu sehen, was ein Spieltag mit fast allen Menschen hier macht und wie sich alles von null auf hundert ändert – egal, ob ein Heimspiel oder ein Auswärtsspiel ist.“ Das nächste Mal wird dies bereits wieder am kommenden Wochenende der Fall sein, wenn die Roten Teufel am Samstagnachmittag (12.09., 13:00 Uhr) beim 1. FC Magdeburg gastieren. „Wir müssen die Partie – wie die letzten Spiele auch – professionell angehen. Jeder muss an sein Leistungsmaximum kommen, fokussiert bleiben und dann kann auch dort wieder etwas möglich sein“, so Gyamfi, der natürlich mit seinem Team die nächsten drei Punkte einfahren möchte und sich mit einem Spiel zu Null sicherlich auch über das nächste Bonbon freuen würde.