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„Das Feedback war extrem positiv“

Kurz vor dem Pflichtspiel-Auftakt gegen Union Berlin sprachen wir mit Bastian Becker, dem Athletik- und Rehatrainer der Roten Teufel, über Leistungsdiagnostik, den Fitnesszustand der Mannschaft und die Arbeit im Trainingslager.

Basti, bald geht es wieder los in der Liga. Daher direkt mal ganz konkret:  Wie steht es um die Fitness unserer Jungs?
Mit der Vorbereitung bin ich, was den Bereich Fitness angeht, mehr als zufrieden. Wir hatten kaum Ausfälle und konnten mit dem Großteil der Mannschaft die ganzen Inhalte, die wir uns vorgenommen hatten, komplett durchziehen. Das Ergebnis zeigt sich dann auch in den Fitnesswerten.

Wie lässt sich der Fitnesszustand eigentlich messen?

Das machen wir auf ganz vielen Ebenen und mit verschiedenen Methoden. Als objektivster Wert bezogen auf die Grundlagenausdauer gilt natürlich der Laktattest. Da sind wir mit unseren Werten mehr als zufrieden. Dann gibt es aber auch noch weitere objektive Möglichkeiten wie Körperfettanalyse, Schnell- und Sprungkraftmessungen oder auch Läufe unter bestimmten Zeitvorgaben. Die ermittelten Werte gehen dann natürlich in unsere Datenbank, da können wir dann Vergleiche ziehen, intern oder auch im nationalen Vergleich. Den Laktattest machen wir zusammen mit der Uni Saarbrücken. Die machen das seit vielen Jahren für viele der deutschen Proficlubs, sowie für die DFB U-Nationalmannschaften und die A-Nationalmannschaft. Dadurch haben Sie zahlreiche Referenzwerte. Ich stehe mit den Verantwortlichen natürlich in engem Austausch und bekomme dann auch mal ein Feedback dazu, wo wir im Vergleich zu anderen Teams stehen.

Und wie war das Feedback zuletzt?

Ich möchte da jetzt nicht zu viel verraten, aber sagen wir mal so, es war extrem positiv. Der konditionelle Zustand unserer Mannschaft war überdurchschnittlich.

Wie sieht die Arbeit in Deinem Bereich aus, gerade nach der Winterpause, wenn die Jungs aus dem Urlaub kommen?

Na ja, im Urlaub machen die Jungs ja auch nicht richtig Pause. Jeder  muss in diesen Tagen ein individuelles, pulsgesteuertes Ausdauertraining, sowie ein Stabilisationsprogramm absolvieren. Die Werte werden dann von uns ausgelesen und analysiert und darauf basierend weiterführende, spezifische  Trainingsprogramm erstellt. Wer hat in welchem Bereich noch Nachholbedarf, wer muss sich verbessern. Nachdem die Phase der Grundlagenausdauer abgeschlossen ist, geht es in die intensiveren Bereiche. Für uns ist dabei wichtig, dass wir Kondition vielschichtig trainieren. Neben den klassischen athletischen Einheiten ohne Ball wollen wir das Konditionstraining auch in das tägliche Teamtraining einbauen. Wir machen viele intensive Spielformen, vom  1:1 bis hin zum 7:7 bei denen wir die Pulswerte kontrollieren und die Einheiten für jeden Spieler explizit auswerten. Unser Ziel ist es das, Spiel auf den Trainingsplatz zu projizieren. 

Wie wichtig ist für Dich die Arbeit im Trainingslager?

Das sind gerade für meine Arbeit ganz entscheidende Tage. Du hast alle Jungs jeden Tag um Dich, kannst Dir viel Zeit für jeden Einzelnen nehmen, persönliche Gespräche führen. Und vor allem bekommst Du immer schnell ein Feedback, das ist auch wichtig für die Trainingssteuerung. Wir haben es geschafft, dass bei uns im Trainingslager jeder Spieler jede Einheit mitgemacht hat. Keiner musste aussetzen und benötigte eine Sonderbehandlung. Das war schon ein sehr gutes Zeichen.

Was sind Deine Ziele bei der Arbeit mit der Mannschaft?

Zum einen sollte jeder Spieler am besten die komplette Saison ohne Verletzung überstehen. Nur dann kann sich auch seine Fitness optimal entwickeln. Dann sollte jeder Spieler in jedem Spiel über 90 Minuten marschieren können. Es gilt durch optimal gesteuertes und individualisiertes Training  die Defizite zu verringern und die Stärken weiter auszubauen.

Hat sich das Thema Fitness im Profifußball in den vergangenen Jahren verändert?

Auf jeden Fall. Der Fußball ist in den letzten Jahren nochmal deutlich athletischer geworden, die Ansprüche an den Körper sind gestiegen, es geht noch mehr um eine Ganzkörperstabilität. Zudem gibt es in einem Spiel viel mehr hochintensive Phasen, weniger Ruhepausen. Das alles hat Einfluss.

Bei Dir müssen die Jungs laufen, rennen, springen, meist ohne Ball. Mal ehrlich, als Fitnesstrainer ist man bei der Mannschaft wahrscheinlich nicht immer beliebt, oder?

Natürlich schreit keiner „Juhu“ wenn hochintensive Läufe  oder Krafttraining anstehen. Insofern sind manche vielleicht froh, mich nicht so oft zu sehen. (lacht) Wichtig ist für mich, den Zugang zu den Jungs zu finden. Ihnen Dinge zu erklären und keine offenen Fragen stehen zu lassen. Die Spieler müssen merken, dass sie die Schufterei nicht für mich, sondern für sich selbst machen. Sie müssen merken, dass es ihnen gut tut, dass es wichtig für sie, ihre Leistung und ihre Karriere ist. Und warum es so ist. Aber das wissen die auch alle, denn das sind alles Profis. Für mich ist aber auch wichtig, dass ich alle Übungen auch selbst ausprobiert habe. Ich weiß ganz genau, was wann und wie weh tut. Und das wissen auch die Spieler. (lacht)