pixel
Betzi in Rot
Das Logo von NovoLine in einem Farbverlauf von Gelb zu Rot.

28.06.2010

Deutschlandtour: Leverkusen

Leverkusen ist eine junge Stadt, entstanden erst 1930 aus dem Zusamenschluss mehrerer Gemeinden und in früheren Tagen lange dem großen Nachbarn Köln zugehörig. Namensvetter ist Carl Leverkus, der 1861 seine Ultramarinfabrik in die Region verlegte und die dabei entstehende Werksansiedlung der Mitarbeiter nach seinem Familiennamen taufte. Quasi zeitgleich gründeten  Friedrich Bayer und Friedrich Weskott zunächst im nahegelegenen  Wuppertal die Firma „Bayer“, welche in der Folge so nachhaltig Einfluss nehmen sollte auf die Entwicklung der Stadt Leverkusen.
Denn 1891 zog das Unternehmen um und übernahm dabei das Firmengelände von „Leverkus“. Es war der Startschuss für die große Erfolgsgeschichte des Chemie- und Pharmazie-Konzerns der gemeinsam mit seiner eigenen Expansion, auch die Stadt wachsen ließ. Und heute? Leverkusen, das ist der Bayer-Konzern und der Bayer-Konzern ist Leverkusen. Eine solch enge Verbindung gibt es in Deutschland eigentlich höchstens noch mit Wolfsburg und Volkswagen. Und das merkt man auch an allen Ecken und Enden.
Ein Beispiel gefällig? Das „Bayer-Kreuz“, die über 300 Tonnen schwere gigantische Leuchtreklame, die so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt geworden ist, stand 2007 vor dem Aus. Weil das Logo nicht mehr ins „Corporate Design“ des Unternehmens passte, sollte es abgerissen werden. Doch eine Bürgerinitiative sammelte über 20.000 Unterschriften und rettete damit das „Kreuz des Westens“, das Symbol schlechthin für die gesamte Industrieregion. Oder man nehme das Bayer-Hochhaus. Die 126 Meter hohe ehemalige Konzernzentrale ist mittlerweile mit 5,6 Millionen Leuchtdioden besetzt und dient als eine der größten Werbefassaden der Welt.
So dominant wie der Konzern in Leverkusen ist, da ist es beinahe nur logisch, dass das Unternehmen auch den Sport der Region nachhaltig prägt und als Sponsor der eigenen „Werkself“ zu großem sportlichen Erfolg verhilft. 1904 gegründet als Betriebsmannschaft hat sich der Verein unter seinem heutigen Namen Bayer 04 Leverkusen seit dem ersten Aufstieg 1979 in der Fußball-Bundesliga etabliert. FCK-Fans erinnern sich nur ungern an das bittere 1:1 am letzten Spieltag der Saison 95/96, das den Abstieg der Roten Teufel besiegelte. Die größten Erfolge der Vereinsgeschichte sind derweil der UEFA-Cup-Sieg von 1988 sowie der Triumph im DFB-Pokal aus dem Jahre 1993.
Und doch sind es letztlich vor allem die Misserfolge die aus der jüngeren Geschichte im Gedächtnis geblieben sind. Denn den um die Jahrtausendwende herum blieb der Mannschaft, trotz oftmals toller Spielzeiten ein Titel immer wieder versagt. Unvergessen das Jahr 2002, als Bayer Leverkusen angeführt von einem überragenden Michael Ballack zunächst am letzten Spieltag beim Underdog Unterhaching die Meisterschaft verspielte und anschließend auch im DFB-Pokal- sowie im Champions-League-Finale unterlag. Und auch wenn es in der Folgezeit wieder etwas ruhiger wurde um den „Werks-Club“, das Image als Mannschaft die attraktiven Fußball bietet, den ganz großen Wurf im entscheidenden Moment aber verpasst, hat sich Bayer Leverkusen bewahrt.
Auch die vergangene Spielzeit passt da ins Bild. Mit einer extrem jungen Mannschaft bot Leverkusen erfrischenden Offensiv-Fußball, träumte lange von der Champions-League und musste nach schwacher Rückrunde am Ende doch wieder mit Platz vier Vorlieb nehmen. Damit sich das endlich mal ändert, wird nun für die neue Spielzeit aufgerüstet. Schillernster Neuzugang ist dabei ohne Frage Michael Ballack, der nach mehreren erfolgreichen Jahren in England zu Bayer zurückkehrt um sein unvollendetes Werk aus dem Jahr 2002 fertigzustellen. Der Abgang des von Bayern München ausgeliehenen Mittelfeld-Talents Toni Kroos sollte dadurch problemlos abgefedert werden. Mit Hanno Balitsch steht außerdem ein weiterer Rückkehrer als Neuzugang fest und was Sidney Sam kann, das muss man in Kaiserslautern wohl niemandem erklären. Und so geht Leverkusen einmal mehr äußerst ambitioniert in die neue Spielzeit und hofft, dass endlich wieder ein Titel gefeiert werden kann.