Die Niedersachsen sind der Inbegriff von Effektivität, eine kompakte Defensive so wie ein echter Torjäger der Schlüssel zum Erfolg.
Dortmund, Mainz, Freiburg – wenn die Überraschungsteams der Saison aufgezählt werden, fallen wohl häufig zuerst diese Namen. Dabei ist die Platzierung von Hannover 96 nicht minder überraschend. Vor Beginn der Spielzeit hatten nicht wenige Experten die Niedersachsen zum Abstiegskandidaten Nummer eins erklärt. Nachdem die Mannschaft in der Vorsaison erst am allerletzten Spieltag den Klassenerhalt schaffte, schienen auch im Sommer die Zeichen wieder auf Abstiegskampf zu stehen.
Es folgte eine durchwachsene Vorbereitung sowie dem Aus im DFB-Pokal gegen die Spvgg Elversberg und die Anhänger der 96er stellten sich schon auf eine schwierige Spielzeit ein. Doch die Mannschaft von Coach Mirko Slomka überraschte alle, spielte eine überragende Hinserie und lag zu Beginn der Winterpause auf einem hervorragendem vierten Platz. Erstes Erfolgsgeheimnis der „Roten“ ist dabei sicher zunächst die kompakte Defensive rund um den aus Middlesborough gekommenen Österreicher Emanuel Pogatetz sowie den ehemaligen Nationalspieler Christian Schulz.
Das zweite Erfolgsgeheimnis heißt Didier Ya Konan. Der Nationalspieler der Elfenbeinküste erzielte schon 11 Saisontreffer und bildet gemeinsam mit Sturmpartner Moa Abdellaoue (5 Tore) das gefährliche Offensivduo der 96er. Mit dieser idealen Kombination aus Offensive und Defensive agieren die Hannoveraner gnadenlos effektiv. Ohne spielerisch so zu dominieren, wie es beispielsweise Tabellenführer Dortmund tut, bestrafen die Niedersachsen jeden Fehler des Gegners und gewinnen ihre Spiele oft knapp, aber eben doch souverän – Ein Torverhältnis von 30:31 spricht Bände.
Die Fans von Hannover 96 fühlen sich so seit langem Mal wieder an die ganz großen Zeiten des Norddeutschen Traditionsclubs erinnert. Die Mannschaft von der Leine hatte nämlich schon immer eine Schwäche für völlig überraschende Erfolge. 1938 wurde man zum ersten Mal Deutscher Fußball-Meister. Im Finale besiegte Hannover die bis dahin dominierende Mannschaft des FC Schalke 04 mit 4:3 nach Verlängerung und besorgte damit eine kaum für möglich gehaltene Sensation. Auch der zweite Titel der Vereinsgeschichte war eine faustdicke Überraschung. Im Finale von 1954 besiegte Hannover den damals haushoch favorisierten 1. FC Kaiserslautern – die Walter-Elf, gespickt mit fünf Nationalspielern, die wenig später in Bern Weltmeister werden sollten – mit 5:1.
Als erster Zweitligist in der Geschichte des Deutschen Fußballs holten die 96er im Jahr 1992 den DFB-Pokal, den dritten Titel der Vereinsgeschichte. Nun spielt also seit langer Zeit wieder eine Mannschaft von Hannover 96 in der absoluten Spitzengruppe der Bundesliga mit. Trainer Mirko Slomka hat infolgedessen bereits seinen Vertrag bis 2013 verlängert.
Wie effektiv Hannover 96 in dieser Saison funktioniert, musste auch der 1. FC Kaiserslautern in der Hinrunde schmerzlich erfahren. Ohne viele Torchancen gehabt zu haben, siegten die Norddeutschen durch ein Tor von Moa Abdellaoue am 6. Spieltag mit 1:0 auf dem Betzenberg. Insgesamt ist die Bilanz jedoch ausgeglichen. Bei bislang 42 Aufeinandertreffen siegte sowohl Hannover als auch Kaiserslautern exakt 18 mal, nur sechs Partien endeten Unentschieden.

